Der kleine XING-Kontakt Knigge

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Es mag gewagt sein und dennoch wagt man sich an ein heikles Thema, welches bei vielen meiner Kollegen, Bekannten und Freunde immer wieder aufkommt. Vermutlich ist daran die zunehmende Beliebtheit von XING und des Business-Networking generell verantwortlich: der schlechte und teilweise unprofessionelle Kommunikationsstil im Umgang mit Businesskontakten via XING.

Im Business zählt, wie wir alle aus Management-Trainings und Medien wissen, der erste Eindruck. Wenn wir also über XING neue Kontakte suchen, interessante Partnerschaften in Gang bringen wollen oder einfach nur Recherche betreiben, sollten wir für alle Aktionen wie auch Reaktionen gewappnet sein. Denn über alle Aktivitäten -oder ausgelassenen Optionen- wird am Ende unsere Online- und Offline-Reputation gemessen. Nicht umsonst haben Bücher wie ‚Karrierefalle Internet: Managen Sie Ihre Online-Reputation, bevor es andere tun! ‚ große Beliebheit errungen.

Die Stolpersteine liegen im Falle XING weniger bei bereits bestehenden Kontakten. Hier pflegt man doch untereinander in der Regel einen gewissen Umgang und weiß, mit wem man es warum zu tun hat. Schon schwieriger wird es dagegen bei der Kontaktaufnahme mit bisher unbekannten Personen. Dabei ist es egal, ob man selbst mit jemanden in Kontakt treten möchte, oder ob man von jemand bisher Unbekanntem kontaktiert wird. Zwar bietet XING schon ein paar Hinweise, jedoch sind diese zum einen gut versteckt unter dem Bereich „Hilfe“ bei den „FAQs“ und zum anderen beleuchten diese nur einen Teil der Thematik.

Richten wir unseren Blick also einmal auf ein paar Grundsätze, die bei einer Kontaktaufnahme über XING (oder anderen Business-Netzwerke) beachtet werden sollten.

Der kleine XING-Kontakt Knigge für Neukontakte

Kontaktaufnahme durch Sie
a) per Nachricht: Sein Sie freundlich, fassen Sie sich kurz und nehmen Sie direkten Bezug auf Ihr Anliegen: Warum sprechen Sie genau diese Person an? Gehen Sie immer davon aus, dass der Angesprochene, je höher er im Unternehmen steht, umso weniger Zeit für das Networken hat. Auch wenn diese Person sich in Netzwerken gerne mehr engagieren würde.
Sein Sie darauf gefasst, dass Sie Feedback bekommen. Dieses Feedback kann komplett anders ausfallen, als Sie sich denken oder wünschen. Gehen Sie auf jeden Fall auf dieses Feedback ein.
b) per direkter Verknüpfung: Besteht überhaupt kein vorheriger Kontakt (online wie offline) ist es ratsam, nicht direkt Kontakte zu verknüpfen. Es sei denn, sie wollen wie ein Jäger und Sammler wirken…

Geben Sie dem Gegenüber die Option, direkt mit Ihnen online oder offline zu kommunizieren. Ihre Kontaktdaten können Sie dieser Person auch freischalten, ohne sich mit dieser Person zu verknüpfen. Bleiben Sie nicht anonym.

Kontaktaufnahme mit Ihnen
a) per Nachricht: Im ‚unwahrscheinlichen‘ Falle einer an Sie gerichteten Kontaktaufnahme durch ein XING Mitglied per Nachricht hat derjenige meistens ein ihm wichtiges Business-Anliegen. Dass derjenige Sie ausgewählt hat, um dieses Anliegen zu erfüllen, ehrt Sie – aber bewerten Sie das auch so.
b) per direkter Verknüpfung: Besteht überhaupt kein vorheriger Kontakt (online wie offline) überlegen Sie genau, ob Sie den Kontakt bestätigen. Zu viele Kontakte sind schwer zu pflegen und zu handhaben und werden somit schnell unprofitabel. Sind Sie der Meinung, der Kontakt bringt Sie beruflich (oder privat) weiter, so spricht nichts gegen eine Verknüpfung. Scheuen Sie sich aber auch nicht, eine für Sie irrelevante Verknüpfung abzulehnen. Nutzen Sie aber die Möglichkeit des Zufügens oder Ablehnens und lassen Sie den Kontakt nicht ewig im Ordner „Zu bestätigende Kontakte“ liegen.

