Burda & Google – Revolution der Web-Monetarisierung?

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Die Revolution bei der Monetarisierung des Web ist in vollem Gange…

Begonnen hat die Revolution schon letzte Woche. Die IVW enthauptet das Vermarktungsmanifest des Internets, die Page Impression, als wegweisende Grundlage zur Monetarisierung der Reichweite und als traditionelles Messkriterium der Medien.

Die zweite Revolutionswelle kommt nun diese Woche. Der Großverleger Hubert Burda legt sich mit dem Webgiganten Google an. Er beklagt die schleichende Enteignung der Verleger durch den Suchmaschinenriesen sowie überproportionale Profitgier an den Inhalten der Verlage. Oder ist das alles nur die bange Voraussicht, die aus der ersten Revolutionswelle entsteht?

Es geht mal wieder um den Lieblingsspruch aller Verleger Content is key!. ‚Googlet‘ man diesen, ist das Ergebnis ist erschreckend: Das Suchfenster liefert mir als bestes Suchergebnis einen Link aus 2005 (!). Irgendwie frage ich mich, wieso man da Google an die Geldbörse will…

Also macht man sich seine eigenen Gedanken als ‚Verleger’…

Wie kommt Herr Professor Burda auf diesen Gedanken?
Vor rund 10 Jahren stehen alle Zeichen des Wachstums für Verleger auf Online Advertising (basierend auf Page Impressions). Print ist Online, wie eine Anzeige ein Banner. Dann kommen Affiliate-Programme. Für Verlage willkommene Add-Ons, die man gerne der Umsatzzeile hinzu addiert. Das Ärgernis: Mit ihnen hält Performance Einzug in die Online-Werbewelt.

Auf dem damaligen wie heutigen Affiliate-System basiert vermutlich die Burdasche Philosophie: Plattformen (=Verleger) nehmen Preissuchmaschinen, Meinungsportale oder Serviceanbieter (=Partner, die Werbende für Werbende sind) an Board und versuchen möglichst viele User dazu zu bewegen, über diese integrierten Inhalte Erlöse für den Partner zu erzielen, an denen man selbst als Plattformanbieter dann mitverdient. So wie Google das eben mit Adsense macht. Nur lässt man die Plattformanbieter nicht mitverdienen.

Und dann explodierte Search als die Wunderwaffe – und schnell wird Search mit Google gleich gesetzt, die heute den Online-Werbemarkt anführen.

Wer hilft hier jetzt wem?
Google ist aktiv – für den Verleger. Man stellt eine gute Plattform, von der die Verleger profitieren. Sie dient als Zugangsmultiplikator für den Content der Verlage. Immer vorausgesetzt, Verlage haben ihre Hausaufgaben gemacht. Will heißen, qualitativen Content produziert, weil in gute Content-Produzenten investiert. Nur Abschreiben fällt auf, ist ineffizient, wird in Google schlecht bewertet und ‚gerankt‘.

Der Verleger hat es also selbst aktiv in der Hand, wo und wie häufig sein Content in den Suchergebnissen so erscheint, daß sich auch möglichst viele User zahlreich auf Verleger-Webseiten einfinden.

Und der Verleger hat einen klaren Vorsprung: Als langjähriger, professioneller „Content-Creator“ weiß er, wie man Inhalte hochwertig macht, wo die Zielgruppen sind und was die Werbenden wollen. Zumindest hat die Werbeindustrie das über Jahrzehnte angenommen. Ein Irrglaube?

Wenn Google eine solche Macht hat, ist die Frage, wie hochwertig der Content der führenden Verlagshäuser denn nun wirklich ist. Oder ist der Wissensvorsprung inzwischen geschmolzen, seit es die Blogger den Verlagshäusern gleich machen und teilweise mehr investigativen Journalismus leben als die traditionellen Publisher.

Zumal frägt man sich, ob man bei Burda, ebenso wie so mancher andere Großverlag, nicht in SEM und SEO Massnahmen (u.a. vor allem bei Google) investiert hat? Hat man damit Google nicht erst seine Wichtigkeit für den Online-Werbemarkt vor Augen geführt?

Google selbst verhält sich passiv hinsichtlich seiner Monetarisierungsoptionen. Denn nur wenn ein Kunde sich neben einem für ihn relevanten Suchwort platziert, ein User nach diesem sucht und bei den Suchergebnissen dieses anklickt, gibt es für Google Geld. Das sind viele Schritte zur bezahlten Performance, bis sich Monetarisierung einstellt. Verlage haben sich vor Jahren auf das Spiel eingelassen und mit ähnlichen Modellen nachgezogen.

Und jetzt will Google auch noch Performance-basierte Produktanzeigen Modelle aufsetzen. Google findet viele Wege zur Monetarisierung und macht es sich selbst schwer Geld zu verdienen. Soll aber dafür jetzt auch noch zahlen…

Bei allen Monetarisierungsmodellen steht fest: Ohne Content kommt mal gar kein Geld in die Kassen – auch bei Google nicht.

