Social Web: Biermarken werden zur digitalen Kunstbar

Als Claudia Sommer vor ein paar Monaten schrieb, Twitter sei “wie eine Kneipe”, da hat sie definitiv weniger an Biermarken gedacht als vielmehr die Tatsache, wie sich der Mensch in Twitter bewegt und kommuniziert. Als ich am Wochenende das aktuelle GQ in der Hand hielt, mußte ich wieder an ihr Zitat denken. Vor mir eröffnete sich eine relativ neue Marketing-Taktik der Biermarken Veltins und Becks Gold. Sie bewarben mit Printakampagnen ausschließlich ihre Social Media Aktivitäten – und nicht mehr die klassische Homepage oder sonstige Kontaktoptionen wie Email oder das Service-Telefon. Und im Vordergrund der Kampagne stand nicht Fussball, wie zu vermuten wäre. Nein. Kunst und Kultur stehen im Mittelpunkt…

P1030669Becks und die urbanen Erfahrungen
Vor allem die Marke Becks Gold zeigt sich im Social Web äußerst aktiv, wie das Advertorial klar macht. Mit zahlreichen Zugangspunkten im Social Web initiiert man Gespräche wie in einer digitalen Kunstbar. Den Startschuss hat dabei -laut der Anzeige- ein Offline-Event gegeben, was ich angesichts meines Leitspruches (Connecting Online and Offline) als einen sehr cleveren Schachzug sehe. Unter dem Claim Beck’s Gold Urban Experiences hat man Ende Oktober in Berlin die Ära des Social Web mit einer extravaganten Laufsteg-Veranstaltung aufleben lassen: originell, stylisch und hochwertig – ganz getreu dem hochwertigen Image.

Den eingeleiteten Prozess des Erforschens modernen Stadtlebens will man nun online weiterleben lassen. Inhaltlich beschäftigt sich die soziale Kommunikation mit Kunst, Mode, Design und Film. Die Auftritte mittels Blog, Twitter, YouTube, Facebook bieten soziale Austausch-Plattformen und liefern die Visualisierung der Veranstaltungen und Diskussionen für Fans und Follower. Der Dialog wurde vorwiegend mittels klassischen Gewinnspielen angestoßen. Es zeigt sich bei genauem Hinsehen, daß Moderation der Community auch bei erfolgreichen Brands im Social Web eine wichtige Komponente bleibt.

Fazit: Eine aufwendige Social Marketing Idee, die interessant und ansprechend konzipiert ist. Offensichtlich begeistert sie auch, wenn man sich die zahlreichen Fans ansieht. Ein guter Start, der allerdings auch langfristig ein volles Fass an Inspiration bieten muß und cleveres Social Media Promotion Management erfordert, wenn man dem hochwertigen Image treu bleiben will. Ein wenig erinnert alles an das Social Web Konzept von Adidas UrbanArtGuide, das es sogar schon als mobile iPhone App gibt. Aber das sein nur am Rande erwähnt…

P1030668Veltins geht an die Facebook-Theke
Veltins wechselt von klassischen VIP-Testimonials zu sozialer Kommunikation von und mit Kunden. Und für diesen Wechsel hat Veltins sich offensichtlich viel Zeit genommen. So war die Trennung von Assauer und Thomalla zu Jahresanfang für Veltins vermutlich ein nun willkommenes Ereignis – aus Werbesicht. Auch wenn die beiden über Jahre für witzige und Rollen-vertauschte Beziehungswerbung. Frau war Frau, Mann war Mann und doch irgendwie nicht. Frau durfte mal schnell behaupten, Bier sei aus. Mann durfte die leckere Frau für eine kühles Blondes liegen lassen. Die Videos der Biermarke standen für humoristische Gleichberechtigung und Beziehungsfrohsinn – und belebten den Social Talk der Offlinewelt.

Diesen menschlichen Werbetouch will Veltins nun mit Social Media Aktivitäten weiterführen. Unter dem Motto ‘Moderne Braukunst’ stellt die neue Print-Werbung -neben dem Gewinn des reddot design awards- vor allem den Facebook Auftritt in den Mittelpunkt, der mit einem fetten Schriftzug beworben wird. Nein, keine weiteren Kontaktoptionen. Ja, das ist wahrlich neu und immer mehr im Trend – gerade bei Marken, die letztendlich über Partner vertrieben werden. Da die Partner den unmittelbaren Feedback-Kanal zum Hersteller nicht so oft nutzen, eröffnet die Marke mit dem Social Web jetzt einfach eine Reihe digitaler Kunstbars und kommt so mit den Konsumenten direkt ins Gespräch.

Fazit: Veltins setzt offensichtlich voll auf Facebook – und ebenfalls auf den künstlerischen Urban Touch. Die Kampagne linkt auf ein Gewinnspiel für hochwertige Kunstdrucke (inklusive Lead-Generierung). Auch die Kommunikation innerhalb der Page geht vorwiegend um Modern Art und Design. YouTube langt man vermutlich nicht an, da die bisherige TV-Werbung vermutlich immernoch der Marke ihren Dienst erweist. Interessanterweise gehört der gleichnamigeTwitter Account ‘Veltins’ offensichtlich einer Privatperson, die zwar beachtlich viel über Bier spricht, aber nicht über eine Biermarke: Veltins. Man kann verstehen, wenn man bei Twitter als Marke das Ziel verfehlt, aber den “branded account” sollte man sich schon organisieren.

