Location-Based Advertising – ein Trend …?

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Schaut man sich Google an, so war kontextbasierte Werbung seit Jahren das ‚geschnittene Werbebrot‘ der Internetbranche. Es wäre eigentlich an der Zeit, dass mal wieder ein neuer Trend kommt. Da ist es naheliegend, Location-Based Advertising (LBA, lokalbezogene Werbung) mal genauer unter die Lupe zu nehmen; ist die Verwandtschaft zu kontextbasierter Internetwerbung doch nicht fern.

Der Erfolg der Googlewerbung ist leicht auszumachen: Werbekunden können ihre Werbebotschaft anhand richtig gewählter Keywörter an den richtigen Stellen eines Kontexts platzieren. Die Googlegründer freut’s, hat diese einfache Form der reinen textbasierten Werbung sie doch zu reichen und erfolgreichen Businessmännern gemacht.

Was ist nun attraktiv an Location-Based Advertising? Werbekunden können ihren (potentiellen) Kunden in Echtzeit und absolut geographisch zielgenaue Werbung anbieten. Der Mobilfunkuser wird zukünftig ortsabhängige Angebote, Promotions und Anzeige zu sehen bekommen. Ob in Rich Media-, Sound- oder Bildformat muss der Werbekunde für sich entscheiden.

Der Grad der Aufdringlichkeit ist aber vermutlich schnell erreicht und die Frage der Akzeptanz durch die User noch offen. Ähnlich dem UMTS-Thema bei dem erst vor kurzem E-Plus Chef, Thorsten Dirks, die Euphoriebremse zog. Beim Einsatz von LBA ist also Fingerspitzengefühl wie bei Bannerwerbung gefragt, die auch nicht permanent ‚blinken und trällern‘ soll.

Vor 3 Jahren schon überraschte mich unsere damalige silicon.de Redaktion mit dem Thema Location-Based Services und eigentlich dachte ich, dass der Trend inzwischen nicht mehr hipp ist. Im letzten Jahr hat der Mobilmarkt jedoch Fahrt aufgenommen und so gibt es viele Gründe, seine Meinung derzeit zu ändern und diesen Trend im Sinne zukünftiger Kommunikationsstrategien zu überdenken.

Eine Liste der M&A’s bezüglich Location-Based Diensten und Anbietern lässt einen schnell zu der Annahme gelangen, dass man bald weltweit mit lokationsabhängigen Diensten versorgt werden wird. Vor allem der Kauf von Jaiku durch Google und Plazes und Symbian durch Nokia sind exeplarische Belege von hohem Wert dafür, dass Location-Based Services die Zukunft sind.

Die Fokussierung auf den Mobilfunkuser wird aber auch an den Endgeräten sichtbar. Die Mobiltelefon-Hersteller tun derzeit ihr Nötigstes und staffieren die Handys mit besten Navigations- und Ortungsfeatures (z.B. GPS) aus und auch Chiphersteller der Handygeräte fügen derzeit lokationsbasierte Features hinzu. Wo lokationsabhängige Services weltweit aus dem Boden sprießen, ist eine entsprechende Werbeforme in der Regel nicht mehr weit: Location-Based Advertising.

Der strategische Zug von Nokia, NAVTEQ zu übernehmen, muss diesbezüglich als ein genialer Schachzug der Finnen gewertet werden. Denn schaut man sich auf der NAVTEQ Media Webseite um, so kann man schon die ersten Formate der Werbung sehen, die zukünftig die Nokia Handhelds mit LBA adressieren werden. Noch vor der Übernahme durch Nokia schluckte NAVTEQ Greenbelt und sicherte sich damit deren Lizensierung der heiß begehrten Acuity Mobile Software. Eine Software, die mobile lokationsbasierte Werbung erst so richtig ermöglicht.

Nokia ist also in einer sehr starken Position für den zukünftigen LBA-Markt. Wenn man sich die generelle Marktposition von Nokia in Europa ansieht, könnte LBA schnell zur täglichen Realität werden und zu einem ‚der‘ Trends in den kommenden Jahren aufsteigen. Bleibt nur noch die Frage, ob Google sein Wissen aus der text-basierten Werbung schneller in die Mobilfunkwelt einbringen und umsetzen kann.

Ob die europäischen User sich von Location-Based Advertising angesprochen fühlen, muss sich zeigen. Auch Avantgo galt mal als ein neuer Hoffnungsträger der mobilen Werbebranche bei Endgeräten. Spricht heute noch einer davon? Oder bald wieder?

Spot On!
Google zeigt uns, dass Werbebotschaften immer dann erfolgreich sind, wenn sie nicht aufdringlich am richtigen Ort im Kontext auftauchen. Für LBA ist das also ungefähr so, als wenn man ins Stadion geht und plötzlich erinnert wird, Bier zu trinken obwohl man Weinliebhaber ist und Bier nicht ausstehen kann. Wenn man als Weinliebhaber aber am Käfer in München vorbeigeht und auf einmal ein attraktives Angebot für einen guten Bordeaux bekäme, ist fragwürdig, ob man dann noch auf den Kauf des guten Tropfens verzichten kann.

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