Online Interview mit Prof. Miriam Meckel – Über den Puls der Zeit und die Erreichbarkeit

Pin It

In Miriam Meckels Buch Das Glück der Unerreichbarkeit: Wege aus der Kommunikationsfalle fühlt man sich mal als permanenter ‚Onliner‘ erreicht, mal wie an der Universität nur ‚angesmst‘, mal wie in einer Autobiographie beobachtet und mal einfach bei guter Belletristik unterhalten. Hier wird der aktuelle Puls der Zeit angesprochen. Manchmal bleibt er aufgrund unserer dynamischen Web- und IT-Entwicklung unerreicht. Und das obwohl das Buch erst im Herbst 2007 erstmalig erschienen ist.

Nun das ist keine Schwäche der Beobachtungsgabe und wissenschaftlichen Qualifikation der erfolgreichen Autorin und Professorin. Es liegt am zu schnell pulsierenden Wettlauf der Produktzyklen der Technikindustrie sowie zunehmender Kommunikationsmittel und Medien, die in diesem Buch keine Erwähnung finden (können). Die menschliche Kommunikation ist in einem noch nie da gewesenen schnellen und teilweise kurzlebigen pantha rhei Modus.

Während Frau Meckels Buch noch die mobile Kommunikation aus der Businesswelt beleuchtet, findet diese inzwischen vermehrt privat seine Umsetzung. Der im Buch viel erwähnte BlackBerry wurde vom iPhone ‚enttront‘ und findet selbst schon zahlreiche Nachahmer. Soziale Netzwerke machen heute der Email-Kommunikation Konkurrenz, der SMS setzt Twitter zu ebenso wie Micro-Blogs den Blogs. Lauter Zugangspunkte der modernen Erreichbarkeit, die zwei Jahre nach Erscheinen des Buches die Thematik noch prikelnder erscheinen lassen.

Das Faszinierendste ist dabei, daß wir -vor allem die Social Medians- uns noch viel erreichbarer machen mit Twitter, Facebook, Myspace, XING, LinkedIn & Co. Und der Witz ist, daß wir das auch noch freiwillig antun. Oder ist das der moderne Gruppenzwang, dem man sich nicht erwehren kann?

Online-Interview mit Frau Prof. Dr. Miriam Meckel

Fragen wir also die Autorin Frau Prof. Dr. Miriam Meckel selbst, was sich nach nur zwei Jahren aus der Sicht des Buches verändert hat. Nach nicht einmal einem Tag antwortete mir Frau Meckel mit sehr netten Worten per Mail auf meine Fragen. Man darf sie also als „die Erreichbare“ bezeichnen…

The Strategy Web Liebe Frau Meckel, rückblickend betrachtet… Würden Sie aufgrund der Entwicklung der letzten zwei Jahre die Unerreichbarkeit neu definieren, um den Puls der Zeit besser zu erreichen?
Miriam Meckel Ich glaube, ich habe den Puls der Zeit gut gefühlt. Wenn US-Magazine jetzt mit der „culture of distraction“ aufmachen, ist das genau mein Thema. Ob über Handy, Blackberry oder Soziale Netzwerke: Wir müssen sehen, wie wir unsere Kommunikationsautonomie erhalten. Jedes Medium, jede Plattform stellt da wieder andere Anforderungen, aber es geht im Grundsätzlichen immer um dieselbe Frage: Wie erhalte ich mir Pausen der technischen Unerreichbarkeit, um für jemanden oder etwas wirklich da zu sein.

The Strategy Web Hat sich seit dem Boom der sozialen Netzwerke und vorherrschender Community-Dynamik die Erreichbarkeit verändert, oder findet eine Verschiebung von ‚Mail in Inbox‘ zu ‚Message in SN’s‘ statt?
Miriam Meckel Ich gebe zu: Mit Facebook und Twitter ist auch bei mir wieder etwas hinzugekommen, was natürlich Zeit und Aufmerksamkeit kostet. Für mich lassen sich beide Platformen aber besser gezielt nutzen und steuern, als mir das beim Blackberry gelungen ist. Dazu kommt: Die Nachrichten auf Facebook sind in der Regel erfreulich, die auf Twitter spannend. Das kann ich über meine Mobilen Mails durchaus nicht immer sagen.

The Strategy Web Neben Ihren verantwortlichen Tätigkeiten an der Universität St. Gallen sowie der Brunswick Group bloggen und twittern Sie. Warum machen Sie sich noch erreichbarer, wenn Sie schon vor zwei Jahren animiert waren, ein Buch über die UNerreichbarkeit zu schreiben?
Miriam Meckel Ich mache mich auf verschiedenen Plattformen erreichbar, auch weil ich wissen will, was dort passiert. Aber as heißt nicht, dass ich stärker oder öfter erreichbar wäre. Ich schalte zwischendurch einfach alles ab. Ich brauche das, diese Moment der Konzentration und Stille im umfassenden digitalen Grundrauschen. Wenn ich die habe, gehe ich mit umso größerem Spaß und Interesse dann wieder gucken, was Neues bei mir eingegangen ist.

Vielen Dank für die offen Worte, Frau Meckel!

Spot On!
Bleib mir noch noch die Frage: Wie gehen Sie heute mit dem Thema der „Unerreichbarkeit“ um?

Lese-Empfehlungen zum Thema „Power of Distraction“…
The dangers of distraction
Journalism in a Culture of Distraction
Our culture of distraction

Related Posts

Kommentare

2 Kommentare zu "Online Interview mit Prof. Miriam Meckel – Über den Puls der Zeit und die Erreichbarkeit"

  1. Der Zwang und Drang nach Information am 22.05.2010 08:59 

    […] will ich eine Frage aufwerfen, die sich mir schon nach der Lektüre von Miriam Meckels Buch Das Glück der Unerreichbarkeit: Wege aus der Kommunikationsfalle aufgedrängt […]

  2. Social Media oder die Qual der Wahl am 18.08.2010 01:27 

    […] Man könnte sagen, ein Luxusproblem… Aber wie auch schon Miriam Meckel in ihrem Buch Das Glück der Unerreichbarkeit klar macht, ist die Qual der Wahl eine unserer größten Herausforderungen der Zukunft. […]

Schreiben Sie Ihren Kommentar...
(Ein Foto neben dem Kommentar erhalten Sie bei Gravatar.com)