Eine Ära endet – Auf zu neuen Ufern
01.04.2010 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web Strategy
Vor 10 Jahren habe ich mich entschlossen, mit silicon.de an der Zukunft des modernen Publishing zu arbeiten. Am Freitag hat sich „Mr. silicon“, wie ich oft genannt wurde, von seinem Team verabschiedet und wird sich der Zukunft des Social Web widmen. Es ist Zeit für einen kurzen Rückblick…
Ein Rückblick
Vieles an der ursprünglichen Vision des IT B2B Mediums silicon beweist heute vom strategischen Ansatz (Closed Front-Door, Community Building, Personalisierung) seine Richtigkeit. Viele Ursprungsgedanken sind heute noch umstritten und zahlreich diskutiert wie vor 10 Jahren (Paid Content oder Paid Service?). Und vieles war seiner Zeit auf technischer Ebene weit voraus (z.B. Web Business TV). Auch sind die freien Zugangsoptionen zu externen Communities oder Web-TV Inhalten in Unternehmen selbst heute mit XING, LinkedIn oder Facebook nicht unumstritten. Die Vision war da, der Markt reformiert vieles im Laufe der Jahre.
Zum Anfang möchte ich einmal Danke sagen. Danke an alle, die dem silicon Team und mir viele tolle und spannende Jahre bereitet haben. Unsere Kunden und Agenturen möchte ich da als Erstes erwähnen. In guten Anfangsjahren (2000) haben sie uns das grundlegende Vertrauen geschenkt (vor allem IBM und Intel) und in schweren Zeiten (Management Buy Out 2002) an uns geglaubt (z.B. HP und Oracle). Und in boomenden Jahren haben sie mit uns (u.a. Symantec) tolle Projekte gestartet wie z.B. den Security Drive mit Porsche und AUDI (2005).
Bei unseren Lesern haben wir uns auf unsere eigene Art bedankt. Indem wir immer unsere Kunden mit einbezogen haben und den Kontakt zwischen Anbieter und Abnehmer sowie die Verbindung zwischen Offline und Online (nicht umsonst Credo dieses Blogs) immer im Fokus behielten.
Unsere Leser durften die etwas unsanft endende Fahrt eines Königsegg Testfahrers am Hockenheimring live miterleben. Ja, passenderweise beim Security Drive! Nein, ihm ist zum Glück nichts passiert. Oder sie durften nicht unbedingt ausschließlich Business-orientiertem Networking beiwohnen bei der IT Tipp-Kick Fussball WM im Unterhachinger Stadion (2006).
Neun Jahre lang haben unsere Leser die Chance gehabt, bei einem der von mir ins Leben gerufenen silicon.de Golf Masters mitzuspielen – sei es als Einladungs- oder Charity-Turnier. Dabei wurden zahlreiche Golfbälle ins Tegernseer Tal des Golf-Club Bad Wiessee verstreut und so mancher Regenwurm aus seinem sanften Schlaf gerissen, wenn der Schläger mal wieder nicht so wollte wie der Spieler.
Natürlich geht mein Dank aber vor allem an meine silicon Kollegen, die mich teilweise viele Jahre begleitet haben, silicon teilweise immernoch treu sind und mit denen ich ein tolles offenes, kollegiales Management-Verhältnis 2.0 gepflegt habe. Ihr seid „1a“ und habt verstanden, was investigatives Publizieren heißt. Macht weiter so!
Ja, man könnte viel erzählen über die gute alte Zeit, aber ich glaube, nun ist genug Sentimentalität geflossen. Nochmal Danke an alle!
Ein Ausblick
In den letzten Jahren habe ich mich in meiner Freizeit und zahlreichen Nachtschichten im Selbststudium sehr intensiv mit dem modernen Business-Web auseinandergesetzt. Dabei ist mir aufgefallen, daß unsere silicon Vision in verschiedensten Formen in der Webwelt immer mehr Einzug erhalten hat.
Social Networking mit Closed Front-Door ist Community-Standard geworden. Bannerformate, die silicon vor 10 Jahre hatte, erleben ihre perfektionierte Rennaissance auf Facebook. Modelle für Bezahlte Inhalte fangen langsam an zu krabbeln. Und ohne Web-TV kann man sich die Onlinewelt nicht mehr vorstellen. Es fehlt: Personalisierung – und zwar beim derzeitigen Information-Overflow an allen Ecken und Enden. Vielleicht ist das ja gerade der Schlüssel zum Paid Service?! Und es fehlt mir eine Personal Web Manager, den ich für den Manager der Zukunft als unerlässliche Unterstützungsnotwendigkeit sehe.
Was hat der Meyer-Gossner eigentlich in der Zukunft vor? Ja, diese Frage ist berechtigt und wurde mir schon am Wochenende des Öfteren gestellt. In den letzten Jahren sind viele Menschen auf mich zugekommen mit Fragen zum Webbusiness, zum Markteintritt eines Produktes, zur Online-Kommunikation, zu neuen Tools, Taktiken und Trends.
Märkte sind Gespräche!
Als geborener Networker habe ich bestmöglich versucht, diesen Menschen zu helfen, Kontakte herzustellen und neue Denkanstöße zu liefern. Ich habe erlebt, was es heißt, seine Gedanken zu teilen. Und ich glaube fest an das „Web des Geben“ (Wer gibt, bekommt auch etwas zurück).
Meine Gedanken gehen in verschiedene Richtungen: Entwicklung neuer Vermarktungsprodukte, Web-Business Strategie-Beratung und ein neues Social Business Medium. Vielleicht alles unter einem Dach?!
Es ist Zeit, das Thema Webstrategie verstärkt in die Unternehmen zu bringen, Social Web Aktivisten und Visionäre für Unternehmen attraktiv zu machen, moderne Tools für Unternehmen zu bündeln, der Webvermarktung einen neuen Anstrich zu geben und damit Investoren zu begeistern. Wer sich bei einem dieser Punkte angesprochen fühlt, der wird sich mit mir in Verbindung setzen.
„Reden ist Online, Schweigen ist Print.
Auf zu neuen Ufern…!
Die Zeit der Manifeste – Manie, Hype oder Faszination?
02.03.2010 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web Strategy
Vor ein paar Wochen habe ich in einem Interview mit dem Internet World Magazin von einem Kulturwandel gesprochen, der mit der Evolution des (oder Revolution durch das) Social Web einhergeht. In der Vergangenheit gingen zahlreichen Kulturwandeln tiefgreifende Manifeste voran, die die Ziele und Absichten einer Gesellschaft im Wandel in sich tragen.
Nun ist ein Manifest kein Blog-Post, kein Whitepaper und keine Strategie-Abhandlung. Oder im Social Web Zeitalter dann doch? Manifeste entstehen in schwierigen Zeiten ideologischer und kultureller Umbruchstimmung in der Gesellschaft. Jeder in der Gesellschaft spürt die Umbruchstimmung. Jeder nimmt die Unruhe im Geiste wahr. Kluge Köpfe formulieren die Wünsche sowie die zukünftige Wegbereitung in Thesen. Die Absicht: Der Masse Orientierung und Antworten zu geben.
Der derzeitige Kulturwandel findet in schriftlicher Form eine kreative Energie, die sich in diversen Manifesten niederschlägt – publiziert zumeist von (Social) Web-Experten. Allein im Jahr 2010 sind inzwischen 3! Internet-Manifeste erschienen.
