LinkedIn, XING, Facebook – Business der Zukunft oder Zukunft des Business?

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Wer zukünftig ein erfolgreicher Businessentscheider ist, ist gut verlinkt über Social Netzwerke mit Businesscharakter. Welches Social Netzwerk ist aber für das Business wichtig und richtig, oder bietet den wahren Mehrwert? Die Antwort ist vermutlich eine Mixtur aus unterschiedlichen Angeboten. Schließlich hat jeder seine Vorlieben und man will idealerweise die Kontakte seines beruflichen Werdens nicht verlieren – trifft man sich doch immer zweimal im Leben.

Grundsätzliches
Wer die Zeit im Business aufwenden kann, muss sich prinzipiell in folgender Weise vernetzen…
– (mindestens) ein professionelles Business-Netzwerk (z.B. Xing, LinkedIn) – idealerweise eines bei der Nutzung priorisieren. Vielleicht lassen sich die Kontakte auch auf nur einer Plattform bündeln….
– ein Hobby-Netzwerk, welches dem Business zuträglich ist und mit Businesspartnern ausgeführt werden kann (z.B. Golf, Radeln, Fussball, etc.)
– ein Social Netzwerk mit großer Reichweite (z.B. Facebook, MySpace) – stärkt das Wissen über private und hobbytechnische Vorlieben der Kontakte.
Aber wer hat die Zeit und die Muse, sich permanent mit allen businessrelevanten Themen zu beschäftigen? Oder sich in Business Netzwerken wissenstechnisch auszutauschen? Oder muss man sich überhaupt permanent und regelmäßig dort zeigen? Auf jeden Fall ist eine Rückbesinnung einer Priorisierung auf das Wesentliche dienlich und unbedingt empfehlenswert.

Wesentliches
Ein paar wesentliche Grundsätze zu Social Netzwerken aus Businesssicht sollte man als Businessentscheider beachten…
– Wer sich in Business Netzwerken ‚tummelt‘, muss auch aktiv werden, will man das Social Netzwerk für das Business erfolgreich nutzen.
– Wer in Business Netzwerken abwartet und eher beobachtet, verschenkt viele Business Möglichkeiten und sollte sich überlegen, ob -angesichts der herrschenden persönlichen Ressourcenknappheit (und der des Arbeitgebers) im heutigen Business- die Notwendigkeit besteht, Mitglied einer solchen Plattform zu sein.
– Wer nichts investiert (finanziell), nutzt die Plattform suboptimal. Ein Grund, warum Social Netzwerke schnell zu einer Me-Too Business Plattform verkümmern. Man ist halt dort auch registriert.
– Die entscheidende Frage stellt sich aber, in welcher Form man sich in Social Netzwerken mit Businesscharakter als Businessmensch präsentiert und verlinkt. Der private Ansatz wird hier sehr gerne in den Vordergrund gestellt. Vorsicht: Auch die Chefs und die Chef Chefs (der eigenen Firma und der Kunden) können hier sein!
– Wie man Business in Social Netzwerken lostritt und durchführt, sollte ein Teil der Firmen Policy sein. Gewisse Richtlinien zu Firmennennung, Brandauftritt, Berechtigung zur Moderation von Themen, usw. sind durchaus ratsam. Idealerweise werden diese Personen definiert und helfen anderen Mitarbeitern, ein ordentliches und professionelles Bild in Social Netzwerken abzugeben.
– Wer die Gruppen der Social Netzwerke initiiert und führt, wikt immer wie ein Innovator und Businessleader. Ein großer Bonus…
– ‚Richtlinien‘ hat vor kurzem Chris Brogan in seinen Social Media und Marketing Tipps beschrieben. Was hier für das Marketing gilt, gilt auch für jede einzelne Businessperson, die sich in Social Netzwerken bewegt und diese für das Business nutzt.

Den Umfragen und dem Medieninteresse zufolge stehen drei Business Netzwerke hoch im Kurs in Deutschland: Xing, LinkedIn und Facebook. Facebook ist zwar ein klassisches Social Netzwerk, wird aber von vielen Businessentscheidern auch zu Businesszwecken genutzt, weshalb es in dieser Analyse Betrachtung findet.

