Onlinestar 2008 – über Schein und Sein digitaler Awardverleihungen

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Alle Jahre wieder gibt es die Onlinestar Preisverleihung – 2008 bereits zum 10-ten Mal. Die Einladung hat einen gefreut, schließlich bietet die Verleihung den ältesten Award der digtalen Branche. Und nicht nur deshalb hat sie einen Ruf -und einen zu verlieren. Mal abgesehen von dem, die… „kürzeste Preisverleihung Deutschlands“ zu bleiben, wie der Host des Abends Florian Ebner in seiner Eröffnungsrede berichten kann.

Die Preisverleihung hat vor allem eins offeriert: Zeit… – Zeit zum Nachdenken! Nachdenken über die Sinnhaftigkeit von (digitalen) Awards. Nein, jetzt keine Angst… ich will nicht Reich-Ranicki’s Erbe antreten. Dennoch will kommentiert werden, was zahlreich in den Sitzreihen ‚bespöttelt‘, dann von der Moderatorin des Abends wortreich ‚beschmunzelt‘ sowie schließlich und endlich von Jurymitglied Prof. Anette Scholz auf den Höhepunkt getrieben wurde: „Vorab die gute Nachricht: Die jungen Herren von Jung von Matt dürfen jetzt auf Ihren Plätze bleiben“. Danke Frau Prof. Scholz, dass sie den Zuschauern von den Lippen gelesen haben: Die jungen Herren waren wirklich ein wenig zu oft als Sieger auf dem Podium…

Den Post hier abzubrechen, wäre irgendwie angebracht… aber auch schade! Also weiter nachdenken…

Grundsätzlich galt es bei der Preisverleihung zu unterscheiden zwischen zwei Kategorien: Kreativaward (Online-Werbung in sieben verschiedenen Kategorien) und Publikumspreis (nach Webseiten Kategorisierung). Die Sieger und Ausgezeichneten des Keativawards (nachzulesen bei Adzine) sowie die des Publikumspreises (Ripanti Blog) beglückwünschen wir auf jeden Fall!

Die Ideen der Kreativen waren teilweise gut, teilweise brilliant… – ebenso wie die Kritiken nach der Preisverleihung so treffend waren wie selten zuvor. Richtig, gehen Sie bitte noch einmal zurück auf Herrn Ripantis Blog…. Gelesen?! Ob Konstante oder Blaupause oder dieser Kommentar (werbeblogger) – alle waren sich irgendwie einig: Die Peisverleihung war ein Deja-Vu und regte zum Nachdenken an. Und das soll nicht negativ verstanden sein. Nein, es sei als positiver Ansatz gedacht für alle diejenigen, denen bald selbst eine Preisverleihung ins Haus steht.

Kreativawards
Die erste Kategorie wurde von einer Jury (u.a. war ein Vertreter von Jung v. Matt ein Jury-Mitglied…) bewertet, die offensichtlich ihre eigenen Arbeiten besser findet als die des Mitbewerbs. Oder wie ist es sonst zu verstehen, daß von insgesamt 26 Medaillen mit 15 Awards die Agenturen der Jurymitglieder ausgezeichnet wurden – und das mehrmals?! Ein Zufall…? Vielleicht gibt es wahrlich keine besseren Arbeiten. Wer kann schon die gesamte Branche der über 12.000 Werbeagenturen und ihrer digitalen Kreativarbeiten überblicken…?!

Als Ende September die Awardverleihung ‚Die Klappe‚ stattfand, schaffte es übrigens ein Ad Spot dort auf den Bronzeplatz, der auch die Zuschauer des Onlinestars 2008 komplett von den Stühlen riß…: The Crazy Leader Spot. Die verantwortliche Agentur Scholz & Friends schaffte es aber leider wieder nur zu Bronze-Medaille. Man hätte ihnen diesmal ein besseres Abschneiden gegönnt…

Apropos Bronze! Erstaunlich fanden es zahlreiche Besucher der Awardverleihung, dass es manchmal Bronze und Gold aber kein Silber gab, dann wieder Bronze und Silber aber kein Gold, machmal auch viel von allen dreien. Wie sich der Umstand verhält, bleibt fragwürdig bei allen Erklärungsversuchen und führt zu einer generellen Überlegung, die wir am zweiten Award festmachen wollen…

Publikumsawards
Denken wir mal über den tieferen Sinn von Awards nach – wenn es den gibt. Awards dienen als Auszeichnung für außergewöhnliche Innovationen und Ideen, als Motivation für außergewöhnliche Talente und als Prämierung für Markenbildung – alles bezogen auf das vorangegangene Jahr – sonst würde man langfristiges Können oder Lebenswerke auszeichnen.