Manie, Hype oder Faszination? Es wirkt fast so, als schafften sich manche (Social) Web Professionals mit einem Internet-Manifest ein Denkmal. Was mit dem Cluetrain Manifest begann, findet euphorische, motivierte Nachahmer, die ebenfalls Manifeste in die soziale Web Diskussion einfließen lassen.
Eine Übersicht…
Cluetrain Manifest
Autoren: Chris Locke, Doc Searls, David Weinberger, Rick Levine
April, 1999
Tom’s Re-imagine Manifesto!
Ten Good Reasons to “Get Up in the Morning”
Autor: Tom Peters
Juli 2005
The Happy at Work Manifesto
Autor: Alexander Kjerulf
Juli 2007
Das Internet-Manifest
Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.
Autoren: Zahlreiche Journalisten
September 2009
Slow Media Manifest
Autoren: Sabria David, Jörg Blumtritt und Benedikt Köhler
Januar 2010
Media Manifest
12 Thesen zur künftigen Media-Messung
Autor: David Eicher/Webguerillas
Feburar 2010
Rubicon Manfest
Principles of a REVVOLUTION or, the ad server is dead
Autor: Rubicon Project
Februar 2010
In der Ära des Social Web sprechen alle von Nachhaltigkeit, was das Cluetrain Manifest definitiv bewiesen hat. Und wie sieht es mit den anderen Manifesten aus? Wie denken Social Web Professionals über diese neuen Manifeste? Was bringen solche Manifeste? Welche Art von Manifesten brauchen Unternehmen für die Zukunft? Ein paar akademische Meinungen habe ich vorab schonmal angefragt. Und freue mich auf Eure Kommentare…
Lest selbst…
Prof. Harald Eichsteller, Hochschule der Medien (HdM)
“Ein Manifest symbolisiert, dass das schwelende Gefühl einer großen Gruppe oder Bewegung sich materialisiert, aufgeschrieben und schließlich publiziert wird – ob als Anschlag an einer Kirchentür, als Buch oder im World Wide Web. Nach Luther und Marx haben sich rechtzeitig vor Ende des Jahrtausend führende Köpfe im Cluetrain Manifest zusammengetan, um der Tradition mit 95 Thesen neuen Schwung zu geben – und das wurde dann in immer kürzeren Zeitabschnitten dankbar von einigen aufgegriffen.
Erwähnenswert das 15-thesige Slow Media Manifest, das auf den ersten Blick die Tradition des intellektuellen Anspruchs der Manifestierer der letzten Jahrhunderte fortsetzt und sicherlich das schwelende Gefühl einer beachtlich großen Gruppe im digitalen Alltags-Dschungel Gehetzter widerspiegelt. Das Media-Manifest kommt mit 12 Thesen aus und lehnt sich optisch stark an die historischen Vorbilder an; es bleibt allerdings nicht verborgen, dass es sich um das Akquisitionstool einer Agentur handelt, auch wenn inhaltlich die grundsätzlichen Marketing-Tendenzen des neuen Jahrzehnts trefflich skizziert sind.
Bleiben einige Fragen: Brauchen wir jetzt in immer kürzer werden Abständen ständig neue Internet-Manifeste? Ist es legal, die von Luther und Cluetrain vorgegebene Zahl von fünfundneunzig auf ein Dutzend oder wenig mehr zu reduzieren? Ist ein Manifest nicht immer non-profit? Oder: Ist nach dem Cluetrain Manifest jetzt nicht wieder Ruhe angesagt und wir beschäftigen uns jetzt 100 Jahre mit den Konsequenzen und der Verarbeitung dessen, was da so schwelte, uns alle überrumpelte und wir nun eine ganze Zeitlang brauchen werden, um uns freizustrampeln und unsere eigene Linie zu finden?”
Prof. Dr. Klemens Skibicki, Deutsches Institut für Kommunikation und Recht im Internet (DIKRI)
“Karl Marx und Friedrich Engels beschrieben in ihrem Kommunistischen Manifest 1848 diese Unruhe als „ein Gespenst geht um in Europa…“ Damals konnte zwar jeder den gesellschaftlichen Umbruch der industriellen Revolution mit dem Wachsen der Städte, industrieller Massenproduktionsweisen und dem Entstehen der Arbeiterschicht als einer neuen gesellschaftlichen Schicht sehen und den neuen Geist spüren – die Macht und die Auswirkungen waren jedoch kaum zu überblicken. Jahre später führten die einst verfassten Grundlagen zu neuen Machtorganisationen wie den sozialdemokratischen Parteien und andernorts sogar zu blutigen Revolutionen wie in Russland.
Die Autoren der „95 Thesen des Cluetrain Manifests“ von 1999 waren ihrer Zeit genauso voraus als sie die Basisthese „Märkte sind Gespräche“ formulierten. Geschichtsbewusst drückten sie die Kraft dieser Aussagen durch die Anlehnung der Titelwahl an die 95 Thesen von Martin Luther und das Marx`sche Kommunistische Manifest an – elegant, aber nur für eine kleine Elite verständlich. Ein Jahrzehnt später wird die mächtige Veränderung durch die neuen Kräfte von Facebook, YouTube, Twitter & Co auch von der Masse abseits der Vordenker gespürt. So wie sich bürgerliche Schichten im 19. Jahrhundert sich teilweise durch die neuen Kräfte bedroht fühlten, werden heute langsam alle Branchen erfasst und viele fürchten um ihre Geschäftsmodelle, so dass sie Orientierung und neue Leitlinien für die Social Media Revolution suchen. Diese Suche mündet in der Formulierung solcher Manifeste als Antwortmöglichkeiten – wobei ich unsicher bin, ob den meisten der historische Kontext der Wortwahl geläufig ist ;-)
Die Frage der Notwendigkeit solcher Manifeste zu diesem Zeitpunkt ist für diejenigen, die schon seit Jahren bewusster Teil des Ganzen sind, zu verneinen – das Erwartete ist eingetreten. Die Masse ist aber bekanntlich träge und braucht länger, um die Welt um sie herum zu verstehen – wenn die Formulierungen Ihnen helfen und sie die richtigen Schlüsse für ihr Business ziehen können – warum dann nicht?”
Richard Joerges, Becker.Joerges.agile communication.
“Manifest ist ein großes Wort für große politische Ziele und Programme, vom Kommunistischen Manifest, bis zum Manifest der 2.000 Worte im Prager Frühling. Da mitzuhalten wird für so manches neue so genannte Manifest schwierig. Cluetrain Manifesto, ok. Das schlug ein wie eine Bombe und letztendlich zehrt unser Berufsstand immer noch davon. Aber jede noch so gute neue Idee gleich in ein Manifest packen? Sind Programm, Absichtserklärung, Verhaltenskodex nicht meistens die adäquateren Worte?
Die Bereitschaft im Mitmach-Web, Erfahrungswerte und Vorstellungen via eines Manifestes in ein gemeinsames Verständnis und bestimmte Zielsetzungen mit Blickrichtung Zukunft fließen zu lassen, sind unschätzbare Momente der Kulturentwicklung durch Kommunikation und Diskussion. Jedoch sollten sie angesichts der wachsenden Zahl von Veröffentlichungen nicht überbewertet werden. Gerade bei Ideen, die wichtige Zusammenhänge oft verkürzen oder zugespitzt Außenwirkung und Verbreitung anpeilen, laufen Gefahr, inhaltlicher Breite und qualitative Tiefenschärfe zu vernachlässigen. Einer Idee folgt die nächste, doch an Optionen für eine realitätsnahe Einordnung mangelt es. Häufig folgt prompt die nächste Veröffentlichung zum Thema – auf Kosten fokussierter Aufmerksamkeit.