Xing
Gründer: Lars Hinrichs – Interview auf turi2
6,5 Millionen Mitglieder, 470.000 (Aussage Homepage) oder 325.000 zahlende Premium User (Aussage Hinrichs auf turi2)

Xing -als erstes deutsches Business-Netzwerk gestartet, inzwischen weltweit orientiert- stellt sich als ‚business-cosmopolites‘ Netzwerk dar und erfreut sich wachsender Beliebtheit – inzwischen nicht nur in Deutschland. Premium-User zahlen monatliche Beiträge, bekommen dafür aber keine Werbung und reichlich Such- und Serviceoptionen, um (potentielle) Businesskontakte zu durchleuchten und zu kontaktieren – ein sehr gutes Rechercheportal für avisierte Businesskontakte. Gruppen werden zu fast jedem Businessthema (aber nicht doppelt) aufgesetzt, wirken dynamisch und für das Business ergeben sich schnell Ansätze zur Diskussion und zum Meinungsaustausch. Professionell ist die Führung der Gruppen aufgrund verantwortlicher Moderatoren – ein Business Netzwerk, ganz im Web 2.0 Stil.

Erfahrungswert: sehr detailliert, starke Interaktion, kein Selbstläufer
Aufgrund der erweiterten Suche für Premium-Mitglieder ergeben sich hier zielgenaue Trefferergebnisse und ein hoher Informationsfaktor, der die Option der konkreten Ansprache für Sales-, Marketing- und Personalverantwortliche ermöglicht. Aktionismus ist unbedingt gefragt und wird belohnt. Kooperationen ergeben sich schnell.

Die Gefahr des Missverständnisses ist dennoch gegeben, denn schreibt jemand bei ‚Ich suche‘ und ‚Ich biete‘ dasselbe, hat man schnell den falschen Ansprechpartner am Telefon. Enttäuschungen sind da schon mal an der Tagesordnung. Egal ob man Fragen an Gruppen stellt oder Diskussionen anregt, die Mehrdimensionalität und hohe Kommunikationsstärke ist hier definitiv gegeben. Wer die Kontaktaufnahme durch Dienstleister nicht wünscht, schreibt dies in sein Profil und wird auch nicht indirekt mit Werbung konfrontiert. Basis-User zu sein, entspricht nicht dem Sinn des Netzwerkes – nur dem olympischen Motto: Dabei sein, ist alles. Grundsätzlich: einfache Handhabung der Plattform.

Businessnutzen = sehr nützlich, hochwertig.

LinkedIn
Gründer: Reid Hoffman – Interview in „Tomorrow“-Printausgabe KW34, Auszüge zum Deutschlandlaunch gibt es hier.
34 Millionen Mitglieder weltweit (laut Homepage), Zahl Premium-User unbekannt

LinkedIn hat den Ruf des international bekanntesten Social Netzwerks und wer sich mit dem visuellen Mantel des Weltmännischen umgeben möchte, ist hier Mitglied. In den letzten Jahren haben sich die Mitgliedschaften des profesionellen Netzwerkes mehr als verdoppelt. Weil es vorwiegend kostenlos genutzt wird? LinkedIn ist derzeit nur englischssprachig verfügbar – Markteintritt in Deutschland noch dieses Jahr. Derzeit werden drei kostenpflichtige Accounts ( Business, Business Plus, Pro) angeboten, die von 20 bis 200 US Dollar kosten.

Erfahrungswert: internationale Jäger und Sammler, keine Interaktion
Als Basisnutzer versucht man wohl die internationalen Kontakte zu bündeln und zu halten. Die erweiterte Suche ist hier frei verfügbar, was ein großer Benefit des kostenlosen Accounts ist (bei Xing nur als Premium-User möglich). Der rege kommunikative Businessaustausch erscheint nicht gegeben (Mailfunktionalität ist nicht kostenfrei). Weder aus technischer noch aus menschlicher Sicht sehr kommunikative Plattformen, was vielleicht an der Mentalität der vorwiegend englischsprachigen User liegt – unter dem Motto: Come and see me! Ein typisches Angebot der englischsprachigen Businessmenschen, was nicht 1:1 ernst genommen werden sollte. Als Premium-User hat man Mailfunktionalität, aber der zusätzliche Mehrwert (klassisches Empfehlungsmarketing auf HR Basis) ist ein Tool, was vermutlich nur von absoluten Pro Nutzern eingesetzt wird.

Die Gruppen wirken eindimensional (= Web 1.0 Standard), da es eher um die pure Mitgliedschaft, denn um Businessanregungen, Diskussionen und Meinungsaustausch geht. Moderation nicht nötig, da es keine interaktive Web 2.0 Plattform ist. Der wahre Businessnutzen ist fragwürdig, aber für die reine B2B Kommunikation sicherlich eine gute Plattform, wenn sich die Entwickler die richtigen Gadgets für die Businessuser ausdenken. Die Frage ist, wann die Plattform Open Social wird. Bisher fehlt dies gänzlich… Grundsätzlich kann man in vielen Blogs und Foren lesen, dass die Handhabung der Business Plattform nicht intuitiv ist.

Businessnutzen = international interessant, ausbaufähig.