Spot On!
Veltins und Becks Gold öffnen also die digitale Kunstbar. Und die anderen? Es gibt zahlreiche weitere große Biermarken, die noch nicht auf die Social Web Welt setzen. So fehlen beispielsweise offizielle Varianten von Warsteiner, Krombacher, Radeberger oder Paulaner. Ohne Zutun der Marken gibt es dennoch zahlreiche sozial-engagierte Gruppen von Fans, die offensichtlich die offizielle Variante zur Kommunikation und dem Bekenntnis zur Marke nicht benötigen. Stellt sich also die Frage, ob die obigen Brauereien die Kontrolle lenken wollen, oder es um das Mißverständnis geht, daß Social Media kein Werbemedium ist.

Welche Variante findet ihr denn besser? Die offizielle Page oder der Ansatz einer selbst-organisierten Fangruppe?

Engagement – ein Buzzword 2.0…?

Egal auf welcher Veranstaltung 2.0 man ist oder welchen Post man liest. Überall spricht man heute von Engagement – vor allem in der Web 2.0 Welt. Und langsam frage ich mich, ob es nicht langsam langweilig wird dieses Wort: Engagement. Ist es nicht nur ein Buzzword, eine Hülle, ein altes Gesicht in einem neuen Haus des Web 2.0?

“Get the customers engaged…” Eine herrlich gewichtige Phrase, nicht…?

Egal ob Agenturen, Medienhäuser oder Kunden – alle wollen Engagements generieren. Dabei hat das Wort so viele Facetten, daß ich mich frage, ob den Leuten überhaupt noch der Inhalt des Wortes etwas sagt. In der Marketing- und Saleswelt hat das Wort einen Bart. Die Aussagekraft der obigen Phrase ist wie “Hey, wir haben erkannt, daß der Kunde auch eine Meinung hat”. Glückwunsch…!

Aber was wollen uns die Web 2.0 Philosophen damit sagen? Peter Daboll hat das Thema jetzt mal in seinem Post “The Web of Engagement”aufgegriffen. Und nachdem ich in den letzten Wochen öfter zum Thema Engagements gefragt wurde, möchte ich hierauf ein wenig eingehen.

Engagement definiert wikipedia derzeit mal grundsätzlich als “intensiver persönlicher Einsatz für eine Sache”. Das läßt viel Spielraum für Definitionen…

Woher kommt Engagement im Web?
Als die Unternehmer aus der Printwelt-Ära kamen, waren sie fasziniert, wie man den persönlichen Einsatz eines Individuums im Netz nachverfolgen kann. Marketiers, Agenturen und Medienleute wollten den Kunden gläsernen sehen. Es ging endlich darum, mal den Weg der Unternehmensbotschaft zum Kunden ein wenig nachvollziehen zu können. Sie wollten seinen Einsatz im Web durchleuchten. Ihn intensiver kennenlernen, und von Jahr zu Jahr noch mehr verstehen. Sie wollten analysieren, ja atomisieren, was er so tut auf seinen Wegen im Internet. Sie wollten wissen, welche Bedürfnisse treiben ihn eigentlich zu welchem Aktionismus – zu welchen Engagements. Nur ist der Mensch eben keine Maschine und die Webnutzung ändert sich mit technologischen Tools wie z.B. soziale Medien.

Was definiert die Sales- und Marketingbranche heute als Engagement?
Vor noch nicht mal 10 Jahren sprach die Sales- und Marketingbranche bei Engagaments im Web von Clicks auf Banner (Cost-per-Mile – cpm) oder Zugriffen auf Webseiten oder E-Commerce Systeme (Cost-Per-Click – cpc). Heute ist bei den Marketiers und Verkäufern mit Engagements eher der klare Kontaktaufnahme zum Kunden gemeint (Cost-per-Lead – cpl oder Cost-per-Order – cpo).

Will heißen, daß derjenige der beim Gewinnspiel mitmacht, sich ein Whitepaper herunterlädt, ein Kontaktformular ausfüllt oder online shoppen geht, doch bitte das Opt-In für zukünftige Kundenkommunikation überreicht. Natürlich mit der Absicht, diesem dem Unternehmen wohlgesonnen Kunden ein Produkt oder eine weitere Dienstleistung anzubieten. Manche Marketiers machen Engagement-Kampagnen aber auch nur, um den Kunden weiterhin mit Unternehmensbotschaften zu beglücken. Das ändert sich … langsam.

Wieso hat sich die Engagement Definition bei Marketiers gewandelt?
Eigentlich ist die Engagement-Generierung eine Pre-Sales-Disziplin. Heute wird sie von Marketiers übernommen. Und diese Marketiers stehen unter Erfolgsdruck. Neue Messmethoden werden diskutiert und modernener Messgrößen zur Erfolgsmessung von Kampagnen entstehen. Und das sind harte Saleszahlen. Der Click zählt weniger.

Und wenn man als CMO nur 22 Monate laut einer Spencer Stuart Studie -bei sinkenden Budgets- in Amt und Würden ist, will man … nein, muss man… Erfolge vorweisen. Da ist es einfacher, dem CEO zu verkaufen, daß man 100 Leads, 10 Sales und 100.000 EUR generiert hat, als ihm zu erklären, warum 10.000 Page Impressions nur 100 Clicks und 5 unqualifizierte Kontakte generiert haben. Engagement wird inzwischen sehr oft mit Lead Generierung in Verbindung gebracht, die dann für die Erfolge des Sales-Funnels entscheidend sind.