Bestenfalls bleiben Ideensammlungen hilfreiche Anregungen, um Diskussionen zu fördern und Alltagssituationen einzuschätzen. Zu Manifesten geraten sie dadurch jedoch nicht. Denn auch zuviel Pathos macht manchmal verwechselbar.”
Stefan Pfeiffer, IBM Deutschland
“Derzeit nehme ich sehr viel Negativberichterstattung zum Netz wahr. Es wird gewarnt, gewarnt, gewarnt … Und die positiven Möglichkeiten fallen hinten runter. Ich glaube wir brauchen vor allem Aufklärung und Ausbildung für die Anwender im Umgang mit dem Netz. Im Unternehmen können hier Social Media Guidelines helfen. Nicht im Sinne von Vorschriften sondern Hilfestellung.”
Gerald Hensel, Neue Digitale / Razorfish
“Ich persönlich mag ja Definitionen. Eigentlich könnte man meinen, dass ich deshalb auch Manifeste mag, aber tatsächlich glaube ich, dass es sich hier fast immer um PR-Vehikel dreht. Ausnahmen bestätigen bekanntlich auch hier die Regel: Das Cluetrain Manifesto ist ein inhaltlicher Meilenstein in der Industrie und sollte von jedem gelesen werden. Dass aber Hinz und Kunz 10 unbelegte und normalerweise mässig argumentierte Thesen neu übertiteln und das dann ein Manifest nennen, finde ich eher ziemlich peinlich. ”
Spot On!
Manifeste können initiieren, revolutionieren und zum Umdenken anregen. Ja, ich unterschreibe “Slow Media” – erscheint notwendig ohne Personal Web Manager. Ja, “Cost-Per-Thousand Dialogues” klingt spannend. Doch kommt nicht “Cost-Per-Unique User” zuerst? Ja, Publisher brauchen eine effizientere Vermarktung, aber gleich ein Manifest kreieren und dann als Selbstzweck zu vermarkten? Ich weiß nicht…
Natürlich interessiert mich Eure Meinung! Lasst Eurem Geist freien Lauf zum diesem Thema Manifeste. Vielleicht entsteht ja so ein neues z.B. Social Web Manifest, mit Nachhaltigkeit – welches auch in 10 Jahren noch so glänzt, wie das Cluetrain Manifest heute.
B2B vs. B2C: Wofür sich Social Media eignet?
25.01.2010 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web Strategy
Egal ob Veranstaltung, Webinar oder Kundengespräch – viele meiner leitenden Ansprechpartner oder Kunden fragen mich, ob Social Media nun (mehr) für B2B oder B2C tauglich ist. Die Frage klingt ein wenig so wie vor 15 Jahren, als man mich fragte, ob das Internet für das Business, die Umsätze und die Lead Generierung wirklich wichtig wird.
Grundsätzlich ist Social Media mal für beides einsetzbar – aber selbstverständlich unter unterschiedlichen Vorzeichen. Und: Ja, man kann Social Media sehr gut für die B2B PR-, Marketing- und Saleskommunikation einsetzen (siehe hierzu auch Erkenntnisse der Studie der wob AG). In meinen Augen ist das Social Web für B2B sogar effizienter und mit oft schwerwiegenderer Wirkung nachhaltig als im B2C Umfeld.
Vor jedem Social Media Engagement sollte dennoch geklärt sein, warum das Unternehmen überhaupt ‘sozial’ werden will, wo die Stärken und Schwächen der Produkte und Dienstleistungen sind und wen das Unternehmen mit dem sozialen Web-Engagement adressiert.
Entsprechend empfehle ich Unternehmen nachfolgende drei Denkansätze vor jeder Wahl eines Plattform-Engagements zu untersuchen und analysieren – denn die Vorzeichen sind in diesem Fall für B2B wie für B2C gültig.
Analysieren Sie…
Stellen Sie sich als verantwortlicher Manager nachfolgende Fragen. Es würde mich wundern, wenn Sie danach nicht wissen, ob der Einsatz von Social Media eine Relevanz für ihr Unternehmen hat.
- Wer meiner Kunden ist bereits im Social Web unterwegs? Firma, Jobtitel und Branche sind dabei getrennt be(tr)achten!
- Was schreiben meine Kunden auf sozialen Netzwerken?
- Wann sind meine Kunden in diesen Plattformen aktiv?
- Wo schreiben die Kunden Status Updates, Kommentare oder Posts?
- Warum engagieren die Kunden sich mit (hohem) zeitlich Aufwand im Social Web?
Diese Analyse läßt sich im übrigen gleichermaßen bei der Mitbewerbsanalyse durchführen. Es läßt ähnliche Schlüsse auf potentielle Kundschaft für ihr Unternehmen im sozialen Web zu.
Ein einfacher erster Schritt ist, mal testweise Facebook, Twitter, YouTube oder Business-Netzwerke wie LinkedIn oder XING nach Mitarbeitereinträgen und Unternehmenspräsenzen der Kundschaft durchzusehen.
Social Networking Profile agieren oft wie Hubs der im Social Web aktiven Firmen. Die persönlichen und unternehmerischen Profile vernetzen sich, verdeutlichen welches Engagement man im Social Web betreibt und wen man in seinem sozialen Netzwerk Wert schätzt.
Das ist übrigens kein “Social Media Stalking”, sondern reine Business-Recherche der Neuzeit 2.0. Diese taktische Massnahme nutzen auf meinen Businessprofilen bei XING und LinkedIn tagtäglich zahlreiche Menschen (Kunden, Mitbewerber, Partner, Personaler, usw.). Warum also nicht Sie?
Rechnen Sie…
Bei sozialer B2B Kommunikation geht es nicht um erkaufte Reichweite (Page Impressions oder Clicks), die sie erzielen, sondern um taktische Intensitätstiefe in der Kundenkommunikation (Konversation, Transparenz und Offenheit), die ihre sozialen Auftritte offerieren. Es geht um das Angebot an den Kunden, sich zu zeigen und ihr Business anzusprechen, zu loben oder zu kritisieren.
Wie wir alle wissen, ist jeder Kunde eine Referenz. Kommt dieser im ‘öffentlichen’ Gespräch transparent zu Wort, hat das Gewicht und zeigt, daß diese Person nicht ein traditionell vom Unternehmen gelistetes Testimonial ist. Und stellen Sie sich mal vor, aus so einem offenen Web-Gespräch über ihr Blog wird ein Kunde – den sie wieder zu einer Referenz machen können?
Vor allem im B2B Geschäft macht sich das umsatztechnisch mehr bemerkbar denn im B2C Geschäft. Man stelle sich nur mal vor, eine Firma verkauft dank einer Empfehlung mal eben im Produktionsbereich eine Maschine für 20.000 EUR im Vergleich zu einem Kopfhörer für 25 EUR. Wer es also schafft, seine Kunden in sogenannte “Brand-vangelists”, sprich ‘indirekte Marken-Fürsprecher’ zu wandeln, kann gerade im B2B Geschäft mit ordentlichen Umsatzzuwächsen dank Empfehlungsmultiplikation rechnen.