Facebook
Gründer: Mark Zuckerberg – Interview auf allfacebook.com
rund 55 Millionen Mitglieder, keine Premium-Accounts

Facebook ist ebenfalls aus internationaler Sicht eine hervorragende Plattform für internationale Businesskontakte -mehrsprachig verfügbar und sehr beliebt in englischsprachigen Regionen. Kostenfrei bekommt man alle Optionen und kann zahlreiche, kommunikative Features und Applikationen nutzen und kreieren. Die absolute Open Social Plattform, bei der man inzwischen viele Business Professionals antrifft – vom Chef bis zu administrativen Kräften.

Erfahrungswert – internationales B2B Socializing mit Wohnzimmerflair
Schaut man sich die Anzahl der Topentscheider aus diversen Firmen an, die bei Facebook registriert sind, muss man inzwischen von einem Social Netzwerk mit Businessfaktor sprechen. Man kann auf Facebook viel über seine begehrten oder potentiellen Kunden lernen (privat wie beruflich). Vorsicht ist bei der Selbstdarstellung geboten, wenn man nicht zu viel seiner privaten Persönlichkeit preisgeben will (vor allem bei Bildern und Videos).

Die Gruppen sind zahlreich vorhanden (inkl. Moderatoren = Initiatoren) wirken aber etwas unübersichtlich. Es gibt zu jedem Thema eine oder mehrere Gruppen, teilweise in gleicher, teilweise in unterschiedlicher Sprache. Das erhöht den Awarenesswert für ein Brand und eine Firma, aber aufgrund der Anzahl der Gruppen wird es schwierig, den Überblick über die Wichtigkeit der einzelnen Gruppen zu behalten. Wo soll oder muss ich mich jetzt engagieren und mit welcher Gruppe verlinken?

Businessnutzen = international business-technisch angesehen und
hoher Business Socializing Effect, national noch privat-orientiert.

Spot On!
Wer Social Netzwerke wirklich für sein Business nutzen will, muss viel Zeit mitbringen. Denn nur, wer sich als Moderator oder aktiver Gruppenteilnehmer einbringt, wird langfristig von Business Netzwerken profitieren. Gewinnbringend ist auf jeden Fall, wer viel kommuniziert und schnell sein Netzwerk ausbaut – aber das ist eine alte Bauern… *Entschuldigung*… Businessregel.

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Kommentare

11 Kommentare zu "LinkedIn, XING, Facebook – Business der Zukunft oder Zukunft des Business?"

  1. Oliver Springer am 22.08.2008 16:06 

    Der Artikel gibt einen guten Überblick über die Social Networks, eine gute Entscheidungshilfe. Kompliment dafür!

    In einem Punkt möchte ich jedoch widersprechen: Sicher leben SNs auch von der Aktivität ihrer Nutzer, doch einfach nur präsent zu sein, ist auch schon von großen Vorteil.

    In bestimmten Branchen wird doch schon erwartet, dass jemand in XING auffindbar ist. Das ist doch wie ein Eintrag im Telefonbuch.

    Und zu sehen, was die anderen Kontakte tun, kann nützlich sein, selbst wenn man sich selbst nicht groß einbringt.

  2. Stephan Koß am 30.01.2010 10:18 

    Der Artikel ist nunmehr zwei Jahre alt. Mittlerweile hat sich die Situation ja verändert. Insbesondere ist festzustellen, dass die großen drei (LinkedIn, Twitter und Facebook) quasi zusammenwachsen. Proprietäre und nationalspezifische Lösungen werden auf Dauer weniger Existenzberechtigung haben, da gerade Führungskräfte nicht mehrere Plattformen bedienen möchte. Hierbei helfen offene Standards, so ist Facebook gerade durch seine Offenheit groß geworden. Ob Wer-Kennt-Wen, Lokalisten oder Xing im Consumerbereich sich langfristig halten können, muss hinterfragt werden.

    Zum offenen 2.0 Standard, den ja mittlerweile Tools wie Tweetdeck oder Hootsuite nutzen:

    http://linkedinsiders.wordpress.com/2010/01/28/ergonomieweb20/

    Liebe Grüße
    Stephan Koß

  3. Martin Meyer-Gossner am 30.01.2010 14:02 

    Danke für den Input. Ist wahr – 2 Jahre sind eine lange Zeit im Social Web. Es ändert sich jedoch an der Grundausrichtug der 3 von mir beschriebenen Plattforen vorerst wenig in meinen Augen. Auch wenn langsam diverse offene Schnittstellen eingebaut werden. Bei den von dir beschriebenen 3 internationalen Plattformen ist die wahre Vernetzung der Social Netzwerke vermutlich auch eine zwingende Größe, da man natürlich nicht will, daß die User in die internationale Ebene abwandern. Die Globalisierung und der Erfolg derzeit großen 3 Plattformen wird es vor allem nationale Playern sicherlich schwer machen, weiter zu existieren. Vorallem, wenn man bedenkt, wieviele Plattformen man pflegen müßte. Im Business ein Unding, da der Tag nicht dazu dient, nur seine Netzwerke zu pflegen…. Oder?