Wenn jemand mit Ihnen Kontakt aufnimmt, gebietet es die generelle Pflicht, eine Antwortmail zu schreiben – egal ob kurz oder lang, positiv oder negativ oder ob Sie ein geschäftliches ‚Interesse‘ an der Person haben oder nicht. Auch wenn das Anliegen in Ihren Augen uninteressant, langweilig und unpassend zu Ihrem Profil ist, eine Antwort hat die Kontaktaufnahme verdient. Mal ein Offlinebeispiel zum Vergleich… Kommt ein Mitarbeiter mit einer Businessidee auf Sie zu, drehen Sie sich auch nicht einfach weg, oder doch…? Bedenken Sie immer, dass Premium-Mitglieder in der Regel wissen, dass Sie die Mail gelesen haben, wenn Sie das Profil des anderen angesehen haben.

Die obigen Empfehlungen treffen übrigens auch auf die Gruppen in den Business Networks zu. „Wer neue Kontakte knüpfen möchte, der findet in den rund 20.000 der bei XING organisierten Gruppen für ihn passende Themen und spannende Kontaktmöglichkeiten. Wer sich hier kompetent zeigt und mit interessanten Beiträgen auf sich aufmerksam macht, findet online wie offline viele Anknüpfungspunkte“, erklärt Thorsten Vespermann, Director Corporate Communications der XING AG.

Spot On!
Verhalten Sie sich bei Kontaktaufnahmen immer so, als würden sie einander persönlich gegenüberstehen. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer großen Visitenkarten-Party und ignorieren jemanden, der ihnen 5 Minuten später durch eine andere Person vorgestellt wird. Man sieht sich immer zweimal im Leben… und es kann durch das Online Business-Networking schneller passieren als Ihnen lieb ist.

PS: Um Herrn Reich-Ranicki gerecht zu werden und das Internet nicht in TV-ähnlichen qualitativen ‚Abgründen‘ enden zu lassen, wollen wir auch die sprachlichen Aspekt für alle XING’ler nicht vergessen und diese schöne Hilfe des Goethe Instituts für jeden Networker bereitstellen.

Wenn Sie bitte hier die Informationen des Goethe Instituts abrufen wollen… Vielen Dank!

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Kommentare

19 Kommentare zu "Der kleine XING-Kontakt Knigge"

  1. Kontakte pflegen per Contact Management Tool? am 04.02.2009 07:56 

    […] immer mehr als anstrengend, aber das ist man von Messen ja nicht anders gewöhnt. Jetzt heißt es Kontakte pflegen und die Messe […]

  2. Rudolph am 10.04.2009 17:13 

    Nun ja, ich kann den Dingen zustimmen, doch andererseits kommt es immer auch auf die Leute und den Kommunikationsstil in ihren Branchen an. Manche sind eben lockerer und andere legen sehr viel Wert auf Formalitäten. Aber ich würde auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren, dass es neben dem Branchenführer auch noch andere interessante Business-Communities gibt.

  3. Martin Meyer-Gossner am 10.04.2009 18:00 

    @Rudolph Auch diesen Worten kann ich nur zustimmen. Guter Kommunikationsstil ist der Anfang von Customer Relationship Management und erfolgversprechender Kundenkommunikation, aber das muss natürlich jeder für sich selbst bewerten. Und im Web 2.0 verschwinden auch manchmal die Grenzen zwischen PR und Marketing…

  4. Michael Jahn am 09.11.2009 12:45 

    „Besteht überhaupt kein vorheriger Kontakt (online wie offline) überlegen Sie genau, ob Sie den Kontakt bestätigen. Zu viele Kontakte sind schwer zu pflegen und zu handhaben und werden somit schnell unprofitabel.“

    Diese Aussage zeigt, dass das Wesen des Netzwerkens gar nicht verstanden wurde. XING ist kein virtuelles Adressbuch und ein Netzwerk dient nicht dazu, Freunde zu finden oder Beziehungen zu pflegen. Die Kontakte pflegen sich mehr oder weniger von allein und vereinfacht könnte man viel zutreffender formulieren, dass ein Netzwerk mit weniger als 500 Personen gar nicht profitabel sein kein. Sie können gar nicht wissen, ob und wenn ja wann und wie ein Kontakt für Sie wichtig und nutzbringend werden wird. Lehnen Sie aber den Kontakt ab, dann ist es sicher, dass Sie nichts davon haben werden.

