OMD: Ende Gelände in Düsseldorf

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Das Gelände der Messe Düsseldorf beheimatet keine OMD mehr. Gestern sagte die Messegesellschaft igedo die OMD 2009 und alle weiteren Onlinemessen ihres Namens ab. Damit endet ein Todeskampf einer Messegesellschaft um ein Format mit Zukunftsperspektiven.

Nach langem Hin und Her, wer nun die meisten Unternehmen unter Vertrag hat, macht die Düsseldorfer Messegesellschaft igedo die Pforten für die Internet-Industrie dicht und gibt gegen den Neu-Konkurrenten aus Köln auf. Die ‚Leitmesse für digitales Marketing‘ hat ausgelitten. Der ‚digital marketing exposition & conference‘, kurz: dmexco, gehört die Zukunft.

Schaufelte der Macher das Grab?
Als The Strategy Web vor zweieinhalb Monaten Frank Schneider interviewte, da konnte man den Kampfeswillen des ehemaligen Gründers der OMD spüren. Die dmexco (damals noch dmex) sollte den modernen ‚Stellenwert der digitalen Wirtschaft‘ verkörpern und sich klar an alle Marktplayer der Branche richten. Das Einläuten einer neuen Ära der Internet-Messen? Oder hat ein altbewährtes Format einer digitalen Messe nur ein neues Zuhause gefunden? dmexco Projektleiter Frank Schneider hat sich eine große Bürde aufgeladen. Dieser muß er jetzt gerecht werden – mit einem europäischen Konzept und kreativen Messe-Neuerungen für eine ganzheitliche Internetmesse, nicht mehr nur für das Onlinemarketing. Denn das Ziel ist klar definiert: „Die dmexco soll die europäische Leitmesse“ werden.

Wird die dmexco der neuen Herausforderung gerecht?
Die Antwort ist prinzipiell unerheblich. Denn erstmal steht eines fest. Frank Schneider hat alle überzeugt, dass sein Konzept das der Zukunft ist: die Display-Vermarkter, die Performance-Vermarkter, die Search-Spezialisten sowie die interaktiven Medienanbieter. Er hat es mit seinem Team geschafft, eine Messe in Frage zu stellen, die einzigartig war und als gesetztes Messe-Brand galt. Grundsätzlich hat er seinem eigenen ‚Baby‘ das Grab geschaufelt und es gleichzeitig wieder auferstehen lassen. Warum, wollen wir gar nicht erst erläutern…

Der Witz an der Sache ist, daß die dmexco, respektive Frank Schneider, eigentlich niemandem etwas beweisen muß. Einen ebenbürtigen Mitbewerber gibt es nicht. Es sei denn die Internet World Messe schafft es, sich hier als Gegengewicht aufzustellen. Die Zahlen sprechen allerdings nicht von Konkurrenz: 3.500 Besucher kamen 2008 auf die Messe. Ob die Internet World Messe dementsprechend aus Wettbewerbsgründen auf die Sommerzeit im nächsten Jahr vorverlegt wurde? Oder will man dem Wettbewerbsgedanken gerade aus dem Weg gehen? Auf Antworten dürfen wir gespannt sein.

Ist die igedo der großer Verlierer?
Die Antwort ergibt sich, wenn man sich die blanken Zahlen vor Augen führt. Wer es nicht schafft, 20.000 Teilnehmer, 380 Aussteller und 44% Wachstum bei seinem Zielpublikum (Besucher wie Aussteller) so ins Feld zu führen, dass man einen Herausforderer mit einem lauen Kölsch im Regen stehen lässt, der muss sich wohl Gedanken um seine unternehmerischen Qualitäten machen. Wer als Messegesellschaft nur in ‚Spacevermarktung‘ denkt, läuft vermutlich genauso dem Markt hinterher wie diverse Medienunternehmen, die immernoch auf klassische Onlinevermarketung bei ihren Wachstumszahlen hoffen.

Spot On!
Kurz nach Bekanntgabe des Endes der OMD bekam ich von einem Ex-Kollegen folgende Aussage in einer Mail: „Endlich hat sich der Blubberkram erledigt!“ Meine Antwort lautet: „Nein, der geht weiter – an einem anderen Ort, auf einem anderen Messegelände, auf hoffentlich höherem Niveau“. Die Hoffnung bleibt, daß die Reise nach Köln nicht als ‚Blubberkram‘ endet. Sonst hätte es sich nicht gelohnt, die OMD zu ‚killen‘. Die digitale Branche muss langsam aufhören, sich selbst zu beweihräuchern. Ziel muss es sein, die Unternehmen auf die Wichtigkeit dieses Zukunftmarktes aufmerksam zu machen, verstärkt über Chancen und Risiken aufzuklären und Firmen für das Web sowie seine Optionen empfänglich zu machen – nicht nur hinsichtlich Onlinemarketing. Unternehmen sind im Gegenzug gefragt, auch die C-Level Ebene auf solche Messen zu entsenden. Dann hätten wahrscheinlich sogar zwei digitale Messen ähnlicher Couleur eine Berechtigung gehabt.

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