Nun beklagt sich Burda, daß ihm der „Monopolist der Traffic- und User-Lieferanten“ einen sehr dankbaren Dienst erweist. Schließlich verweist Google seine User ja nur auf -mal mehr, mal weniger- hochwertigen Content, mit dem die Verleger über Display- und Affiliate-Werbung Umsätze generieren.

Und Google spart dabei auch größtenteils die Bloggosphäre mit einer eigenen Blog-Suchmaschine aus. Somit positioniert Google die Großverleger, wie z.B. Burda, noch vor die Konkurrenz der ‚kleinen‘ Content-Produzenten. Sprich: Google klassifiziert die potentielle Treffergenauigkeit vor, segmentiert Suchergebnisse nach Wertigkeit und honoriert den qualitativen Verlagsjournalismus. Google hält also auf diese Weise viele Bloginhalte dem Werbemarkt fern und macht die Ergebnisse von Großverlagen schneller auffindbar. Monetarisierung findet von Google in der Googlesuche nicht einmal statt…

Spot On!
Irgendwie erinnert einen das Szenario zwischen Google und Hubert Burda an einen uns allen bekannten Spruch aus dem Zauberlehrling: „Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.“ Denn eine ganze Zeit lang hat man die Umsätze durch AdSense gerne verbucht. Eine Lösung heute gibt es nicht…

Es sei denn die Verleger setzen sich zusammen und machen ihren Content nur noch bedingt zugänglich: Nicht mittels Nichtauffinbarkeit des Content durch Löschung der robot.txt Dateien von Google, sondern durch die einheitliche Einführung von Paid Content.

Die finale Frage ist doch: Was passiert, wenn der hochwertige Verleger-Content aus den Google Suchergebnissen verschwindet, weil nur noch Content angeteasert wird, oder ganz verschwindet? Wenn die großen Verleger gleichzeitig Google den Content-Hahn abdrehen und ihre Inhalte nur noch gegen Bezahlung lesbar machen?

Dann entscheidet sich ob…
… Google die Verleger braucht, oder die Verleger Google
… der Verleger-Content wirklich qualitativ hochwertig ist
… die Bloggosphäre vom Verleger-Content ‚profitiert‘
… Abo-Modelle für Verleger im Internet funktionieren
… und welches Business von welchem anderen profitiert.

Gehen die Verlage diesen -zugegeben mutigen Schritt- nicht, bleibt Burdas Illusion bestehen, daß Google die Verleger am Erlösmodell partizipieren lassen muß.

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Kommentare

2 Kommentare zu "Burda & Google – Revolution der Web-Monetarisierung?"

  1. Michael Altendorf am 03.07.2009 12:34 

    Hallo Martin!
    Ich denke die Einführung eines Subscription Modells ist nur möglich, wenn sich alle großen Verlage zusammenschliessen. Ansonsten passiert das gleiche wie mit der NY Times: Der Traffic geht enorm zurück. Solange die Werbeeinahmen noch die AboGebühren übersteigen ist ein Abo Modell keine Option.
    Nach und nach wird sich aber rausstellen, ob die Blogs qualitativ überhaupt das halten, was man sich verspricht. User genereated content ist schön, aber es gibt eben auch viel Müll.
    Die guten Blogs unterscheiden sich schon heute kaum noch von einer Nachrichtenseite: vlg Techcrunch mit CNET, Netlog und XING zeigen, dass es bei den Social Networks funktioniert ein Freemium Modell einzuführen.
    Wenn es alle Verlage gleichzeitig tun und eine SEHR SEHR einfache Bezahlmöglichkeit bieten würden, wäre dies auch online möglich. Die Blogger wollen früher oder später auch Geld verdienen. Nur weil die Wechselkosten gering, Software on demand frei verfügbar ist etc heißt das nicht, dass alles umsonst sein wird.
    Für Qualität wird später doch bezahlt werden. Dafür sorgt schon das Überangebot. Vielleicht nicht für den Inhalt der Seite, aber umso mehr für den Zugang und für das Finden der richtigen Seite… etc etc.

  2. Martin Meyer-Gossner am 03.07.2009 15:33 

    Absolut korrekt, sehe ich genauso. Ein Modell, wie ich es mal als ‚The Social Globe‘ für die Social Media Plattformen hier auf dem Blog beschrieben habe. Kommt ein Modell wie Premiere (respektive SKY) nicht in der Internetwelt auch für klassische Content-Seiten frage ich mich, wo die Qualität hingeht und wie die Verleger weiterhin existieren wollen. Irgendwie müssen die Print-Abo Verluste kompensiert werden. Und wenn ich früher für ein Abo bezahlt habe, warum dann nicht heute auch…?

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