CeBIT 2009 – Webciety vs. Webciety

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Die Messe CeBIT 2009 ist gelesen. Also, wollen wir eine kleinen Rückblick wagen…

Was hat die CeBIT 2009 ‚getrieben‘?
Viel Hoffnung auf Wachstum, viele Visionen und viel Wunschdenken.
Was steht geschrieben?
25% weniger Aussteller (4300 Unternehmen), 20% weniger Besucher (rund 400.000) und einen Tag weniger CeBIT 2010.
Was ist geblieben?
Fragen, Fragen, Fragen… meistens zum Thema und Konzept der Webciety

Webciety – Was war das nochmal?
Der Veranstalter Deutsche Messe hat es zur Chefsache gemacht. Web-Visionäre nehmen es dankbar auf. Vor der Messe zelebrieren die beiden Parteien im Schulterschluß das Kunstwort ‚Webciety‘. Sie sprechen vom wachsenden Einfluss des Internets (Web) auf sämtliche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche des Lebens (Society). Ein Trend, der grundsätzlich natürlich nachweisbar ist und von dem sich Unternehmen Erfolg versprechen.

In der Businesswelt der CeBIT scheint dieser allerdings nicht wirklich angekommen zu sein. Was virtuell zwar in den Köpfen der Businessmenschen 2.0 verankert, sah sich auf der CeBIT einer realen, schwarzen ‚Stand-Barriere‘ gegenüber. Und selbst die Hauptdarsteller der Themen um Social Networks, Blogging und Co. Facebook, Twitter, MySpace und XING blieben der Webciety fern. Und die Oberen dieser Firmen sprachen bezeichnenderweise teilweise eher auf der Global Conference der CeBIT.

Die Halle 6: Ort der Gegensätze
Wer sich an den Rand der Halle 6 stellte, dem erschloss sich auch schnell die unüberwindliche Hürde zwischen IT und Internet. Oder besser: zwischen Businessentscheidung und Internetbegeisterung. Von ‚Internet is coming home‘, Slogan der Webciety, konnte da nicht wirklich die Rede sein – auch wenn man noch so viel über die Zukunft des Internets diskutiert. Dem Schlipsträger, oder ‚Grauanzugträger‚, schien das Wabenkonzept der Webciety wie eine kleines ‚Schwarzes Loch‘ vorzukommen, in das er besser nicht eintauchen wollte. Das ‚Schwarze Loch‘ Internet, vor dem viele Business-Entscheider sich fürchten, kam in Form einer dunklen unwägbaren Fläche daher – mit seinen 24 vermieteten Mini-Ständen, welche sich von 130 weiteren Webunternehmen umringt fanden. Weder Besucher noch Aussteller nahmen so richtig Notiz von der Webciety.

Spielvarianten von Webciety
Den meisten Messebesucher vermutlich entgangen, ist die Tatsache, daß es in der Halle 4 einen weiteren Webciety Bereich auf dem SAP-Stand gab. In diesem eher wissenschaftlichen Webciety Bereich war der Researchbereiches der SAP zuhause, der sich auf der CeBIT mit demselben ‚Buzz-Word‘ platzierte und an einem kleinen Nebenstand seine ‚Dienstleistungen im Internet der Zukunft‘ zelebrierte. Diesem komplexen Ansatz eines ‚Mehrwert durch Vernetzten, Automatisieren und Personalisieren‘ liegt die Initiative THESEUS-Programm des Wirtschaftsminiteriums zugrunde.

In einem Exklusiv-Gespräch erklärte mir Dr. Joachim Schaper, Vice President EMEA, die SAP Definition von ‚Webciety‘.

Dem gegenüber steht der oben beschriebene CeBIT Auftritt der Webciety durch die Follower des ‚Web-Avantgardisten‘ und CeBIT-Webciety Initiator Sascha Lobo. Den Erfolg seiner Webciety beschreibt Lobo mir gegenüber wie folgt…

Welcher Part nun die Zukunft des Business und das Business der Zukunft prägen wird, wird sich zeigen.