Bedenken Sie…
Die B2B Geschäfte beruhen auf einem zeitlich längeren Entscheidungs- und Einkaufsprozess. Die Preismodelle sind meistens bedeutend höher und die Kundenbasis ist kleiner als im B2C Geschäft. Nachhaltigkeit ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Business-Kundenbeziehungen. Man kommuniziert, diskutiert und argumentiert eben lange mit einem Kunden bis er ein Produkt oder eine Dienstleistung im Einkaufsprozess in Betracht zieht. Diese nachhaltige Kommunikationsbereitschaft mit Kunden sollte sich in der Content Strategie im Social Web wiederfinden. Oder machen Sie das derzeit auf ihrer Unternehmenswebseite?
Ist es da nicht gut, immer wieder einen kommunikativen Impuls abseits einer PR-Meldung oder Marketingaktion zu setzen? Teilen Sie die Bedenken, die ihre Kunden haben mit potentiellen Kunden, die sie noch gar nicht kennen. FAQs sind nett, aber schauen Sie sich genau an, wie oft die noch jemand liest.
B2B Kundenkommunikation über Web 2.0 Tools wie Blogs und soziale Netzwerke (siehe auch diese Studie hierzu) kann man wunderbar spiegeln und vernetzen, damit noch mehr potentielle Kunden von grundsätzlichen FAQs um Produkte, Lösungen und Services zeitnah erfahren. Das Engagement der Kunden ist aufgrund der Investmenthöhe intensiver im B2B höher als im B2C Business. Hat man den Kunden gewonnen, ist der Faktor der Mundpropaganda alles entscheidend – und den bietet Social Media in höchstem Masse… (Referenzseiten werden nebensächlich).
Warum also das Social Web nicht aus webstrategischen Aspekten für die B2B Aktivitäten nutzen?
Spot On!
Entscheidend ist: Business geschieht zwischen Menschen, die Beziehungen zueinander haben und deshalb Geschäfte abschließen, weil sie sich vertrauen. Das Social Web vermenschlicht – auch Unternehmen. Das ist eine große Chance für Unternehmen dem Anstrich eines Fabrikwesens zu entweichen. Ja, es gibt Unterschiede im taktischen Einsatz von B2B und B2C. Nein, aus strategischer Sicht gibt es keine Unterschiede. Das strategische Ziel des Social Media Einsatzes eines Unternehmens, ob hier oder da, sollte demselben Erhebungsprozess folgen und den gleichen Fokus haben: Die Unternehmensvision Wirklichkeit werden zu lassen.
Oder wie sehen/seht Sie/Ihr den Unterschied zwischen B2B und B2C im Social Web?
PS: Brian Solis hat hierzu übrigens kürzlich zahlreiche Fakten zum Status von B2B in Social Media aus der 2009 B2B Social Media Benchmarking Study präsentiert.
Studie: Marketingprofis stehen auf Social Media
21.01.2010 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web Marketing
Der Marketing Service Provider Alterian hat heute seine zum siebten Mal durchgeführte jährliche Marketing-Studie veröffentlicht, die unter dem Titel ‘Are you ready to engage?’ erschienen ist.
Die Studie wurde unter 1068 Marketingprofis weltweit durchgeführt, wobei man sagen muß, daß 98% der Teilnehmer aus Europa und Amerika kamen. Lediglich 2% nahmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum oder sonstigen Ländern teil.
Die Hauptaussage der Studie zeigt, daß 66% der Teilnehmer in Social Media Marketing (SMM) in 2010 investieren werden. Ganze 40% davon sagen, daß sie ihre Budgets hierfür aus dem traditionellen Direkt-Marketing Budget in Richtung Social Media Marketing schieben werden. Ein Anzeichen dafür, daß die Awareness für die Engagement Economy in den Unternehmen Einzu erhält und man offensichtlich die Bekenenntnis-Bereitschaft der in Social Media aktiven Menschen zu Marken zur Lead Generierung nutzen will.
Auch das Thema Social Media Monitoring nehmen die Unternehmen inzwischen ernst. So, wollen 36% der Befragten für Social Media Monitoring und Web-Analyse Budgets einsetzen. Dem entgegen stehen immerhin 42%, die sagen, daß sie bisher noch keine Zugriffs- oder Webanalyse Daten in ihre Kunden- und Email Datenbanken einfließen lassen.
Alterian CEO, David Eldridge, resümiert die Studie und die Aussichten auf das nächste Jahrzehnt mit folgenden Worten…
“2010 marks the start of the digital decade for marketing. Untargeted and irrelevant marketing techniques are now redundant and the results of this survey show many in the industry recognise this. The one thing to remember, however, is that investment in Social Media Marketing is futile without adequate measurement.”
Die Studie zeigt weiterhin, daß mehr als die Hälfte aller Teilnehmer einen ‘ordentlichen’ oder ‘signifikanten’ Teil ihrer Anstrengungen dafür einsetzen werden, von einem kampagnen-zentrierten Direkt-Marketing Modell hin zu einem Multichannel Kundenbeziehungs-Modell übergehen. Lediglich 7% der Firmen unternehmen diesbzüglich keine Anstrengungen.
Für mich interessant ist die Selbstwahrnehmung der Marketingprofis, wie weit der interne Wissensstand zu modernen Marketing-und Kundenbindungsstrategien von dem bestehendem Marketingpersonal ist.
Es sieht also so aus, als ob die Marketingprofis doch noch einigen Wissensdurst bei Themen um das Social Web haben müßten. Wenn nur 17% die Vorteile der modernen Tools einzuschätzen wissen, scheint noch viel Lern- und Informationsbedarf in Unternehmen zu sein.
Die Studieergebnisse können hier heruntergeladen werden.
Web 2.0 und Unternehmensführung: Diskussion zum Status 2010
15.01.2010 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web Strategy
Für die Süddeutsche Zeitung 1,90 EUR zu investieren, ist heutzutage für so manchen Blogger ungewöhnlich. Für mich war es das gestern nicht. Stand da doch einiges über Web 2.0 Strategien und die aktuelle Zukunft des Web zu lesen: vom Streit zwischen Google und China, über die Safttante sowie diversen mit ihrem Unternehmensblog zusammengebrachten Hintergründen und taktischen Anregungen zu Erfahrungen für Unternehmen.
Die Zukunftsvisionen für Unternehmen wurden mal wieder von Don Tapscott, Web-Berater und Autor der Bücher Wikinomics und Grow up digital, in einem Interview zum Ausdruck gebracht. Erst kürzlich hatte er den Titel seines neuen Buches “Rebuilding the world” über sein Blog gesucht, sprich: Kollaboration mit seiner Community hat ihm bei der Titelfindung geholfen.
Das Interview möchte ich als Ansporn zur Diskussion Web 2.0 in der Unternehmensführung nehmen. Tapscott regt Unternehmen an, die Web 2.0 Grundprinzipien offene Diskussion, transparenteres Innovationsmanagement und zukunftsfähige Kollaboration verstärkt einzusetzen und zu fördern. Schließlich könne man mit deratigen Netzwerkmodellen “sein Geschäft ausbauen”.