Und jetzt sprechen Social Media Experten auch noch von Engagements?
Das direkte Vorgehen bei Marketing und Sales bekommt nun eine neue Web 2.0 Definition, die mehr aus der PR-Abteilung kommt. Zahlreiche Händler wollen mit Social Media das Kunden-Engagement steigern, heißt es laut einer Studie von the e-tailing group und PowerReviews. Dafür kommen Ihnen Twitter, Facebook und Co. sehr gelegen. Das war klar. Stellt sich nur die Frage, wie definiert sich dieses Engagement im Vergleich zu den obigen Definition?

In einer Präsentation habe ich es mal so formuliert…

Engagement ist durch Web 2.0 Tools initiierte ‘multilogische’ Kommunikation von, mit und unter Kunden, die größtmögliche Nachhaltigkeit durch weiterführende Interaktion und Einsatz des Einzelnen für die Community nach sich zieht.

Es gibt auch ein aktuelle Begriffsdefinition von Roland Panter, die detailliert auf die möglichen Messgrößen von Social Media Engagement eingeht. Engagement Ad

Und Facebook hat mit seinen Engagement Ads dann Werbemöglichkeiten in Social Networks wieder in die gute alte Sales- und Marketingschiene gerückt.

Back to nature sozusagen…

Spot On!
Auf jeden Fall spielt bei Engagement in der Web 2.0 Welt der Faktor Verweilzeit und Interaktion innerhalb der Community und der sozialen Medien eine entscheidende Rolle. Diese beiden Komponenten sind ein Indiz für die Nachhaltigkeit der dort stattfindenden Kunden-Kommunikation aus Businesssicht. Und darum geht es in der Web 2.0 Welt: den langfristigen Dialog mit dem Kunden – damit er andere Kunden engagiert in die Unternehmen-Kunden-Multilog einbezieht.

Und schon ist Engagement kein Buzzword mehr, oder?

Philips macht einen auf ‘virale’ Weltwette

Was ‘Wetten dass…?’ seine Stadtwette, ist Philips seine Twitter-Wette. Mit seiner Kampagne Philips versus startet das Hamburger Unternehmen eine Art viraler Weltwette, wie man sie aus Wetten dass…? kennt. Nur mit dem Unterschied, daß man hier die Worte ‘Challenge us’ wählt und die Aktion mit einem Gewinnspiel verknüpft.

Das Unternehmen motiviert Twitteruser zu partizipieren und lobt einen 21:9 Fernseher für den kreativsten Input aus, der über den Twitter-Account gegeben wird. Vorgestellt und erklärt wird die Kampagne mit einem Video auf YouTube.

Dennoch legt man Wert darauf, keine Viralaktion zu machen, wie ein Tweet von Philips vs zeigt (siehe Bild). Nein, mit Viralmarketing hat das wenig zu tun. Keine Viral-Marketing Aktion? Wie auch immer…

Es wirkt wie eine globale Weltwette, die auch -wie bei Wetten dass…?- mal schnell einen Einblick zum Zwischenstand und interessanten Umsetzungen durch Philips zuläßt.

“Challenges so far: http://twitpic.com/803s5; http://twitpic.com/7y7tm; http://twitpic.com/7y1a8; http://bit.ly/2VPx1h; http://cli.gs/RSjtPD”

Und Philips wird diese Weltwette gewinnen und vermutlich alle originellen Ideen umsetzen. Bleibt nur die Frage, was die Aktion bewirken soll. Denn sie fordert Philips gleichermassen wie diejenigen, die den Ideeninput für die Challenges geben. Denn für Philips gibt es einiges umzusetzen – der Input durch die Twitterati ist jetzt schon ordentlich…

Spot On!
Das Besondere an der Aktion ist, daß die Kampagne offensichtlich ohne Landing Page auskommmen soll. Die gesamte Kampagne läuft über Twitter (und YouTube) ab – nicht über PR Ankündigung und Microsite. Will man nur eine Community aufbauen? Will man Statt einer klassischen Kampagne für die neue 21:9 Technologie vorwiegend auf Social Medien setzen und die klassische Kommunikation nur als Grundrauschen laufen lassen? Es gilt also dran zu bleiben…

Was haltet Ihr von der Aktion?

News Update – Best of the Day

- Vorhersagen kommen normalerweise immer am Jahresanfang. Nachzügler gibt es dennoch und sogar welche, die mit interessanten Thesen aufwarten können für 2009. Jesse Stay gibt ‘8 Late Predictions that will change the Web 2009′. Von potentiellen Neueinsteigern im Micro-Blogging Space über die führenden Micro-Blogging Networks (Friendfeed bis Twitter) bis hin zu Facebook finden sich allerlei interessante Spekulationen. Man darf gespannt sein, was sich davon wirklich einstellt.

- In der Sonntagsausgabe der FAZ schrieb Anna von Münchhausen vom in Deutschland aufkommenden Foodbloggingtrend – in den USA hat der Online-Food-Network-Trend schon lange groß ‘aufgekocht’ – siehe Beispiele hier und hier. Der Artikel ist leider nicht online, aber die guten Tipps zur kulinarischen Food-Bloggosphäre, auch Foodies genannt, wollen wir nicht vorenthalten: Orangette, Chocolate&Zucchini, Tartelette, Delicious Days, 101cookbooks und Coconut Lime. Interessanterweise verlinkt man sich als Foody offensichtlich auch untereinander.

- Das Super Bowl Endspiel ist immer ein Garant für attraktive Werbespots. Die Top Ten und dann als Abscluß noch der von Doritos – jetzt einfach mal genießen…

PS: Die Gewinner des Launch-Gewinnspiels stehen fest

Gewinner stehen fest!

