Das Ende der mobilen Internet-Flatrate und die endlose Mär vom Durchbruch des mobilen Internets…

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Das mobile Internet hat den Durchbruch geschafft… Das sagt der BITKOM und begründt es mit einer repräsentative Forsa-Umfrage. Schließlich nutzen 10 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Internetdienste via Mobiltelefon, was 17% aller Handybesitzer in Deutschland entspricht. Und 4 Millionen nutzen regelmäßig Apps als Zugang. Die anderen sehen die Massennutzung dagegen noch nicht. Noch Anfang des Jahres sagte Accenture in seiner „Mobile Web Watch“ Studie eher einen Durchbruch auf Raten vorher. Als Begründung führt man an…

„Das mobile Internet hat es geschafft, sich im Alltag seiner Nutzer zu etablieren – und steht vor der nächsten großen Herausforderung, nämlich durch attraktive Preisgestaltung und durch interessante Angebote neue Nutzer für den Einstieg in das mobile Internet zu begeistern.“ Dr. Nikolaus Mohr, Ann-Kathrin Sauthoff-Bloch, Partner, Communications & High Tech, Accenture

Den richtigen Durchbruch haben auch die UMTS Technologie nicht leisten können. Schließlich steht mit LTE (Long-Term-Evolution) bereits ein neue, leistungsfähigere und schnellere nächste Generation eines mobilen Netzwerks in den Startlöchern. Und auch wenn die Smartphones eine neue Ära in der mobilen Internetnutzung eingeleitet haben, scheint die Zukunft des mobilen Webs nach Meinungen von Fittkau & Maaß erst ganz am Anfang zu stehen.

Auch in dieser Studie wird deutlich, das die fragwürdige Transparenz der Kostenstruktur ein grundsätzlicher Hinderungsgrund für die zukünftige Massennutzung ausmacht. Ob der Mobile World Congress dann in München, Köln oder Barcelona stattfindet, wird das Problem der Preisfrage nicht grundsätzlich beeinflussen.

Am User hängt es also mal wieder. Er soll, aber will nicht. Und nutzt er erstmal das mobile Internet im Ausland, ist gleich alles zu spät. Da wird der Geldbeutel schnell leer. Mit dem Thema Daten-Roaming läßt Marcus Rohwetter von der ZEIT zurecht einen Appell an die „Halsabschneider“ ab und kritisiert, daß die Inanspruchnahme des Versprechens der grenzenlosen Mobilität nur unter Inkaufnahme der Privatinsolvenz möglich sei. Das Gefühl habe ich auch, wenn ich im Ausland unterwegs bin und nach ein paar Minuten der Nutzung eine SMS eintrudelt. „Ihr Limit von XXEUR (je nach Anbieter und Tarif unterschiedlich) ist aufgebraucht.“ Das Kostenspiel mit wenig Gegenwert nervt. Deshalb wird die Forderung laut: Wir brauchen eine globale Flatrate!

MOMENT…! Die Frage ist, ob es die mobile Internet-Flatrate überhaupt noch zukünftig geben wird… egal ob global oder lokal.

Die mobile Internetnutzung stellt die mobilen Internet-Provider nämlich vor eine Traffic-Problem. Wo früher nur wenige Kunden ein Mobiltelefon hatten, war das Datenvolumen in den Netzen der Mobilfunker überschaubar. Heute ist weltweit bereits jedes fünfte verkaufte Handy ein Smartphone-Typus (Quartal 2 2010 gingen über 60 Millionen neue Smartphones live). Die Datenabnahme wächst und die Provider stellen sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Der iPad (oder auch andere Netbooks) wird seinen nicht unerheblichen Beitrag hierzu leisten.

Und deshalb sollen jetzt die mobilen Flatrates wieder abgeschafft werden. Zumindest nach Vorstellung von 391 Managern aus der Mobilfunkbranche, die in einer Umfrage „Mobile Challenges Survey 2010“ der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (durchgeführt von Economist Intelligence Unit) ihre Meinung kundtun durften. Wenn 55% der Manager die herkömmlichen, volumenabhängigen Preise für eine Antwort halten, muß man sich fragen, wie der Durchbruch geschafft werden soll. Die Transparenz der Festpreisangebote im Mobilfunk werden demnach weltweit an Bedeutung verlieren.