Auf die Frage ‘Warum macht es dann nicht jeder?’ entgegnet Tapscott:
“Weil eingefahrene Gewohnheiten schwer zu ändern sind. Vor 30 Jahren sagten Kritiker, Manager werden nie internetfähige Computer nutzen – weil sie nicht selbst tippen werden. Können Sie sich das vorstellen? Der gesamte Wechsel zur Internetgesellschaft wurde mit diesem einen Argument in Frage gestellt. Und genauso ist es heute. Eine Web2.0-Kultur würde die Machtverhältnisse in Firmen von grundauf verändern. Daran haben viele Unternehmensführer überhaupt kein Interesse.”
Moment!? Ist das wirklich heute noch so? Sind Unternehmensführer wirklich so internet-resistent? Können sich Unternehmensführer das noch leisten in der Zukunft? Ändern sich Machtverhältnisse in Euren Augen? Was wird sich ändern? Wird es weiterhin 30 Jahre dauren, bis Kollaboration zwischen konkurrierenden Unternehmen stattfindet.
Es gibt so viele Social Media und Social Web Berater neben Don Tapscott (vielleicht noch nicht so bekannt wie er, ok…). Jeder trägt einen gewissenen Erfahrungsschatz aus seiner Beratung von Unternehmen zu dem Thema. Teilt ihn mit uns. Lasst uns die Diskussion führen und alle davon profitieren.
Eine Orientierungshilfe zum weltweiten Agieren
14.01.2010 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web Marketing
In Zeiten der Rezession sind Unternehmen gezwungen, sich der neuen Wirtschaftslage zu stellen und aktiv nach neuen Geschäftsmöglichkeiten zu suchen, wo immer sich diese bieten. Dass die globale Wirtschaft ins Stocken geraten ist, soll gewiss nicht bedeuten, dass auch die Wachstumsinitiativen von Unternehmen diesem Beispiel folgen müssen.
Unternehmen jeder Größe können sich neue internationale Märkte erschließen, wenn sie sich richtig vermarkten. Der Wunsch, sich in schwierigen Zeiten anzupassen und zu wachsen, muss jedoch von den geeigneten Tools unterstützt werden. Allzu leicht investiert man eine große Geldsumme in eine „Lösung“, ohne zu wissen, wie das tatsächliche Ergebnis dieser Investition aussieht. Vor dem Investieren beachtlicher Ressourcen im Rahmen einer internationalen Marketing-Strategie ist es wichtig, zunächst auszuprobieren, was funktioniert.
Für die meisten Verbraucher, die auf der Suche nach neuen Dienstleistungen oder Produkten sind, ist das Internet heutzutage die erste Anlaufstelle. Es versteht sich daher wohl von selbst, dass der Schlüssel für internationales Wachstum darin liegt, wie optimal ein Unternehmen die Möglichkeiten seiner Website ausschöpft.
Website-Lokalisierung und Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist eine kostengünstige Möglichkeit zur Erschließung neuer Märkte. Es kostet nur ein paar Hundert Euro, eine einfache, textbasierte Website in einer anderen Sprache einzurichten. Obwohl die Mehrheit des Internets stark vom Englischen durchdrungen ist, ist Englisch für die Mehrheit der Internetbenutzer nicht deren Muttersprache. Hier herrscht ein klares Missverhältnis, dass Unternehmen ausschöpfen sollten.
Zuerst muss festgestellt werden, ob in einem bestimmten Land für den von Ihnen angebotenen Service überhaupt ein Bedarf besteht. Dies lässt sich am besten am Wettbewerb vor Ort ablesen. Wenn es bereits ähnliche Organisationen in diesem Markt gibt, ist dies ein gutes Zeichen, da es eine echte Nachfrage demonstriert. Hüten Sie sich jedoch vor zu vielen Mitbewerbern, da es äußerst schwierig ist, in einen bereits gesättigten Markt einzudringen.
Haben Sie festgestellt, dass tatsächlich eine Nachfrage besteht, identifizieren Sie die wichtigen Suchbegriffe, die von den Internetbenutzern der Region verwendet werden. Google und Yahoo bieten einige kostenfreie Tools zur Keyword-Bestimmung an, über die Sie diejenigen Suchbegriffe erfahren, die im gewünschten Auslandsmarkt verwendet werden.
Diese wichtigen Ausdrücke sollten anschließend in eine professionell übersetzte Website eingebettet werden, um organisch die Ranking-Position dieser Website in den Suchmaschinen zu optimieren. Es ist möglich, in ausländischen Suchmaschinen-Rankings ziemlich rasch aufzusteigen, ganz einfach deshalb, weil die Sättigung der wichtigen Suchbegriffe in anderen Sprachen als im Englischen bei weitem geringer ist.
Um das Ganze ins Rollen zu bringen, können Sie das Abrechnungsmodell Pay per Click (PPC) oder Internet-Werbung, wie zum Beispiel AdWords von Google, nutzen. So erhöhen Sie durch einen „gesponserten Link“ den Datenverkehr auf Ihrer Website. Das Schöne an PPC ist, dass Sie Ihr Budget im Voraus festlegen können – selbst eine unerhebliche Summe von €5, falls dies gewünscht ist. Sie können den Wert von PPC einschätzen, ohne große Summen investieren zu müssen. Das Risiko ist also wirklich minimal.
Wie bereits erwähnt, hat sich Englisch zur globalen Handelssprache und zur Verkehrssprache des Internets entwickelt. Man sollte sich aber klar machen, dass drei Viertel der Weltbevölkerung überhaupt kein Englisch spricht.
Die Notwendigkeit, dass Unternehmen ihre internationalen Konsumenten in ihrer jeweiligen Muttersprache ansprechen, kann daher nicht genug betont werden. Wenn auch Englisch die am weitesten verbreitete erste Fremdsprache ist, bleibt es eine Tatsache, dass die meisten Verbraucher zuerst in ihrer eigenen Muttersprache nach Dienstleistungen/ Produkten suchen.
Ein Unternehmen, das geschäftlich weltweit agieren will, muss also in der Lage sein, in jedem Land „wie ein Einheimischer zu denken“. Das heißt, Sie müssen die Vielzahl kultureller und linguistischer Vielschichtigkeiten berücksichtigen, denen Sie begegnen, wenn Sie in neue ausländische Märkte eindringen wollen.
Nehmen wir zum Beispiel die französische Sprache in Frankreich und Kanada (Québecer Französisch). Sie ist weitgehend identisch, aber dennoch gibt es hinreichende dialektische Unterschiede zwischen diesen Ausprägungen des Französischen, so dass für ein gezieltes Ansprechen jedes Marktes gesonderte Marketing-Strategien notwendig sind.
Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: „E-Mail“ heißt in Frankreich schlichtweg email, in Kanada jedoch courrier électronique (wörtlich: „elektronische Post“). Und während ein déjeuner in Frankreich „Mittagessen“ bedeutet, meint man damit in Belgien und in der Schweiz das „Frühstück“.
Es gibt zahlreiche solcher Unterschiede zwischen den französischen Sprachvarianten in Frankreich, Kanada, Belgien und der Schweiz, die die Bedeutung des richtigen Lokalisierens Ihrer Dienstleistungen für jeden speziellen Zielmarkt hervorheben. Gleichermaßen verhält es sich auch mit den Sprachen Deutsch (Deutschland)/Schweizerdeutsch, Portugiesisch (Portugal)/Brasilianisches Portugiesisch, Spanisch (Spanien)/Lateinamerikanisches Spanisch und, ganz in der Nähe, Britisches und US-amerikanisches Englisch.