Zum Relaunch von The Strategy Weg gab es ein kleines Gewinnspiel. Unter den 355 Teilnehmern haben wir die Gewinner inzwischen ausgelost…

* Das Designer-Handy KF510 der Firma LG Electronics hat gewonnen: Wolfgang Heinrich aus Sindelfingen.

Vielen Dank an Herrn Heinrich, der nach seinem Gewinn eine schöne Referenz über The Strategy Web mitlieferte:

“Als regelmäßiger Leser von The Strategy Web freue ich mich natürlich sehr über den Gewinn. Wer sich mit Internettrends, Social Media & Webstrategien beschäftigt kommt an The Strategy Web nicht vorbei Martin Meyer-Gossner liefert in seinem Blog regelmäßig einen umfassenden Überblick über aktuelle Internet-Entwicklungen und bietet gleichzeitig Lösungsansätze für die Internet-Wirtschaft.”

* Je ein Buch ‘Karrierefalle Internet’ von Klaus Eck aus dem Carl Hanser Verlag geht an: Thorsten Fricke aus Bad Gandersheim und Anette E. aus Quickborn

Den Gewinner viel Spaß mit den Preisen!

News Update – Best of the Day

- Eine aktuelle forsa-Studie besagt, daß Besser verdienende Führungskräfte in beruflichen Netzwerken deutlich aktiver sind. Die wichtigsten Learnigs der Studie sind…

• Bereits etwa jede fünfte Führungskraft nutzt berufliche Online-Netzwerke
• Repräsentative Studie bestätigt: XING wird beim Online-Business-Networking von Führungskräften mit deutlichem Abstand am häufigsten genutzt
• Zwei Drittel der Führungskräfte sind der Ansicht, dass Berufstätige Job bzw. Unternehmen künftig häufiger wechseln werden

Weitere Ergebnisse der Studie findet man bei XING.

- Selten denken Menschen über Social Network Marketing öffentlich nach – Danny Flamberg schon, und er schreibt darüber in ‘Living out loud – Thinking about Social Network Marketing‘. Flamberg bringt dabei interessante Denkansätze von diversen Organisationen und Experten, u.a. 42 Social Media and Cotent Marketing Predictions for 2009.

- Es scheint ein endloser Kampf zwieschen dem DFB, in der Person von Theo Zwanziger, und dem Journalisten Jens Weinreich. Nun hat aber offensichtlich der DFB eine ‘Wunderwaffe gegen das Internet’, schreibt Stefan Niggemeier und beleuchtet den derzeitigen Zwischenstand des Disputes.

PS: Trusted Shops macht eine großes Gewinnspiel – für Blogger gibt es einen Sonderpreis: Ein Exklusiv-Interview auf dem Trusted Shop Blog.

Warum Print- gegen Onlinemedien verlieren

Am Wochenende nimmt man sich gerne die Zeit und studiert am Kiosk die Journalie der Print-Magazine. Als internetaffiner Mensch blättert man, wägt ab, liest an und legt letztendlich zurück. Und das hat dann nichts mit der Finanzkrise zu tun. Die Entscheidung ist lediglich im Wesen der gedruckten Magazine begründet.

In vielen Kundengesprächen haben wir jahrelang die Vorzüge von Online gegenüber Print bei B2B Magazinen beleuchtet. Das war auch nicht schwer, denn der Benefit eines Webangebotes lag für uns auf der Hand. Manchmal macht man sich nochmal Gedanken als Onlineverleger, warum Print- gegenüber Web-Angeboten langfristig auf der Verlierstrasse ist. Ein paar Meinungen lassen wir jetzt einfach mal hier fallen…

Natürlich erhebt dieser Post keinen Anspruch auf absolute und kosmopolitische Unangreifbarkeit, aber irgendwie fällt es einem aus vielen dieser Gründe immer schwerer, den ‘Euronen’ für ein gedrucktes Hochglanz-Magazin auszugeben. Vielleicht erscheinen die Gründe aber auch aufgrund eines gewissen Publisherblicks so…

1. Verfügbarkeit
Printmagazine scheinen grundsätzlich ausverkauft, wenn man gerade ein bestimmtes Medium erwerben will. Steht man eigentlich immer ausgerechnet zur unpassenden Zeit am falschen Zeitungsstand? Im Web kann das nur passieren, wenn die Internetleitung mal gekappt ist (was mehr als selten vorkommt). Oder wenn die Webseiten sich einer externen Attacke gegenüberstehen – durch welche internet- oder inhaltsfeindlichen Seelen auch immer.

2. Copypreis
Der Copypreis stellt für die Verleger immer wieder eine neue Herausforderung dar. Wird der Copypreis erhöht, rümpfen der Privatleser die Nase. Überschreitet der Preis eine virtuelle Grenze, die kein Verleger für die einzelnen Magazine kennt, wandern die Leser ab. Im Business-Abonnement passiert das nicht, weil Firmen die Abo-Kosten übernehmen (und sich maximal in Krisenzeiten Gedanken über den Nutzen selbiger machen). Webangebote rechtfertigen einen Monatsbeitrag für Pro-Accounts einzelner Webangebote allein schon aufgrund der Nachweisbarkeit des interaktiven Social Networking und durch dortige textliche oder grafische Platzierung, die in glaubwürdiger Reputationsgewinnung (oder -verlust) innerhalb der Seiten durch den Nutzer resultiert (das Monitoring diesbezüglich müsste aus Unternehmersicht verpflichtend sein). Eine Diskussion über den Nutzwert eines Copy- bzw. Abopreises als neue Monetarisierungsform interaktiver Medien ist attraktiv, vor allem aufgrund der Social Media Welle erscheint es verstärkt diskussionwürdig. Das Problem der ‘online-publizierenden’ Printmedien: Unique content wird immer seltener, vor allem jener, welcher auf investigativem Journalismus basiert.

