Offlinewelt 1.0: Games Convention und Business Netzwerke – ein klein wenig wie spielen…

Pin It

Die Games Convention bringt schon manchmal erstaunliche Erkenntnisse an den Tag, wenn man so drüber nachdenkt. Auf jeden Fall ist es gut, dass manche Messe noch zur Bekanntmachung von Neuerungen genutzt wird – was man von einigen Messen der neuzeitlichen Offlinewelt 1.0 nicht mehr sagen kann.

So erfuhr man auf der Games Convention, wie nah das Business-Gebaren an der Spielewelt der heranwachsenden Jungendlichen ist. Bewußt wurde einem das bei der Veröffentlichung der Ergebnisse der Medienkonvergenz-Monitoring-Studie. Seit 2003 untersucht die Universität Leipzig darin, wie die Jugendlichen sich der Medienwelten nähern.

Gesamtergebnis: Jugendliche sind weniger als süchtige ‚Zocker‘ denn als klassische Netzwerker -wie Businessleute eben- zu sehen.

So meint ein 17-jähriger: „Man kommt dann so ins Gespräch: Wie alt seit ihr? Woher kommt ihr? Was macht ihr so? Naja, dann hast du halt so Connections und manchmal reicht das bis zur Freundschaft.“ Herrlich diese Fragetechnik! Da kann sich so mancher Manager was abschauen….

Ziel ist demnach also das Kennenlernen neuer Personen und Kontakte – eben wie im Business Netzwerk. Oder ist es anders, wenn wir in Xing und LinkedIn recherchieren, weil wir gerade mal neue Kontakte zum Meinungsaustausch, Kooperieren oder Vernetzen suchen.

Wenn 84% der Befragten -laut Studienergebnissen- in sogenannten Clans und Gilden spielen, erinnert einen das an die zahlreichen Gruppen in Business Netzwerken, in denen man fachsimpelt über GreenIT, SEO oder Jobvermittlung.

Noch ein Beleg… Wenn die jugendlichen Gamer berichten, dass sie in einem Clan nicht nur über das Spiel diskutieren sondern auch private Probleme ansprechen, erinnert man sich schnell an seine letzte Diskussion im Forum ‚Fussball – mein Freund aus Leder‘ und die persönlichen Sorgen um die Zukunft der Lieblingsmannschaft.

So ist die Gamer- der Businesswelt so ähnlich und Jugendliche dem Businessverhalten so nah, dass man nicht mehr angstvoll von der süchtigen ‚Daddlergemeinde‘ sprechen muß. Die Frage ist eher, ob man sich nicht vor den ’süchtigen‘ Netzwerken sowie ihrer ‚Jäger und Sammler‘-Mentalität in Acht nehmen muß.

Und wenn man erst die Aussage bedenkt, dass die meisten Jugendlichen die virtuelle Welt inzwischen nicht als Möglichkeit einer Flucht vor der Realität erkennen… Dann stellt sich eine weitere Frage: Nehmen nicht manche Manager die Mailfunktion in Business Netzwerken als Vorwand, das Telefon für den Cold-Call weniger in die Hand nehmen zu müssen? Eine Mail ist eben schneller geschrieben und umgeht den Weg der unangenehmen Einwandbehandlung. Gell…?!

Spot On!
Jugendliche Gamer sind lange nicht mehr so wie von den Medien lange proklamiert. Die Suchtgefahr, Verwahrlosung und Realitätsverlust ist ihnen bewußt und auch Eltern wissen, dass sie sich mit den Kindern auseinandersetzen müssen. Die Frage ist nur, wer erklärt manchen Managern, dass ihr Aktionismus in Business Netzwerken und eine Vielzahl von Kontakten, nicht unbedingt die Umsätze fördert sondern oft nur Zeit kostet?

Papa, Mama – Hilfe!

PS:
Die Studie läuft seit dem Jahr 2003 und beschäftigte sich bereits mit Animes, Handy-Downloads und dem Internet als Massenmedium. Seit 2005 wird auch das Verhalten von Online-Spielern analysiert. Die Uni Leipzig hat dazu rund 1000 Spieler auf der Games Convention und etwa 360 Spieler im Rahmen von Online-Interviews befragt.

Related Posts

Kommentare

Schreiben Sie Ihren Kommentar...
(Ein Foto neben dem Kommentar erhalten Sie bei Gravatar.com)