  5. Martin Meyer-Gossner am 09.11.2009 14:06 

    Es ist richtig, daß man gar nicht genug Kontakte haben kann. Ob 500 Personen für die Profitabilität eines Netzwerkes eine kritische Masse ist? Sehr pauschales Argument, in meinen Augen… Die Frage ist doch, ob man jeden Kontakt, den man hat, publik machen will oder muß. Ein ‚Kontaktgewinn‘ hängt immer von der Position des Einzelnen, der Branche, dem Titel und zahlreichen weiteren Faktoren ab und ist individuell zu bewerten. Es wird nicht angeraten, Kontakte abzulehnen. „Überlegen Sie genau…“ ist die Aussage. Wer das Netzwerken versteht, weiß warum er jemanden kontaktiert oder als Kontakt akzeptiert … oder öffentlich kommentiert, was einer Kontaktaufnahme gleichkommt. Freue mich auf ihre die Kontaktaufnahme, auch gerne via XING oder LinkedIn. Viele Grüße

  6. Web Knigge am 16.11.2009 11:24 

    Da es im dem Text um Xing geht, stimme ich voll und ganz zu dass man sich auf dieser Plattform überlegen sollte welche Kontakte man annimmt. Ein gewisses Kingge Grundverständnis sollte, vor allem beim Erstkontakt, doch vorhanden sein.
    Auf anderen Plattformen, welche man dann auch meist aus anderen Gründen nutzt, ist dies allerdings weniger wichtig. Möchte ich auf z.B. Facebook einfach nur meine Produkte anpreisen, so will ich auch jeden damit ansprechen.

  7. Martin Meyer-Gossner am 16.11.2009 17:13 

    Vielen Dank für das Feedback. Natürlich gebe ich recht, daß auf Facebook, Twitter und anderen Plattformen andere Regeln gelten.

  8. Meine Geheimnisse erfolgreich eingesetzter Social Media Maßnahmen am 23.09.2010 07:03 

    […] Natürlich liegt der Erfolg eingesetzter Social Media Instrumente schließlich auch darin, wie man diese Dienste nutzt. Was schreibt man? Was verlinkt man? Wie kommuniziert man? Das sind jedoch Dinge, die jeder für sich selbst entdecken und ausprobieren muss. Um sich in diesen Bereich schon mal etwas zu wappnen, empfehle ich unter anderem den kleinen Twitter-Knigge aus dem Blog Karrierebibel, den Blog Facebook-Marketing, wenn es rund um Fragen und Verhaltensmöglichkeiten bei Facebook geht oder auch Tipps rund um Xing – beispielsweise 10 Dinge, die man bei Xing besser nicht tun sollte oder der kleine Xing Kontakt Knigge. […]

  9. links for 2010-11-09 « Where is my towel? am 10.11.2010 08:02 

    […] Der kleine XING-Kontakt Knigge OG: Sehr, sehr guter Text, bei dem ich direkt überlege, ob ich ihn nicht in den Antworten auf inhaltsleere Kontaktanfragen als LInk mitsende. (tags: ***** xing kontakte knigge) […]

  10. Cornelia Dahmen | INTERBOOST am 09.01.2012 23:38 

    Was Sie Herr Meyer-Gossner in 2009 geschrieben haben, hat heute im Jahre 2012 immer noch Gültigkeit.

    Habe Ihren Kommentar heute gerade entdeckt.

  11. Martin Meyer-Gossner am 10.01.2012 12:15 

    Vielen Dank für die Zustimmung und das Feedback, Frau Dahmen!

  12. Antonio dos Santos am 28.06.2013 09:32 

    Guten Morgen, erstaunlich dass dieser Artikel aus 2008 ist. Andere Artikel dieser Zeit bewerten Xing als eine gewaltige Zeitvernichtungsmaschine.

    Zum Inhalt: Ich denke, dass der Index *Anzahl Kontakte* zwischenzeitlich eine höhere Wertigkeit erhalten hat (siehe Klout Faktor). Sei es Mainstream oder nicht, man schaut auf die Anzahl Kontakte des anderen. Sicher ist, dass viele Erstkontakte auch wiederum mehr Folgekontakte möglich machen, aber einen höheren Zeitaufwand der Kontaktpflege mit sich bringen.
    Meine Meinung: Die Anzahl Kontakte sollte „pflegbar“ sein, damit regelmäßig/gelegentlich der Kontakt online/offline gepflegt werden kann.
    Netiquette/Knigge: Diese Diskussion existiert seit Anfang der Internetkommunikation und wird dauerhaft bleiben, solange Verhaltens- und Kommunikationsunterschiede an Nachfolgegenerationen weitergegeben werden. Die Art und Weise der zu versendenden Nachricht sollte Abhängig des Empfängers und der Umgebung/Plattform sein; eben so, wie im realen Leben.