3. Cover/Titelbild
Nimm mich, nimm mich, nimm mich! Am Cover bzw. Titelbild scheiden sich die Käufer. Was vorne nicht ‘catchy’, kann drinnen nicht ’sexy’ sein – und bleibt bis zur nächsten Ausgabe am Zeitungsstand. Das gedruckte Produkt wird zum Ladenhüter. Beim Webangebot muss man bei der Betrachtung differenzieren. Erster Eindruck oder Top-Story – was entscheidet zum ‘Kauf’? Webangebote haben in der Regel nicht eine Chance mit der Top-Story, sondern offerieren gleich meistens drei herausragende Stories als ‘Aufmacher’ und können flexibler am Layout spielen. Vielfalt und die Übersichtlichkeit des Webangebotes lenken schnell von einem Aufmacherthema ab. Die Gefahr, den Leser durch das ‘Cover’ zu verlieren, ist hier vermutlich mininal – dann noch eher durch den das Bild umgebenden Inhalt.

4. Inhaltsverzeichnis
Das Inhaltsverzeichnis ist Spiegelbild der Kreativität der Redaktion und des Wissens über die Zielgruppe. Trotz der allgemeinen Einsicht über zeitliche Gebundenheit und Inflexibilität der Print-Produktion verzeiht der Leser beim Durchblicken des Inhaltsverzeichnises keinen Fehler. Trifft der Inhalt nicht zu mindestens 75% den Leser-Gusto, wird das Heft den Weg aus dem Laden nicht finden. Webmagazine sind schnell änderbar, Suchansprüchen der Zielgruppe anpassbar, geben mit Webanalyse-Tools detailliertes Feedback über das Nutzerinteresse und bieten nahezu unendliche, zeitungebundene Flexibilität bei der ‘Erstansprache’ des Internetusers. Die Startseite ist tägliches Inhaltsverzeichnis und bekommt kann jeden Morgen, eine neue Chance bekommen.

5. Inhalte
Beim Inhalt kann das Printmagazin aufgrund der Kombination mit Hochglanzfotos punkten. Ansonsten fehlt dem Content der TV-, Rating- und Verlink-Faktor, der den Leser weiterführt sowie Produkte greifbar, dreidimensional und kaufbar macht. Vor allem aber vermißt man bei Printmedien die Kommentarfunktion, die Themen, Produkte und Ansichten ‘vermenschlichen’ und nicht nur die Sicht des Autors zulassen. Die Kommentarfunktion ist in der heutigen Zeit für die Menschheit elementar wichtig und wertvoll. Der Mensch sucht immer nach Gleichgesinnten und will diese kennenlernen. Durch Verlinkung lässt das Medium dem Leser diesen Networking-Faktor, treibt das Thema weiter und lässt dem User die Freiheit zu bleiben und zu gehen. Und Freiheit ist das größte Gut in einer Welt, die von Zwängen bestimmt ist.

6. Anzeigen
Eine Printanzeige wirkt – Bannerwerbung auch. Print kann nur statisch, Onlinewerbung auch animiert (bei zahlreichen Kampagnen oft weniger nötig als Kunden und Agenturen meinen). Hier werden die Werber inzwischen kreativ, um die alte Mär von der Medienkonvergenz Wahrheit werden zu lassen: Print- und Onlinewerbung wird spannender und faszinierender zusammengeführt. Augmented Reality wird von MINI derzeit erstmals eingesetzt. Im direkten Vergleich ist Bannerwerbung der vielversprechendere Ansatz der ROI-Generierung: 1:1 definierbar, 1:1 trackbar und 1:1 kostengünstiger – aber nicht ‘billig’. Und ‘Webanzeigen’ wechseln online permanent, was absolut informativ und bildend ist, denn die Zielgruppe man kann viel mehr Unternehmen kennenlernen. Es stellt sich eine Win-Win Situation zwischen Kunden und Anbietern ein.

7. Inhaltsumfang
Bei Printmagazinen wird der Heftumfang einer Ausgabe allein schon aus Porto- und Zustellgründen limitiert – die Post liefert nur bis zu einem bestimmten Gewicht zu einem ‘verleger-erträglichen’ Preis. Das Web kann der Publisher vollpacken, soviel die Redaktion hergibt und kann es je nach Marktbedingungen oder Inhalts- sowie Lesererfordernissen erweitern – jederzeit.

8. Shopping-Drang
Oft greifen beispielsweise Lifestyle- oder IT-Medien interessante Ideen und Trends zu Produkten in Inhalten oder Anzeigen auf, die man als Leser gerne genauer ansehen will. Entweder um Preisrecherche zu betreiben (bei Printangeboten fehlen Preisangabe meist) oder um das Produkt gleich einzukaufen. In der Regel hat man aber beim Lesen eines Heftes einen Strand in der Nähe, sitzt beim Wochenendausflug in der bayerischen Prärie oder genießt den morgendlichen Duft der U-Bahnfahrer. Webzugang ist dort meist leider noch nicht vorhanden. Also setzt man den Kopfhörer auf und schaltet einfach mal ab. Lesend und Musik hörend, sieht man die Menschheit heutzutage selten. Da hat TV eine größere Chance, denn es gibt schon Formate (z.B. CBS Viewing Rooms), die erfordern den gleichzeitigen Umgang mit TV und Internet.