So sehen rund die Hälfte befragten Mobilfunkmanager die Entwicklung neuer Tarifmodelle als eine der wichtigsten Herausforderungen. Dem stimmen wir mal ganz feste zu. Aber nicht, indem man einen Rückschritt macht in die alte Welt der intransparenten Roaming-Abrechnung, sondern hin zu einer Tarifentwicklung, wie sie sich auch im Festnetz-Telefon durchgesetzt hat.

Die mobile Internet-Flatrate abzuschaffen, ist als wolle man den Durchbruch des mobilen Internets nicht wirklich. Und diese Entscheidung würde auch die Popularität der Smartphones und mobilen Internet-Devices schwer mindern.

Oder wie seht Ihr das?

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Kommentare

4 Kommentare zu "Das Ende der mobilen Internet-Flatrate und die endlose Mär vom Durchbruch des mobilen Internets…"

  1. Uwe Baltner am 25.08.2010 08:40 

    Das Problem ist, dass die Anbieter beim Thema mobiles Internet von Anfang an viel zu ungeduldig waren. Die Milliardenausgaben für die UMTS-Lizenzen sollten wieder erwirtschaftet werden, da war zunächst egal, was die Kunden wollten. Jetzt sind die Manager wieder den Kunden viel zu weit voraus und glauben tatsächlich an die Mär vom Durchbruch. Dabei fangen die meisten Leute erst an zu begreifen, dass Handys nicht nur zum Telefonieren da sind.

    Auch aus dem Erfolg der Discounter, die mit einfachen Tarifen argumentieren, hat man nichts gelernt. Die Flatrate ist meines Erachtens sowohl das einzig vernünftige Angebot fürs mobile Surfen als auch das einzige, das sich langfristig durchsetzen wird (von mir aus mit Deckelung bei 3 oder 5 GByte oder ähnlichen Einschränkungen).

    Außerdem ist Kreativität gefragt: Warum nicht dem Kunden mal 3 Monate Gratis-Surfen spendieren, damit er die Vorzüge des mobilen Internets überhaupt mal erleben kann?

  2. Peterchen am 25.08.2010 11:06 

    Das mobile Internet hat gerade erst begonnen, die breite Masse hat Blut geleckt: sinnvolle mobile Dienste und „allways on“ in der Kommunikation sind kaum mehr wegzudenken, insofern wird der Druck auf die Mobilfunkanbieter riesig, wenn diese Alttags-Lebensverbesserer nennenswert teurer werden.

    Aber diese Dienste sind sowieso eher selten das eigentliche Problem: Warum nicht Traffic- und Bandbreitenfresser wie Youporn und YouTube gesondert bepreisen? Oder sinnvolle Fair-Use-Regeln finden? Beispiel: chatten und Twittern kann ich auch mit GPRS ganz gut, solange es nur „Flat“ ist. Für Video-Telefonie kann ich mir sogar vorstellen, extra zu bezahlen.

    Es gilt also, eine preiswerte „digitale Grundversorgung“ sicherzustellen und darüber hinausgehenden Luxus marktgerecht zu bepreisen. Wem dies dann auch noch halbwegs transparent gegenüber dem Kunden gelingt, der wird sich vor selbigen kaum retten können.

    BTW:
    Die letzten beiden Sätze des Artikels wirken ein bisserl hingeschludert: den ersten verstehe ich gar nicht, beim zweiten glaube ich nicht, dass man eine „Popularität in den Schatten stellen kann“ – klingt irgendwie holprig …

  3. Martin Meyer-Gossner am 26.08.2010 01:50 

    @Uwe: Danke für Dein Feedback. Übrigens viel Erfolg mit deinem neuen Business! Denke auch, daß es noch viel Nachholbedarf gibt, das mobile Internet erstmal spannend zu machen. Aber genau da hakt eben oft das Problem… Vor 11 Jahren habe ich über Bandbreiten-Probleme diskutiert, heute wieder… Irgendwie stehen wir bei dem Thema still.

    @Peterchen Guter Lösungsansatz, den ich auch befürworten würde. Wenn das Bandbreitenproblem so schwer lösbar ist für die Anbieter, dann eben einfach mal umdenken und Content kategorisieren und entsprechend monetarisieren. Das BTW: Ist korrekt, ein 1.30am Produktionsfehler… ;-)

  4. Markus Trauernicht am 02.09.2010 22:15 

    Die Hauptprobleme des mobilen Internets sind von technischer Natur. Und die sind mit der Zeit lösbar.
    Markus Trauernicht

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