  13. Martin Meyer-Gossner am 30.06.2013 02:09 

    Danke für das Feedback, Antonio. Ja, man muss immer die Chance und nicht das Risiko sehen.
    Kontaktanzahl: Was sagt es schon, wie viele Kontakte man hat. Ich kenne Menschen, die sammeln Kontakte und wenn man sie trifft, kommt kein Mehrwert aus dem Gespräch. Welchen Personal Scoring Index (http://www.thestrategyweb.com/personal-scoring-index-the-future-of-digital-identity) soll man solchen Menschen beimessen? Klout und Cred erscheinen da mal schnell wertlos.
    Netiquette/Knigge: Korrekt. Die Worte würde ich heute vermutlich aus Richtung Abhängigkeit von Zeit und Kommunikationsvermögen schreiben. Für viele ist der Personal Web Manager (http://www.thestrategyweb.com/vision-oder-utopie-personal-web-manager) langsam immer wichtiger. Aber den haben viele noch nicht…

  14. S. Trumpler am 24.01.2014 11:23 

    Ich habe diesen Artikel (leider) gerade erst entdeckt.
    Vielen Dank dafür!!!
    Obwohl er von 2008 ist, hat er – meiner Meinung nach – heute sogar noch mehr Gewicht.
    Das sollten einige erst Mal lesen, bevor Sie Kontaktanfrage stellen oder gestellte Kontaktanfrage kommentarlos ablehnen.
    Der neue Artikel „Xing ist tot…“, durch den ich auf diesen hier aufmerksam geworden bin, ist auch sehr interessant.
    Dazu könn(t)en auch „normale Xing-Mitglieder“ wie ich einiges berichten…

  15. my.spread.ly - home of your sharing-stats am 24.01.2014 12:00 

    […] http://www.thestrategyweb.com/der-kleine-xing-kontakt-knigge […]

  16. Martin Meyer-Gossner am 24.01.2014 14:18 

    Vielen Dank für die Rückmeldung. Kann nur unterstreichen, dass es da viel Potential zur Optimierung gibt.

  17. Und es hat Xing gemacht… | Ilove2work4Ageto – Offene Stellen bei AGETO am 21.05.2015 11:02 

    […] Wird man hingegen selbst kontaktiert, gibt es zwei Möglichkeiten: annehmen oder ablehnen. Den anderen zu ignorieren ist unhöflich und bringt niemandem etwas. Sofern der Kontakt nicht sinnvoll erscheint, kann man ihn ruhig ablehnen. Schließlich will niemand Kontakte sinnlos sammeln. Wird man per Nachricht kontaktiert, sollte man antworten. Egal ob positiv oder negativ. Ihr wollt sicher nicht als unhöflicher Ignorant erscheinen, oder? Befolgt man diese kleinen Grundsätze, dürfte einem gepflegten „Xingeinander“ nichts mehr im Wege stehen. Den ausführlichen Artikel über Xing-Knigge findet ihr hier. […]

  18. Und es hat Xing gemacht… | Commerce and Coffee am 21.05.2015 12:45 

    […] Den ausführlichen Artikel über Xing-Knigge findet ihr hier. […]

  19. Gerrit Schulze am 09.11.2016 11:12 

    Ich sehe das mit dem Ablehnen anders als hier geschrieben.

    In der normalen Welt muss ich einen Brief mit Kontaktanfrage eines Dienstleisters auch nicht beantworten. Soweit kommt es noch, dass ich auf unerwünschte Angebote reagieren muss.

    Analog finde ich es zeitraubend Kontaktanfragen zu beantworten, die für mich sinnlos sind, Nettikette oder Knigge hin oder her.

    Zum Beispiel werde ich sehr häufig von Human Resource Managern kontaktiert. Ich suche aber keine Artbeitstelle. Ich verstehe deren Ansatz, aber ich brauche unter meinen 50 Kontakten nicht 10 HRMs. Das geht auch nicht gegen die Gepflogenheiten, wenn man seinen freien Willen durch Ignorieren umsetzt.

    Nichts gegen die Person und ich bin auch nicht unhöflich, nur weil ich eine Kontaktanfrage ablehnen möchte und die Kontaktanfrage unbeantwortet lasse.

    Anfragen ablehnen zu können ohne dass die anfragende Person angeschrieben werden muss oder davon Kenntnis erhält, wäre eine sehr sinnvolle Funktion. So habe ich eine Sammlung von unerwünschten Kontaktanfragen, die ich aber auch nicht ‚Als Spam‘ markieren möchte, um sie aus meinem Kontaktanfragenordner zu entfernen.

    Auf LinkedIn gibt es diese Funktion.

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