Die Strategie 2.0 der Deutschen Telekom

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Schon seit der Cebit geistert die Strategie 2.0 der Deutschen Telekom durch den Blätterwald der hiesigen Tages- und Wirtschaftszeitungen. Die Erwartungen zur gestrigen Verkündung durch Firmenchef Rene Obermann waren groß. Der Output überrascht wenig und auch wenige. Dafür erscheinen die Ziele enorm.

Umsatz, Umsatz Umsatz! So liest sich die „Strategie 2.0“ mit den zukunftsträchtigen, aber wenig uniquen Tags „Fix – Transform – Innovate“…

Nachdem die Vodafone mit ehemals Arcor nun Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand anbieten, geht nun auch die Telekom den längst fälligen Weg der Zusammenlegung der Sparten. T-Home und T-Mobile kommen wieder unter ein Dach und werden vermutlich auch in Zukunft die tragenden Säulen des Magentariesen im Werben um die Kundschaft.

Intern werden allerdings die nachfolgenden fünf Kernsegmente der neuen Telekom Strategie 2.0 gestützt…

Mobiles Internet: Mit mobilem Datenverkehr soll der Umsatz von knapp 4 Milliarden Euro 2009 auf rund 10 Milliarden Euro in 2015 gesteigert werden.

Eigene Internetangebote: Erweiterung der Dienste wie Scout 24, Music-, Video-, Software oder Gamesload und so Umsatz bis 2015 von 0,8 auf 2-3 Milliarden Euro steigern.

ConnectedHome: Privatkunden sollen Zugang zu Diensten und Inhalten über alle Endgeräte hinweg bekommen. Der Umsatz damit soll – inklusive Breitbandzugang – von 5 auf rund 7 Milliarden Euro in 2015 wachsen.

Business Chancen nutzen: T-Systems plant seinen externen Umsatz um 2 auf rund 8 Milliarden Euro zu steigern – Hoffnungsträger: Dynamic und Cloud Computing.

Intelligente Netzdienste: Schaffung branchenspezifischer Angebote für Energie, Gesundheit, Medien und Automobil. Hierzu sollen Anwendungen Dritter genutzt werden, die dank der Telekom Netze und Dienstleistungen erst möglich werden – z.B. Stromzähler für Privatkunden und Telemetrie für das Auto.

Ob man bei diesen Aussichten nun von einer Strategie 2.0 sprechen muss, darf oder soll, und ob die wirklich die notwendige Entschlossenheit einer Web 2.0 Philosophie zeigt, stellt so manches Medium in Frage.

Das Web 2.0 gibt es jetzt seit einigen Jahren. Inzwischen hat also auch die Telekom davon Wind bekommen. Die Frage ist dennoch, ob man mit dem Zusatz „2.0“ die Strategie-Ankündigung PR-technisch aufpeppen wollte. Denn bei der Web 2.0 Philosophie stehen die Interaktion und Kollaboration mit dem Kunden im Vordergrund. Davon liest man so gut wie gar nichts. Worte wie „sozial“, „Networks“ oder „Communities“ fehlen gänzlich. Warum dann also von einer Strategie 2.0 sprechen. Weil sich’s besser verkauft? Wenig authentisch…

Eine Strategie kann nur so gut sein, wie das Fundament, welches sie tragen soll. Und schaut man hinter die Kulissen, erkennt man schnell den 1.0 Lebensstil der Infrastruktur.

Die Telekom hat zwar erkannt, daß man im Mobilfunkbereich die Performance fixen muß. Doch so einfach es klingt, ist das nicht. Investitionen in Höhe von rund 10 Milliarden sind geplant und von Nöten bis 2012, um erstmal nur das Fundament für Höheres zu legen. Da wird das Thema Zeit bei einem Startegieausblick auf fünf Jahre mal schnell zu einer kritischen Größe. Es wird deutlich, daß erstmal aufwendige technische Grundsteinlegung zur Strategie-Anbahnung erforderlich ist.

Spot On!
Wenn ein Kunde heute eine iPhone Flatrate bucht und monatlich eine Warn-SMS erhält, ist das Offlinewelt 1.0 Standard. „Sie surfen jetzt mit einer reduzierten Geschwindigkeit, da die Volumengrenze Ihres Tarifs erreicht ist. Weitere Infos unter 2202. Ihre T-Mobile.“ Und wenn die Hotline einen dann informiert, daß die Telekom Breitbandprobleme habe, Flatrates limitieren müsse, damit nicht auf jedem Hausdach Antennen stünden. Dann frage ich mich, warum man von einer Flatrate spricht. Vermutlich aus dem selben Grund, warum man mal schnell die Obama-Spruch „Yes, we can“ für eine Marketingaktion auf eine Dose druckt mit dem Titel „U can“. Schlagbegriffe wie „Flatrate“ und „2.0“ sind einfach hipp und verkaufen – nur nicht authentisch!

Die Deutsche Telekom ist im 2.0 Zeitalter angekommen und hat noch viel vor (sich). Aber eine Strategie 2.0 stelle ich mir bei einem Großkonzern anders vor. Und ich würde erstmal bei der Kundennähe und authentischer Begriffsdefinition anfangen, bevor ich dem Kunden vor Augen führe, wie ich an sein Geld kommen will.

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Kommentare

2 Kommentare zu "Die Strategie 2.0 der Deutschen Telekom"

  1. inBlurbs » 3 Faktoren Für Mehr Umsatz durch Soziale Medien? am 25.03.2010 16:24 

    […] Die Strategie 2.0 der Deutschen Telekom […]

  2. Telekom Image: “Erleben was verbindet” – Der Markenfilm | Erleben, Telekom, Markenfilm, Shares | Sohneinesschwaben.de am 12.04.2010 14:51 

    […] arbeitet die Deutsche Telekom weiter fleissig an seinem Image – und hievte nun die Tage den hauseigenen Markenfilm ins […]

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