Als Joachim Graf, Publisher iBusiness, auf der Internet-World Kongress wenige Stunden vorher von einem Paradigmenwechsel berichtete, hatte er die ‚Machtablösung‘ von Microsoft durch Google in der Internet-Ära im Fokus. Ein Weitblick, der einen ‚Internet-Zukunftsforscher‘ auszeichnet. Denn Google einen Publikumspreis für das beste ‚Online-Portal‘ zu verleihen, kommt weder der Macht und Bedeutung des Unternehmens, noch dem Erreichten und Avisierten, noch der Philosophie und Strategie gleich.

Würde Google wie Reich-Ranicki denken, ob sie wohl den Preis stehen lassen hätten? Schwierig, denn schließlich war es nicht die Jury sondern die User die bei der Wahl entschieden haben. Für die Strategie des Unternehmens heißt das aber: Die Unternehmenskommunikation erreicht den User definitiv nicht. Denn offensichtlich kennt der die unzähligen Produkte von Google gar nicht… Oder hätte man sonst auf Augenhöhe mit web.de und T-Online konkurriert? Ob Google nun von den Usern oder der Jury in diese Kategorie gesteckt wurde, entzieht sich unseres Wissens.

Spot On!

Publikumspreise an Marktführer oder Top-Player zu vergeben, erscheint wenig prikelnd für Besucher der Awardverleihung. Keder Internetuser weiß, wie hilfreich und nutzefreundlich die Player sind, schließlich nutzt man sie deshalb tagein tagaus. Da lobt man sich die Awardverleihung für den Gründerwettbewerb der Internet-World Messe 2008 für die beste Business-Idee des Jahres. Ein Gewinner mit brands4friends, Bransparent und Doodle belegen zusammen Platz 2 (ok, auch wenn ein Zweiter und ein Dritter logischer erscheinen). Alles schnell, einfach und logisch begründet – fertig! Und somit kürzere Preisverleihung als der Onlinestar 2008. Hat der Onlinestar seinen Ruf verloren? Nächste Jahr wissen wir mehr… bis dahin denken wir noch ein wenig nach.

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Kommentare

3 Kommentare zu "Onlinestar 2008 – über Schein und Sein digitaler Awardverleihungen"

  1. Schnappi am 23.10.2008 14:54 

    Schöner Artikel und vielen Dank für den Crazy Leader Spot :)

    Zum Onlinestar gibt es eigentlich nur eins zu sagen. Das Wählsystem ist blöd und veraltet. So ist klar, dass die bekanntesten Portale gewinnen. Welcher web.de User kennt schon irgendeine Spieleseite oder einen Blog. Jeder Blog User dagegen kennt web.de etc. und so werden die Wahlen leider zu den großen Portalen hin verzerrt. Nicht zu schlimm, es gibt genug andere Preise :)

    Übrigens ging der Brands4Friends Newsletter mit der Verkündung gewonnen zu haben 10 Minuten vor der eigentlich Veröffentlichung rum *hust*.

  2. Anonymous am 24.10.2008 15:17 

    bei der Durchführung der Preisverleihung für die Publikumspreise hatte man den Eindruck sich in einem Fast Food Lokal zu befinden. Das war dem Anlass gg unwürdig und stillos.

    Jenes bei den Kreativ Awards eigentlich Interessante, die Demo der Arbeit (Online-Werbemittel zeigt man doch nicht mittels Screenshots) und die Begründung für die Wertung haben größtenteils gefehlt. Somit war der Mehrwert für die Gäste gering.

    Kommen fast alle Preisträger aus der Jury, hinterlässt das mehr als ein Geschmäckle. Mehr unabhängige Jurymitglieder von der Sorte der dynamischen Professorin und weniger Eigeninteressenvertreter, dann gewänne das Ganze an Seriosität.

    Das die Sportschau beim Publikumspreis bereits jetzt oben steht ist kein guter Vorbote. Die millionenschweren Online-Budgets der ÖV-R Sender sind doch erst in diesen Tage genehmigt worden.

  3. Web und Business am 24.10.2008 15:50 

    Natürlich ist dem Autor bewußt, dass die eigenen Arbeiten von den agenturen nicht bewertet werden konnten…: Jung v. Matt, ich find Eure Arbeiten gut, aber es gibt halt auch so viele Agenturen, die auch einen Award verdient hätten.

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