9. Die Gewinnspiel-Taktik
Abonnenten zu gewinnen, war nie einfach. Die Gewinnspiel-Taktik galt zur Abo-Gewinnung als erfolgversprechend. Vor ein paar Jahren haben Printangebote ihre Webseiten gepusht, indem sie z.B. Gewinnspiele machten, die Print angekündigt wurden, die Teilnahme am Gewinnspiel war aber nur online möglich (schnelle Datenübertragung führt zu frischer neuer Wechselversand-Datenbank). Wäre es für Print nicht eigentlich viel cooler und effizienter, diesen Trend gegenläufig zu gestalten? Das Onlineangebot bewirbt ein Gewinnspiel, an dem nur beim Kauf oder Abonnements eines Printobjektes teilgenommen werden kann. Man generiert Umsätze beim Heftverkauf, gewinnt vielleicht neue Abonnenten, die aufgrund der Vielzahl der Abonnenten dann wieder hohe Schaltkosten für Anzeigen rechnfertigen. Naja, war wohl eher früher so. Die ‘Umsätzeströme’ der klassischen Medienhäuser kommen inzwischen wohl doch eher aus dem Onlinegeschäft.

10. Das Lese-Erlebnis
OK, Punkt für die Printmagazine. Ein Heft in der Hand zu halten und den Bildschirm mal nicht anzuhaben, ist definitiv ein Pluspunkt für die Printmagazine. Online kann auch ganz schön anstrengend sein, weil es heutzutage vor den Augen permanent flimmert, man sich ständig ‘verklickt’ und liest, liest, liest.

Spot On!
Das ist die einmalige Chance für Printverleger, in die Opposition gehen, neue Denkanstöße zu bringen und sich auszutoben. Was meinen Sie?

Gewinnspiel

Zum Relaunch von The Strategy Weg starten wir ein kleines Gewinnspiel. Vielen Dank an dieser Stelle an die Firmen, die diese Preise zur Verfügung gestellt haben!

Zu gewinnen gibt es…

Ein traumhaftes Designer-Handy KF510 der Firma LG Electronics.

Zwei Bücher Karrierefalle Internet von Klaus Eck aus dem Carl Hanser Verlag

Wer einen der Preise gewinnen möchte, schickt einfach eine Mail über das Kontaktformular.

1.) Häkchen in Sonstiges

2.) In ‘Meine Nachricht’ gebt Ihr uns Eure Stimmungslage zu The Strategy Web durch:

a) The Strategy Web empfehle ich auf jeden Fall weiter.
b) The Strategy Web empfehle ich vielleicht weiter.
c) The Strategy Web empfehle ich nicht weiter.

(Natürlich sind wir auch über weiteres Feedback erfreut!)

3.) Namen und Emailadresse nicht vergessen

… und einfach abschicken!

Die Gewinner werden am 31.01.2009 bekannt gegeben. Der Rechtweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Zielgruppe Kinder: Wie Internet-Plattformen am Taschengeld und der elterlichen Kreditkarte verdienen…

Was in der Offlinewelt schon ein Grauß für Eltern, kommt im Web 2.0 Zeitalter auf die Erziehungsberechtigten noch viel ‘dicker’ zu. Normalerweise war das Web vor den mobilen Services – bei der Zielgruppe Kinder ist die Entwicklung nun andersherum. Was uns das Handy leerte, nimmt die Web 2.0 Welt als Vorbild: die Zielgruppe der Kinder auf eine andere Ebene zu heben. Mit zahlreichen geschickten und cleveren Monetarisierungsmodellen finanzieren zahlreiche Unternehmen mit den Centbeträgen der Kinder ihr Business. Ob und inwieweit das nun moralisch einwandfrei ist, muss jeder Elternpart für sich selbst beurteilen.

Ein Blick zurück mit Ausblick…

Im Web 1.0 gab es noch die Diskussion über ausufernde Handykosten der Kinder, die für Klingeltöne oder ’schräg-pixelige’ Hintergrund-Bildchen ihr Taschengeld verpulverten. Zahlreiche Provider solcher mobiler Services mussten sich von den Eltern damals übelst hinsichtlich ihrer Geschäftsgebahren als unmoralische Anbieter beschimpfen lassen oder mussten vor Gericht erscheinen. Ein jüngstes Gerichtsurteil zeigt, dass die Problematik in der Web 2.0 Ära immer noch aktuell ist.

Die Anbieter der neuzeitlichen Businessmodelle diverser Web 2.0 Kinder-Portale werden sich hinsichtlich ihrer Monetarisierungsmodelle sicherlich ihre Gedanken gemacht haben, bevor sie das Taschengeld der Kinder als ihre ‘Cash Cow’ anvisiert haben. Nun sind klassische Online-Werbung oder Gewinnspielformate auf Kinderplattformen ein inzwischen gängiger Weg, den Kindern lustige und schöne Produkte für das Kinderzimmer oder sonstige Gaumenfreuden ans Herz zu legen. Und beim nächsten Einkauf wird an der Kasse diese ‘Quengelware’ den Eltern dann zum Verdruss, den man aber irgendwie in Kauf nimmt. Diese Form der Angriffs auf das Taschengeld ist irgendwie noch aus der Offlinewelt akzeptiert und ‘moralisch einwandfrei’ im Zeitalter des Kapitalismus.