Sprachen spielen daher im Globalisierungsprozess eine zentrale Rolle. Unternehmen jeder Größe könnten von Website-Lokalisierung und SEO profitieren. Eine Firma in den eigenen vier Wänden kann mit nichts weiter als einem vernetzten PC und etwas unternehmerischer Intelligenz weltweit agieren, ohne dafür Unsummen zu investieren.
Über den Autor
Gastautor Christian Arno ist Geschäftsführer und Gründer des internationalen Übersetzungsunternehmens Lingo24.
Das im Jahr 2001 gegründete Unternehmen ist auf vier Kontinenten für Kunden in über 60 Ländern tätig. Im vergangenen Jahr hat Lingo24 mehr als 30 Millionen Wörter für Unternehmen aus jedem Branchensektor übersetzt. Im Jahr 2009 betrugen die Einkünfte des Unternehmens €4 Mio.
Social Media für die Produktentwicklung – AUDI läßt Facebook Fans das Auto der Zukunft designen
17.12.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Social Media
Immer mehr Marken wagen den Versuch, mit der Social Web Welt die Kreativität der Social Medians anzusticheln. Egal ob Brauerei oder Automarke – Social Media ist im Trend. Der Unterschied: Die einen nutzen es als Marketing-Tool und die anderen zur Unterstützung der Produktentwicklung.
Nachdem die Crowd Scourcing Ansätze von Dell und Starbucks erfolgreich waren, will nun AUDI das Auto der Zukunft mit dem Designer-Wettkampf “Youth Mobile 2030″ entwickeln lassen – von Facebook Fans.
Inzwischen hat man auch hier erkannt, daß man sich vom loyalen Kunden das beste Feedback holen kann, um das Brand zu stärken. Als taktisches Mittel Social Media einzusetzen, erscheint als Kundenbindungsinstrument immer beliebter zu werden. Nun will man also auch AUDI die kollaborative “Masse der Bekennenden” zum Innovationsinput motivieren.
Audi stellt Videos des Designprozesses in Facebook ein, begleitet den Contest mit Informationen und hört genau auf das Feedback und die Fragen der Teilnehmer um herauszufinden, welche Tools die Fans im Auto der Zukunft haben wollen. Bei fast 400.000 Fans wird sich wohl ein ordentliches Engagement zur Zukunftsvision eines Autos einstellen – und AUDI hat sein Ohr ganz nah am Kunden.
Spot On!
Die Meinungen gehen jetzt schon auseinander, ob man die Konsole mit Twitter oder Facebook im Auto integriert haben muß – wie inzwischen auch Google Earth im A8. Grundsätzlich macht die Idee von AUDI was her. Ob Sie erfolgreich ist, hängt aber nicht nur von der Einigkeit der Community ab. Erst kürzlich hat Mercedes den Versuch gewagt, die Community der Marketing-Bloggoshpäre einen neuen Claim entwickeln zu lassen. Die Anzahl der Einträge war zahlreich, das Ergebnis ernüchternd. Die Idee blieb erfolglos. Mercedes änderte nichts. Man hat weiterhin keinen Claim. Die Ernsthaftigkeit der Aktion erschien fragwürdig. Hoffen wir, daß es bei AUDI ein besseres Ende hat…
2010: Online ROI – eine Herausforderung für Unternehmen
09.12.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web Strategy
Die Lösung auf die folgende Frage ist komplex: Wie sollen Unternehmen zukünftig Online ROI messen? In Zeiten der Display-, Affiliate- und Search-Werbung wurde Erfolgmessung sehr einfach gehalten. Page Impressions, Clicks, Leads, Sales – Ende. Mit dem Aufkommen von Social Media ist das Thema Online Measurement komplexer geworden.
Im Vor-Web-2.0-Zeitalter gab es eine Formel, die hat alles andere in den Schatten gestellt. Sie basierte auf dem Click, den offensichtlich immer noch zahlreiche CMOs als die entscheidene Messgröße für ihre Online Massnahmen erachten. Der Click galt als Basis des digitales Vermarktungs-Manifests.
Die Formel des bisherigen Online ROI ging ungefähr so…
Page Impressions und Clicks konvertieren zur Klickrate, die Leads und letztlich (hoffentlich) Umsätze generiert.
Und dieser Formel entsprach auch die Wertigkeit in der Online-Vermarktung Cost-Per-Mile (CMP), Cost-Per-Click (CPC), Cost-Per-Lead (CPL), Cost-Per-Sales (CPO). Einfach, klar, pragmatisch.
Der Marketier ist damit zufrieden, der Sales-Mann weniger (meist aufgrund minderwertiger Leads und damit verbundener flukturierender Umsätze). Es mangelt an Transparenz. Die Geschäftsführung gilt als überfordert. 2010 soll alles anders werden.
2009 entzieht die IVW der Page Impression die Macht, der Visit soll zum ‘Golden Surfer’ werden. Eine englische Studie der Online Publisher Association (OPA) zieht nach und stärkt die Effizienz des ‘stillen Click’ und der Wertigkeit des Kontextes.
Hinzu kommt Eyeblaster, allen voran Dean Donaldson, welche noch die Dwell-Time erfinden. Effizienzmessung von Web-Aktivitäten im Web wird zu einer Herausforderung für Unternehmen. Und treibt man es auf die Spitze müßte man eine Eye-Movement-Studie betreiben, um die zeitlich-basierte Aufmerksamkeit zu messen, die Online-Werbung geschenkt wird (ähnlich den Copy-Tests aus dem Printzeitalter).
Als weitere Herausforderung kommen jetzt zahlreiche Social Media Aktivitäten hinzu. und auch hier sucht man eine verlässliche Messgröße zur Rechtfertigung des Aufwandes. Schnell bildet sich die Arbeitsgemeinschaft Social Media und stellt eine neue Social Media Währung vor: Share of Voice oder Share of Buzz. Ein vom Konzept her schlüssiges Modell, nur in der Praxis fragwürdig in seiner Machbarkeit, Handhabung und Vermarktungsrelevanz. Ein vergleichbares Mass wie die CTR gibt es in der Social Media Industrie vermutlich noch lange nicht. Vermutlich auch nicht 2010.
Die Komplexität der Messung des Social Media ROI verdeutlichen wir mal am Beispiel einer Viralkampagne, die mittels Social Media Buzz Reichweite und Ergebnisse generiert. Früher hatte der Click Relevanz. Es war eine einmalige kurzfristige Bewertung ohne Messung der Langzeitwirkung. War die Kampagne beendet, war die Messung vorbei. Ob der Click von der gewünschten Zielgruppe des Buchenden kam, war zweitrangig.
Bei einer Viralkampagne stellt sich aber aufgrund der Zielgruppen-Transparenz die Frage nach der Effizienzmessung ganz anders dar. Alle diese Werte gewinnen erst im Context und in ihrer semantischen und konkludierenden Aussage an Relevanz für den Werbetreibenden.
Fragen kommen auf wie…
Wieviel zeitliches Engagement schenkt der User seinen sozialen Aktivitäten bzw. dem Engagement der Unternehmen?
Wie bewerte ich eingehende Kommentare auf Blogs, Micro-Blogs oder Social Networks?
Wie wertet man einen Retweet im Vergleich dazu?
Von wem kommen welche Kommentare und Aktionen?
Wie verbreiten sie sich über diese Person und an wen?
Wie relevant ist die Zielgruppe des/der Verbreitenden für den Werbekunden?
Wie bezieht man Ratings in die Messung auf Video- oder Bewertungs-Plattformen mit ein?