  4. Stephan Koß am 30.01.2010 15:09 

    Hierin ist gerade LinkedIn ausgerichtet: Es gibt Mails mit Zusammenfassungen der Gruppenaktivitäten, auf Wunsch täglich oder wöchentlich und man bekommt, wenn man eine PN erhält, den gesamten Text auf seinen Account gesendet, so dass man sich noch niemals einloggen braucht. Und diese Ökonomie ist für eine langfristige Nutzung wichtig.

    Liuebe Grüße
    Stephan

  5. Martin Meyer-Gossner am 30.01.2010 16:25 

    An dieser oder ähnlicher Oekonomie bzw. Dienstleistung werden zukuenftig soz.
    Netzwerke sich messen lassen müssen. Denn was jetzt noch quantitativem Mitmachzwang unterliegt, wird schon bald einer qualitativen Effizienz-Evaluierung weichen.

  6. Stephan Koß am 30.01.2010 16:49 

    schön gefällt mir der Hinweis auf „Qualität“. Wenn man bei LinkedIn sieht, wie ein Kontakt hergestellt wird (also: Qualifiziert = ich muss definieren, woher ich XY kenne), so steht also nicht das Kontaktjagen im Vordergrund (ganz im Gegenteil, wer fünf mal bei einer Kontaktanfrage mit „Kenne ich nicht“ quittiert wird, hat seinen Account disqualifiziert), sondern die Virtualisierung des eigenen, bestehenden Netzwerkes. Damit ist zum einen Sicherheit für eine längerfristige Nutzung gegeben und zum anderen Schutz vor Heilsteinverkäufern und Reinkarnationstherapieanbietern. Diese vorm des „Einigelns“ ist gerade für Führungskräfte interessant, die gar keine Lust haben, einen weiteren Kommunikationskanal zu öffnen. Gerade zum Thema Privatsphäre hatte ich mich bereits ausgelassen (Sorry für die viele Eigenwerbung, passt aber gerade in den Kontext):

    http://linkedinsiders.wordpress.com/2010/01/25/privatsphare-linkedin/

    Liebe Grüße
    Stephan

  7. Jürgen am 23.03.2013 20:27 

    Nun ist der Artikel wieder drei Jahre älter – wie sieht die Situation nun aus? Speziell in Hinblick auf Business Kontakte. Derzeit schwanke ichzwischen XING und LinkedIn.
    Gibt es da eine Empfehlung?

  8. stephan am 23.03.2013 21:04 

    Hallo Jürgen,

    im Zweifel: Beides. Wenn Du noch uneins bist, nutze die Basisaccounts ohne Kosten (sonst klammert man sich an den Anbieter, wo man sein Geld versenkt).

    Es kommt immer auf die Zielgruppe an: Wen möchte ich erreichen, was ist zu tun?

    Xing: Gerade Freiberufler werden da gesucht. Interesse an einem neuen Job? Eher LinkedIn. Die höhere Anzahl von Jobpostings zieht auch mehr Recruiter hinter sich her. Auch Konzerne sind auf LinkedIn besser vertreten.

    lG
    Stephan

  9. Jürgen am 23.03.2013 21:33 

    Hallo Stephan,

    Danke für die wirklich prompte Antwort. Mir geht es weniger ums Geldversenken, als das ich glaube das es schwierig wird zwei Accounts sinnvoll zu betreiben.

    Bei LinkedIn bin ich mir nicht so sicher, was den Datenschutz angeht, ich denke das ist bei Xing besser.

    Viele Grüße,
    Jürgen

  10. stephan am 23.03.2013 21:39 

    Zum Thema Datenschutz kann ich Dir Deine Sorgen nicht nehmen… höchstens darauf verweisen, dass man dann auch konsequent nicht bei Amazon, Ebay oder Facebook sein dürfte. Aber hier punktet sicherlich Xing. Wie schon gesagt, kommt darauf an, was Du erreichen willst. Wenn Deine Kontakte irgendwo sind, solltest Du Dich daran orientieren. Wenn Du allein bist, helfen Dir alle Netzwerke kaum.

    lG
    Stephan

  11. Martin am 24.03.2013 22:37 

    Stephan, danke Dir für Deine Ausführungen. Grundsätzlich ist es aber für mich eine klare Ansage, dass man den Post mal erneuern kann. Wenn es die Zeit zulässt, machen wir das mal diese Woche.

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