Internet und Fernsehen nähern sich nur langsam an

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In den frühen 90-ern sah man die Zukunft des Fernsehens ein wenig wie einen riesigen Informationskanal voll Inhalte, die dem heutigen Internet ein wenig gleicht. Die Fernsehsender und die Kabelfirmen verstanden es als ein Netzwerk aus interaktiven TVs Boxen, die auf zahlreiche bis unzählige Inhalte zurückgreifen können, die dann in die Wohnzimmer der Menschen geschleust werden. Damals rechnete man auch -wie heute im Internet- mit einem klassischen Bezahlsystem, welches die Attraktivität des neuzeitlichen Fernsehens ausmachen wird. Beide Seiten sind inzwischen eines besseren hinsichtlich des ‚Pay-per-View Modells‘ belehrt worden.

Als dann aber Ende der 90er Jahre das Internet den Staffelstab der Interaktivität übernahm, schauten die Fernsehsender in die Röhre. Denn die gesamten Investitionen, die die Fernsehsender und Kabelanbieter in die eigene Wertschöpfung als Content-Lieferanten gesteckt hatten, verlor schlagartig an Bedeutung. Mit einem Mal gab es soviel Content, wie noch nie zuvor. Die Nutzer wurden erschlagen von Inhalten, die sie selbst gar nicht mehr aufnehmen konnten – egal ob Text oder Video.

Der Witz an der Sache ist, dass immernoch etliche der neuen Video-Inhalte aus der Fernsehwelt kommen. Inwieweit das eigentlich legal ist, oder nicht, bleibt offen. Stellt sich also die Frage, wie geht man als Fernsehsender damit um? Die einen schlugen den gerichtlichen Weg gegen YouTube (z.B. Viacom) ein, die anderen versuchten, sich mit der neuen Web 2.0 Welt zu verbünden und sehen diese als Chance, ihr Business zu erweitern.

Erfolgreichstes Beispiel: NBC HULU. Inzwischen eine der größten US-Videoseiten im Netz, die zahlreiche Services von YouTube übernommen hat wie z.B. Einbetten von Videos in Web 2.0 Content-Plattformen. Sogar Seiten wie MTV und Disney Channel hat man inzwischen hinter sich gelassen, aber die neue Konkurrenz kommt bereits mit großen Plänen: So will Sling.com in Zukunft nicht nur das aktuelle Fernsehprogramm bieten sondern auch mit einem Videoportal den nächsten Schritt wagen.

Das Internet dringt also mehr und mehr die ehemaligen Hoheitgebiete der Fernsehwelt. So sagen diverse Marktforscher vorher, dass zukünftig der Videokonsum über das Web den TV-Konsum überholen wird – vor allem bei jungen Zuschauern. Und wenn sich CEO’s von Medienhäusern einreden, dass sei nur für kurze Clips und video-on-demand der Fall, dann kann man davon ausgehen, dass die Herren sich täuschen – viele Nutzer sehen sich ganze Sendungen an.

Nicht umsonst hat CBS mit den Viewing Rooms auf diesen Trend reagiert. Die User können so zeitunabhängig in das Netz glotzen und erfreut sich eines ‚wahrlich‘ interaktiven Mediums beim Fernschauen. Zeitgleich kann so auch noch auf fernseh-relevante Inhalte zurückgegriffen, recherchiert und sich informiert werden. Die volle Fernsehdröhnung mit Bildungs- und Communitycharakter also, wann immer gewünscht. Eine Chance der Multitasking-Fähigkeit des ‚homo interactivus‘ aber auch für Fernsehsender, neben den Sendungen Meinungen, Chats oder Umfragen zu offerieren.

Was die Umsätze der Video-Plattformen betrifft, so scheint die Monetarisierung hier aber noch in den Kinderschuhen zu stecken. Auch wenn Video immer mehr online geschaut wird, stecken die Umsätze doch immernoch vorwiegend im klassischen TV Business. Die Frage ist, ob man hier dieselben Barrieren antrifft wie damals zwischen Print und Online – bis zur Konvergenz scheint hier noch ein langer Weg zu sein. Bei den usern ist die Konvergenz klar sichtbar – ob nun die Internet-Plattform der Ausgangspunkt ist, um auf den Fernsehsender zuzugehen oder anders herum.

Spot On!
Ein paar Anmerkungen zu den neusten Entwicklungen: Interessant ist, dass es keine bekannte Web-Show gibt, die dann auch noch ins TV dringt. Auf der anderen Seite faszinierend, dass eine Vision der Fernsehanbieter der 90er immernoch nicht funktioniert. Es gab mal den Gedanken, dass man ein Kleidungsstück, welches ein VIP auf einem Empfang trägt, direkt mit einem Klick bestellen kann. Irgendwie ist das trotz Interaktivität immer noch nicht umgesetzt – weder im TV noch im Web. Lediglich Musik kann man sich inzwischen auf diese Weise bestellen. Wenn Kabelfernsehen solche Visionen mal hatte und das Internet die erst schwerlich umsetzt, wird es wohl noch lange eine Berechtigung für das Kabelfernsehen geben. Was früher zwei völlig getrennte Welten waren -Internet und TV-, versucht nun sich anzunähern und eine Beziehung zueinander aufzubauen. Warten wir es ab, wo die Reise der Informationskanäle hinführt…

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