Was ist mit den Aussagen, die ich gar nicht sehen kann, weil eine Front Door bei Social Networks mir den Zugang zu Ergebnissen versperrt?
Ohne individuell-subjektive Definion von Messeinheiten, jedes Unternehmen für sich, bleibt jede Social Media ROI Messung wertlos, und Social Media Marketing Messung erst recht. Die definierte Metrik muß im relevanten Zusammenhang mit dem gewünschten Ergebnis stehen – sprich individuell den Erfordernissen der Unternehmensstrategie oder der Intention der jeweiligen Social Media Aktivität angepaßt werden. Erhöhung von Visits auf der Webseite? Generierung von Fans oder Followern? Eingelöste Coupon über eine Community? Erkenntnisse über Brand-Bekenntnisse erzielen? Oder wirklich online Verkäufe generieren?
Jedes Profil eines aktiven Social Median, sein Social Graph, hat in seiner Nachhaltigkeit und seinem Empfehlungswert innerhalb und außerhalb “seiner” Social Community unterschiedliches Gewicht. Hier den wahren relevanten Messwert festzulegen, ist Sache der Werbetreibenden. Auf der Webcific habe ich die neue Währung mal als “Cost-Per-Engagement” bezeichnet, um die Relativität des Wortes in Frage zu stellen und dennoch die Relevanz des Wortes für die Zukunft klar zu machen.
Engagement beginnt mit der Kommunikation zum Kunden und hört nicht auf, wenn dieser beim Unternehmen bestellt. Dort gilt es aber das Engagement aufrecht zu erhalten via Email Kampagnen oder traditionellen Online-Aktivitäten. Denn Kundenbindung läuft auch außerhalb der Social Media Sphären ab. Engagement als Messgröße von Social Media zu definieren, kann auf dem Unternehmens-Blog anders aussehen als auf Facebook oder Twitter. Ein ganz entscheidender Faktor im Social Web der immer wieder vergessen wird ist: Kampagnen haben einen Anfang und ein Ende. Das ist bei Social Web Kommunikation nicht der Fall.
Die KPI Formel in Zeiten des Social Web könnte lauten…
Reichweite und Engagement konvertieren in sozialen Aktivitäten, die zu Lead-Multiplikatoren werden und (vermutlich) Umsätze aus Umsätzen generieren.
Die zukünftige Messung von Online ROI sollte sich daran orientieren, wieviel Kommunikations-Output über die verschiedensten Social Media Medien muß eine Firma leisten, bis das Markenversprechen Glaubwürdigkeit gewinnt und Kundenkommunikation entsteht. Daraus ergeben sich Engagements, die ich eben als “soziale Aktivitäten” bezeichnet habe, die es zu definieren gilt. Sie sind es die Gespräche nach sich ziehen für die Multiplikation von Botschaften aus der PR-, Marketing- und Salesabteilung.
Spot On!
Die Messung des Social Web ROI ist ein langfristiger Prozess. Metriken aus Shares, Posts, Kommentare, Ratings oder Tweets ersetzen die alte Click-Metrik. Denn die neuen Metriken bleiben dem Web dank Social Search Integration langfristig erhalten. Kommunikation ist dynamisch und so kann es sein, daß das banale Favorisieren von gestern, morgen zahlreiche soziale Aktivitäten und Gespräche ergibt.
Wer Social Communicartion beherrscht, der generiert Brand-Peers und Brand-Vangelist (wie ich sie immer gerne nenne). Aus meist anonymen Plattform-Usern werden heute Fans, Follower, Blog-Leser und Community Mitglieder. Sie alle haben Namen, sind transparent; ein riesiger Vorteil der heutigen Webgespräche. In dem entscheidenden Moment, in dem sie anfangen mitzudiskutieren, können sie essentiell wichtigen Multiplikatoren der Botschaft einer Marke oder eines Unternehmens und somit Messgrößen werden. Doch Unternehmen sollten bedenken, daß die Kommunikation überall stattfinden kann und entsprechend darauf ihre Webstrategie ausrichten. Diese moderne Webkultur sollte Engagement-Metriken oder Policies zwischen Sales und Marketing verankern. Ansonsten monitort, mißt, analysiert man umsonst und wird die Herausforderung auch 2010 nicht meistern.
2010: Social media budgets increase – but where to find resources?
09.12.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie English Content, Social Media
The good news? Budgets for social media will increase. The bad news? Companies are struggling to find the time and resources to handle their activity, according to the “Social Media and Online PR Report” by Econsultancy and bigmouthmedia.
The research aimed at finding out how companies are using online PR tactics and social media sites (i.e. Facebook and Twitter) for marketing and customer service. The result of the survey shows that the majority of companies (86%) plan to spend more budgets on social media next year 2010 – 13% are not changing their budgets and will keep the same level of spendings.
The biggest challenge for companies is resources: 54% see this as a significant problem. And 90% say it is more time-consuming internally than last year. The named benefit is remarkable: One-fourth of companies found they have achieved “real, tangible value” from social media; 60% say they have bained “some benefit but nothing concrete.”
“The reality is that most businesses understand how to listen, what to measure and where to engage but are struggling to define the value of engagement and reputation in social spaces,” said Michelle Goodall, Econsultancy’s social media and online PR consultant.
One of this companies is definitely Dell. They just announced to have sold PCs, accessories and software for 6,5 million USD via Twitter.
Some Twitter results…
- 78% use Twitter as a social media tactic and 74% of agency respondents
- 65% social network profile creatio n and management
- 62% use the micro-blogging site for publicizing new content
- 54% use the channel for marketing
- 47% for brand monitoring
Spot On!
Only 27% take the advantage of using Twitter as a customer service (and 25% as a customer feedback) tool for reacting to issues and inquiries. And when 31% see “tremendous opportunities” available in using Twitter for customer contact, but only half reporting that their companies are “open-minded but not fully convinced about the value to the business”, it tells the story: We all need to create results and cases in order to provide the positive proof. Especially, when 7% say their organization feels that Twitter is over-hyped and a fad.
Die verdeckten Strategien des Internet-Giganten Google
07.12.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web Strategy
Es wurden schon viele Bücher über Google veröffentlicht, aber nur wenige, die über den strategischen Tellerrand hinaus schauen. The Strategy Web hat sich mit Veit Siegenheim, Co-Autor des Buchs “Die Google-Ökonomie: Wie der Gigant das Internet beherrschen will” unterhalten. Er hat das Buch zusammen mit Dr. Ralf Kaumanns geschrieben.
Q: Herr Siegenheim, Sie haben in ihrem Buch die Strategien und Taktiken des Konzerns umfassend analysiert. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?