Gestern wurde nun eine weitere Kinder Internet-Plattform gelauncht. Es wird Zeit, den Markt und die Formate der Monetarisierung von Internet-Portalen für Kinder mal zu beleuchten, die das Taschengeld der ‘Steppkes’ adressiert. Die Welle der teils real-, teils virtuell-basierten Businessmodelle für das ‘Taschengeld ausgeben’, die da auf die Eltern zurollt, wird immer zahlreicher, komplexer und ideenreicher. Einige Modelle wollen wir mal vorstellen, ohne die Moral-Diskussion anzuzetteln – eher um mal zu hören, wie Eltern darauf reagieren.

Verknüpfung von On- und Offlinewelt mit Kuscheltier-Modell

smoodoos.de
Was dem Manager sein XING, ist dem Kinde sein smoodoo. Welches Kind als Premium-User die Plattform nutzen will, der muss sich eines der rund 20 verschiedenen smoodoo-Stofftiere für 25 EUR kaufen – ansonsten sind diverse Services der Community nicht nutzbar. So können z.B. keine ‘Gold-Doos’ erworben oder ‘Animationen’ freigeschaltet werden. Dafür wird garantiert keine Werbung angezeigt, ‘vertextet’ oder verschickt – damit werden die Eltern erstmal beruhigt. Als sichere Community für 6-15 Jährige bietet die Plattform ein eigenes Profil, Clubs und Kommunikationsmöglichkeiten wie private Mails oder ein Chat, so die Infos des Unternehmens. Und Smoodos sagt den Kleinen auch, wann die ins Bett müssen: ab 22 Uhr ist die Community geschlossen.

PS: Mit dem Erwerb eines Smoodoos bekommt man 300 Gold-Doos. Sind die aufgebraucht, muss ein neuer Smoodoo her. Ob die ‘Gold-Doos’ wohl irgendwann für kleine Beträge auch ohne Kuschel-Smoodoo zu erwerben sind? Folgegeschäft macht Businessmodelle erst so richtig interessant. Taschengeld ade…

mysuperpets.de
Mit dem ‘Sicher Surfen zwischen 4-8 Jahren’ präsentiert das Startup My Super Pets gestern ‘den sicheren Zugang zu einer kontrollierten Online-Welt’. Im Handel erhält man eins der sechs niedlich aussehenden Stofftiere zusammen mit einem Kartenleser und einer intelligenten Internet-Karte. So gewährt man den Kindern einen zeitlich eingeschränkten Online-Zugriff auf das Kinderportal, auf dem sie Spiele und Aufgaben erledigen können oder mit Freunden auf der ganzen Welt kommunizieren können. Die “Elternkarte” kann den Zugang einschränken oder erweitern. Für jedes erfolgreich absolvierte Spiel gibt es “Web-Taler”, mit denen die Kinder in der virtuellen Welt einkaufen können. Die Verknüpfung von Online- und Offline-Welt: Kauft das Kind beispielsweise für sein reales Stofftier Kleidung, wird auch das virtuelle Pendant im Internet damit ausgestattet.

PS: Ob die Web-Taler wohl irgendwann auch zu kaufen sein werden? Man wird sehen…

Rein virtuelle Onlinewelt: Browser-Games und Community-Modelle

bigpoint.de
Das größte Game-Portal Deutschlands wirbt damit, sich einmal zu registrieren und dann nach Belieben quer durch die ganze Bigpoint-Welt zu zocken und alle Features nutzen – kostenlos und ohne versteckte Kosten versteht sich. Die Finanzierung läuft über Affiliates, Display-Advertising und Ingame-Advertising. Kosten können dann aber doch auch für die Kinder entstehen, denn auch hier gibt es Premium-Features bei Spielen, die nur gegen Aufzahlung erhältlich sind (hier neue Kickschuhe, dort eine Waffe kosten dann extra). Um das zu wissen, muss man aber die Geschäftsbedingungen lesen. Ob das ein Minderjähriger macht, geschweige denn das ‘Rechts-Deutsch’ versteht, sei dahingestellt. Abgesichert hat man sich hier schonmal für den Rechtsfall: “Soweit der Nutzer minderjährig ist, versichert er mit der Bestellung von Premium-Features ausdrücklich, dass ihm die für deren Bezahlung notwendigen Mittel zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen wurden.” Ob das aber im Rechtsfall als Definition langen wird, bleibt ebenso fragwürdig.

PS: Da ist die Fussball-Community Plattform comunio.de doch eine wunderbare Lösung für Konsument und Anbieter: einmal im Jahr einen kleinen Betrag zahlen und fertig! Ok, das Folgegeschäft für Trikotkauf nach einem Trikottausch fällt da flach. Aber ist das Modell deshalb unattraktiver…?

habbo.com
Die virtuelle Social Community mit Wohncharakter, in der man Freunde finden und treffen kann. Die Registrierung ist kostenlos und dann kann man ‘Hang Out for Teens’ leben. Allerdings muss man schon ein paar Centbeträge -in Form von ‘Habbo-Taler’- locker machen, wenn man seine Peers mit den hippen Möbeln begeistern will in der virtuellen Welt, die einen umgibt. Von einem Betrag ab 1 EUR an gibt es dann Wohn-Interieur und -Accessoires. Zahlbar mit alle denkbaren Zahlungsoptionen – von der Kreditkarte (Kinder und Kreditkarten?) über Handybezahlung per SMS bis hin zur Paysafecard. Da kann man als Eltern schnell mal den Überblick verlieren, womit die geliebten Kleinen Geld ausgeben. Und genauso zügig ist dann auch mal das Taschengeld überzogen oder später eine Kreditforderungen auf dem Tisch.

