Der Webstratege ist ein Querdenker

Pin It

One-on-One Interview mit
Mario Grobholz

Director Business Development Web 2.0, TF1

The Strategy Web befragte Herrn Grobholz, um einen Einblick zu bekommen, wie ein Fernsehsender das Thema Web 2.0 angeht.

Mario Grobholz ist Web 2.0 Stratege beim französischen Fernsehsender TF1 und bei dessen deutscher Tochter Eurosport Media GmbH für die Entwicklung von Communities und neuer Online-Geschäftsmodelle verantwortlich. Seine derzeitige Aufgabe ist die Umsetzung der Web 2.0 Strategie von TF1 für den deutschen Markt. So werden die in Frankreich bereits erfolgreichen Communities Overblog und Nomao gerade in den deutschen Markt eingeführt. Zudem ist Mario Grobholz Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH.

Q: Als international tätiges Unternehmen fahren Sie eine zentrale länderübergreifende oder lokale Webstrategie?
Mario Grobholz „Think global – act local“. Das trifft sicherlich gerade auf das Web zu. Selbstverständlich skalieren Plattformen technisch über die Anzahl ihrer Nutzer. Die Märkte jedoch sind doch sehr unterschiedlich zu bearbeiten. Das gilt selbst in Europa. Unsere französischen Nachbarn beispielsweise akzeptieren durchaus auch Paymentprozesse, die nicht „100% TÜV geprüft“ sind.

Q: Was macht einen guten Webstrategen aus?
Mario Grobholz Für einen Strategen ist es wichtig, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und innovative Ideen zu entwickeln. Er sollte ständig seine aktuellen Konzepte und Strategien überprüfen. Gerade im Online-Business, dass sich um ein vielfaches schneller bewegt als alle anderen Branchen ist nur derjenige erfolgreich, der Trends einerseits früh erkennt und andererseits mit seinen Service-Angeboten darauf reagiert. Hierbei gilt es aber genauso, vermeintliche Trends aufzuspüren, die am Ende doch keine sind.

Q: Mit welchen Abteilungen arbeiten Sie vorwiegend zusammen?
Mario Grobholz In meiner Funktion als Director Business Development bei TF1 verstehe ich mich als Bindeglied zwischen Abteilungen und Hierarchien. Das sind operativ einerseits die Marketing- und Kommunikationsexperten ebenso wie die Software Entwickler und andererseits strategisch das Management bis hin zum Vorstand, um Entscheidungen und Businesspläne vorzubereiten.

Q: Als Sie die Position des Webstrategen besetzt haben, sind sie da auf abteilungsübergreifenden Probleme gestoßen?
Mario Grobholz Das gehört ständig zu meinen Aufgaben. Unterschiedliche Interessenslagen, Meinungen und Erfahrungen müssen berücksichtigt werden und zudem ist der Webstratege in erster Linie ein Querdenker und muss Bestehendes auch einmal in Frage stellen dürfen.

Q: Ist das Thema Social Media und Web 2.0 in ihrem Unternehmen von großer Bedeutung?
Mario Grobholz Ich würde noch einen Schritt weiter gehen. Das, was wir hier machen, ist ausschließlich Social Media. Es hat nur noch wenig mit klassischem Portalgeschäft zu tun, welches ich noch aus meinen WEB.DE-Zeiten kenne.

Q: Warum ist es so schwer nutzergenerierte Inhalte zu monetarisieren?
Mario Grobholz Es müssen erst Prozesse oder/und Technologien aufgebaut werden, um die Qualität von User Generated Content sicherzustellen. Es muss möglich sein, Werbung zu targeten, d.h. User Generated Content muss kategorisiert werden und dies muss ebenfalls ständig überprüft werden. Zu guter letzt greifen hier nicht mehr die bekannten CPM-Modelle auf Basis von PI´s, sondern es müssen andere Bewertungsgrundlage geschaffen werden.

Q: Wird jedes Unternehmen in den nächsten Jahren einen Webstrategen haben?
Mario Grobholz Das vermag ich nicht zu sagen. Ich glaube es allerdings nicht. Es ist vielleicht auch gar nicht notwendig, dass jedes Unternehmen einen Webstrategen hat. Es gibt ja auch die Möglichkeit, sich temporär einen Strategen an Board zu holen. Davon lebt eine ganze Branche recht gut. Allerdings bin ich der Meinung, dass Unternehmen, welche den aktuellen Wandel im Internet nicht aktiv angehen, auf Dauer im Web nur in der zweiten Liga spielen werden.

Q: Ihre drei größten Herausforderungen mit denen Sie täglich kämpfen?
Mario Grobholz Zu viele Ideen, bei zu wenig Ressourcen und zu wenig Budget.

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Grobholz.

Related Posts

Kommentare

Schreiben Sie Ihren Kommentar...
(Ein Foto neben dem Kommentar erhalten Sie bei Gravatar.com)