Veit Siegenheim Google zeigt ein sehr breites Spektrum an Strategien, Taktiken und Vorgehensweisen, um seine Ziele zu erreichen und im Wettbewerb bestehen zu können. Grundsätzlich kann man auf drei Aspekte verweisen. Erstens: Google versucht, seine Erlösquellen zu schützen und weiter auszubauen. Schaut man auf die Finanzkennzahlen so kann man feststellen, dass die Abhängigkeit von den Umsätzen, die über die eigenen Angebote generiert wurden in den letzten Jahren von 50 Prozent auf fast 67 Prozent gestiegen ist. Dies ist erstaunlich, da dadurch die Abhängigkeit von seiner wichtigsten Erlösquelle immer weiter steigt und ganz entgegen dem Bemühenist, die Erlösquellen diversifizieren zu wollen. Google erzielte im Wesentlichen auch hieraus das Wachstum der letzten Jahre. Konsequent wurde Werbung in alle möglichen kostenlosen Dienste integriert und mit neuen Werbeformen experimentiert. Zweitens: Google versucht die Regeln des Wettbewerbs im Internet nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen. Dies erfolgt über das Bemühen aus seiner Technologie oder aus seinen Konzepten de-facto-Standards machen zu wollen. Ein wesentliches Element spielt hier Open Source. Indem man viele Technologien und technische Konzepte als Open Source bereitstellt, hofft man, dass möglichst viele Entwickler auf den Zug aufspringen und sich dadurch ein de-facto-Standard bildet – der natürlich dann mit anderen Standards im Wettbewerb steht. Drittens: Google versucht gnadenlos sein Geschäftmodell der Werbefinanzierung überall dort durchzusetzen, wo sich der Konzern einen Vorteil im Wettbewerb und eine Akzeptanz der Nutzer verspricht. Dabei setzt man Werbung als Refinanzierung auch dort ein, wo dies vor ein paar Jahren noch nicht denkbar erschien.
Q: Was ist das Besondere am Vorgehen von Google im Wettbewerb im Internet?
Veit Siegenheim Google zeigt bei genauem Hinsehen auf zwei sehr unterschiedliche strategische Ansätze, sein Geschäftsmodell zu schützen und sich im Wettbewerb zu behaupten. Für alle kostenlosen Dienste und Anwendungen für die Webnutzer verfolgt Google eine klassische Produktführerschaftstrategie. Diese zeichnen sich beispielweise durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit aus. Immer neue Features und Funktionen werden entwickelt. Viele Produkte laufen mit kleineren und größeren Fehlern (Beta Phase) und werden mit dem Feedback der Nutzer verbessert. Flankiert wird dies durch die sehr starke Marke Google, die für Innovation und Vertrauen steht. Interessanterweise setzt Google auch nur hier auf die Karte Open Source. Im zweiten strategischen Ansatz, der Systemführerschaftsstrategie im Bereich der Werbeplattform rund um AdWords und AdSense ist von Open Source keine Spur mehr. Die Systemführerschaft, die Google bei der Werbeplattform verfolgt, ist weithin unbekannt und sehr intransparent. Dies haben wir in unserem Buch näher analysiert und beleuchtet.
Q: Ein wenig ausführlicher bitte…
Veit Siegenheim Ein strategisches “System” ist als eine umfassende Problemlösung zu verstehen, die aus einer Reihe komplementärer Anwendungen und Möglichkeiten besteht, die sich im Sinne der Problemlösungsqualität für den Werbekunden vorteilhaft ergänzen. Ein System besteht aus Schlüsseltechnologien wie AdWords und begleitenden Leistungen wie dem Ad Manager, Analytics oder dem Ad Planner, die konstituierende Bedeutung für die gesamte Systemleistung haben. Diese Bedeutung kann beispielsweise durch ein hohes Maß an Innovation oder die integrierende Rolle innerhalb des Systems zustande kommen. Die Systemführerschaftsstrategie setzt ein Produkt mit Schlüsselproduktpotenzial voraus. Bei Google sind dies AdWords und AdSense. Durch das Schlüsselproduktpotenzial entstehen so genannte Lock-In-Effekte, das heißt, der Werbekunde ist in besonderem Maße an Google gebunden, weil bei einem Wechsel zu einem neuen Konkurrenzanbieter mehr oder minder hohe Hürden im Wege stehen und entsprechende Wechselkosten und Wechselrisiken anfielen.
Q: Inwieweit hat das Social Web die Denke von Google verändert?
Veit Siegenheim Das Selbstverständnis von Google ist geprägt und durchdrungen von der Welt der Algorithmen und dem Glauben von der universellen Messbarkeit der Dinge. Das Social Web und im besonderen Facebook verfolgt hingegen vielmehr die Vision eines persönlicheren Internets, in der unser Beziehungsgeflecht, unser Netzwerk an Freunden, Bekannten, Kollegen oder Leute mit gleichartigen Interessen unsere primären Quelle von Informationen, Kommunikation und Neuigkeiten ist – halt so wie im richtigen Leben. Dem Motto von Google die Informationen der Welt zu organisieren und verfügbar zu machen, setzt Facebook ein deutlich anderes Motto entgegen: den Menschen die Macht zu geben, sich mitzuteilen, und dadurch die Welt offener und enger verbunden zu machen. Zum Leidwesen von Google, komplett abgeschirmt für deren Suchcrawler. Der Erfolg von Seiten wie Facebook lässt an einer zentralen Stelle im Internet einen immer größer werdenden blinden Fleck für Google entstehen. Immer größere Aufmerksamkeitsströme verlagern sich in das Angebot von Facebook. Es entsteht so etwas wie ein Internet im Internet, mit sehr persönlichen Daten der Nutzer, betrieben auf den Servern von Facebook. Google hat dem nichts wirksames entgegenzusetzen. Das eigene Soziale Netzwerk Orkut ist nur in Brasilien und Indien von Bedeutung und dümpelte lange vor sich hin. Die Initiative Open Social kann als der verzweifelte Versuch gewertet werden, sich mit anderen sozialen Netzwerken gegen Facebook verbunden zu wollen und deren Wachstum zumindest zu verlangsamen.
Q: Schafft es Microsoft den von Google eingeleiteten Paradigmenwechsel aufzuhalten?
Veit Siegenheim Den eingeleiteten Paradigmenwechsel hin zu mehr webbasierten Anwendungen und weg vom PC-zentrierten Modell der Wintel-Jahre wird Microsoft wahrscheinlich nicht mehr aufhalten können. Dies kann man als eine logische Entwicklung und Konsequenz aus den steigenden Bandbreiten und immer leistungsfähigeren Netzen sowie immer besserer Technologien sehen. Informationstechnologie wird mehr und mehr zur Commodity wie Gas, Wasser und Strom. Amazon hat hier mit den Amazon Web Services eindrucksvoll gezeigt wie die Zukunft aussehen kann. Aber auch andere Unternehmen wie Salesforce.com gehen konsequent diesen interessanten Weg – zum Vorteil der Nutzer und Kunden. Hier ist Google durchaus nicht allein. Microsoft dürfte versuchen, die künftige Welt der Informationstechnologie auf seine Weise zu beeinflussen. Hier zeigen die Redmonder durchaus, dass sie in der Lage sind, die Entwicklungen aufzugreifen und mitgestalten zu wollen – Stichwort: Windows Azure oder internet-basierte Office Anwendungen. Wenn auch mit einem spürbaren Widerwillen, der aber auch verständlich ist, weil man viel zu verlieren hat. Ich gehe davon aus, dass Microsoft auch in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle in der Internetökonomie spielen wird.
Vielen Dank für Ihre Zeit Herr Siegenheim.
Veit Siegenheim ist Geschäftsführerender Gesellschafter der Siegenheim & Cie. GmbH und Executive Partner bei Accenture. Seine Arbeit fokussiert sich auf die Transformation von Medien- und Telekommunikationsunternehmen, die durch die zunehmende digitale Konvergenz notwendig wird. Veit Siegenheim ist Autor verschiedener Studien, Fachbeiträge und Fachbücher sowie Redner auf Fachkonferenzen und Gastreferent an Universitäten.