Spot On!
Der Webciety Gedanke war generell eine gute Idee hinsichtlich der Awareness Generierung ‚Pro-Internet im Business‘ – gerichtet an den Kreis der budgetmächtigen Entscheider. Gewirkt hat das CeBIT-Model nicht, weil sich ein ‚Schwarzes Loch‘ nicht gut vermarkten, verkaufen und verstehen lässt. Selbst der Schwerpunkt der ‚klassischen‘ Internetfirmen zog es vor, lieber im lichten Flur der Halle 6 die altbewährte Variante des Messeauftritts zu wählen, wie z.B. CoreMedia, Imperia, Intershop, Infopark oder Open Text. Nicht mal ein konkurrenzlos günstiger 10.000 EUR Messestand war ein Argument, Teil der Webciety zu werden. Nach dem geringen Zuspruch durch Managementbesucher ist das Konzept in dieser Form zukünftig fragwürdig. Es sei denn, die Monetarisierung des Internets soll weiter ohne umsatzbringende Silberlinge vorankommen…

Der Messeveranstalter ist mit der Idee der Webciety dennoch zufrieden: „Wir haben diesen Unternehmen eine Heimstatt geboten, die sie vorher nicht hatten“, erklärte CeBIT-Chef Ernst Raue und ergänzt „Alle Aussteller haben bereits jetzt für die nächste CeBIT zugesagt“. Irgendwie erinnern einen diese Aussagen des Veranstalters an jene nach Abschluss der ‚letzten‘ Online Marketing Düsseldorf (OMD) vor einem Jahr. Den Ausgang bildete ein neues Konzept. Es besteht also noch Hoffnung…

PS: Aber auch eine SAP muss sich fragen, ob man weiterhin zukunftsweisende Projekt an ein Buzz-Word anlehnen will, welches wenige Businessentscheider angenommen haben.

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Kommentare

3 Kommentare zu "CeBIT 2009 – Webciety vs. Webciety"

  1. Bjoern Negelmann am 10.03.2009 17:34 

    Hallo – natürlich argumentiere ich nicht ganz neutral, aber das mit dem „schwarzen Loch“ ist nun wirklich etwas überzogen. Da gibt es an dem Konzept sicherlich Verbesserungspotentiale, aber die Business-Leute vollständig nicht erreicht – ist auch nicht wirklich als Fazit zu schliessen. Ich habe zwar gerade kein Publikumsbild der Konferenz zur Hand, aber ich fand das eigentlich sehr durchwachsen. Und was die CMS-Hersteller angeht, so werden die auch in Zukunft nicht ihren Portfolio-Stand gegen eine kleine Wabe eintauschen – das ist IMHO auch von beiden Seiten nicht wirklich gewollt. Und die Facebooks, XIngs und sonstigen Massen-Web-Diensten werden dort auch nicht sein – weil sie doch gar nichts auszustellen haben. Aber es gibt Dienstleister und kleinere Systemanbieter, denen man mit diesem Konzept durchaus einen neuen Zugang zur Messe bietet. Grüsse. Bjoern

  2. David Nelles am 10.03.2009 17:43 

    Hallo Martin,

    deine Einschätzung der Webciety deckt sich in etwa mit meiner. Ich finde das der Kreis der Menschen die sich auf solchen Veranstaltungen auf dem Podium sitzen langsam aufgebrochen werden sollten. Ansonsten wirkt das ganze sehr schnell selbstreferenzierend.

    Die Idee die Kongrss Media hatte geht sicherlich in eine richtige Richtung. Es fehlte nur an frischen Meinungen und Gesichtern. Wo waren die Jägermeisters, die Dells, die Tchibos oder Baiersdorfer. Der hundertste Versuch Tools zu erklären bringt uns nicht weiter. Es muss darum gehen den Dialog in den Mittelpunkt zu stellen – was kommuniziere ich eigentlich in Social Media als Werber, Kommunikator etc. Best Cases bringen Mehrwert.

  3. Martin Meyer-Gossner am 11.03.2009 09:55 

    @Bjoern… Das Konzept war eine gute Idee, daran rüttelt niemend. Aber die Frage ist immer, welche Firmen und ‚Köpfe‘ sich dann letztendlich an ein solches Konzept heften, auf den Podien sitzen und wie diese sich verkaufen. Genau da finden sich die Businessentscheider eben oft nicht wieder, was mir zahlreiche Gespräche mit unseren Kunden gezeigt haben. Und ihre finanziellen Mittel werden doch für die Zukunft des Web und solcher Konzepte dringend gebraucht.

    @David… Absolut meine Meinung. Der Monetarisierungs-Aspekt aus beiden Sichtweisen sowie die Diskussion darum muss jetzt im Vordergrund stehen. Da fiel nur Heiko Hebig auf, der mit scharfen Tönen eine konstruktive Diskussion um neue Modelle anregte.

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