PS: Alles offen kommuniziert, alles verständlich, alles logisch. Aber eben virtuell und somit ist das Geld schnell ‘relativ’… fast so wie derzeit bei Kreditinstituten manchmal.

toggolino.de
Irgendwie ist diese Super-RTL Internet-Plattform der Klassiker und die Mutter unter den Kinder-Portalen. Auch hier trennt man die Spreu vom Weizen: Wer nicht Mitglied im Toggolino Club ist, kann die guten Features nicht nutzen. Der Toggolino Club bezeichnet sich selbst als ‘edukatives kostenpflichtiges Internetangebot’ für drei- bis siebenjährige Kinder und lebt von der Begeisterung um die Brands wie ‘Bob, der Baumeister’, ‘Thomas und seine Freunde’ und ‘Toggolino’ selbst. Und diesen Premium-Anspruch um tolle Kindermarken lässt man sich mit 69,- EUR für ein Jahresabonnement ordentlich vergüten. Bildung ist eben teuer, könnte man argumentieren. Wer mal schnell einen einzelnen Test machen will, ist seinen ‘Wochen-Euro’ Taschengeld da schnell los.

PS: Die Kosten können nur von Erwachsenen übernommen werden, da die Kreditkarte angegeben werden muss. Liebe Eltern, achtet gut auf die Plastikkarten…!

Spot On!
Eltern müssen sich mehr und mehr davon verabschieden, dass Kinder an der Kasse quengeln, Stofftiere nur zum Kuscheln haben wollen oder sich im Sportclub um die Ecke treffen. Das Web hat sie voll erreicht – und damit auch ihr Taschengeld. Die Quengelei um das liebe Geld fängt inzwischen zuhause vor dem Rechner beim Surfen an. Die Frage stellt sich, wann jemand auf die Idee kommt, eine Internet-Kreditkarte für Kinder zu machen – klar, verifiziert und freigegeben von den Eltern. Falls diese mal nicht zuhause sind, können die Kleinen so ihrem ‘Education-Trieb’ trotzdem nachgehen.

Ja, die modernen Monetarisierungsmodelle von Internet-Plattformen für Kinder haben auch positive Effekte auf die Zukunft und Entwicklung auf unsere Kinder… – nur die Eltern müssen sich noch darauf einlassen. Das ist wohl derzeit die größte Hürde für die Anbieter dieser Internet-Plattformen.

PS: In UK hatten 2007 -laut eMarketer- 4,2 Millionen Kinder zwischen 8 und 15 Jahren Internetzugang zuhause. Zitat der Studie: “To some extent, children’s behavior online mirrors that of adults; young UK Web users frequent search engines, use e-mail and download music. But they are far more likely than many adults to be active in social networks or visit entertainment sites.”

10 Empfehlungen für Incentives, wie mehr User an Online-Promotions teilnehmen…

Immer wieder wird man als Berater gefragt, was die besten Motivationstools sind, um User dazu zu bewegen, an verschiedenen Online-Marketingaktionen mitzumachen. In den letzten Wochen wurden fünf Aktionen von The Strategy Web festgehalten, die wir hier vorstellen. Daraus wollen wir versuchen abzuleiten, welche Incentives man bei Marketingaktionen anbietet – und welche lieber nicht.

Beispiel 1 – Lead Generierung
In einem Mailing einer PR-Software Firma aus den USA warb das Unternehmen um die Gunst des Users, indem sie einen 50 Dollar Gutschein von Barnes & Noble anbot, damit die User sich eine Präsentation anschauen.

Beispiel 2 – Online Umfrage
Bei einer Marktforschung (Dauer laut Unternehmen: 10 Minuten) schenkte ein europäisches Unternehmen jedem Teilnehmer iTunes Gutscheine im Wert von 5 EUR, um mehr Response und bessere Ergebnisse für die Marktforschung zu generieren.

Beispiel 3 – Viral Marketing
Ein Kaffeeanbieter lässt seinen Werbe-Videospot durch seine Kunden bewerten und macht daraus eine Viral-Marketing Aktion. Die Kunden sollen den Spot an ihre Freunde, Kollegen und Bekannte weiterleiten, damit auch diese abstimmen. Gewinnoption: lukrative Reise für 2 Personen.

Beispiel 4 – User Generierung
Ein Portal vergibt an bereits registrierte Mitglieder für 15 Einladungen, die diese an Bekannte und Freunde aussprechen (deren Registrierung vorausgesetzt), einen iPod nano.

Beispiel 5 – Event Bewerbung
Wer zu einer Wein-Verkostung geht und ein Ticket für 150 EUR bucht, erhält eine Flasche Rotwein (Wert: 15 EUR) kostenlos dazu.

Fünf unterschiedliche Beispiele – fünf Optionen, User mit Incentives zu motivieren, an einer Marketingaktion teilzunehmen. Gut oder schlecht? Prinzipiell müsste man die Leser fragen, ob die Ideen motivierend sind oder nicht zielführend. Sagen wir mal die Aktionen sind verbesserungswürdig und leiten davon ab…

10 (hoffentlich) hilfreiche Empfehlungen, wie mehr User an Online-Promotions teilnehmen…

1. Überlegen Sie sich die Zielsetzung der Aktion und passen Sie das ‘Incentive’ sinngemäß dieser an. Ob PR-Software unbedingt zu einem Barnes & Noble Gutschein passt? Vielleicht wäre eine kostenfreie PR-Beratungsstunde (= Fusion Marketing) origineller und thematisch passender gewesen?

2. Verlieren Sie nicht das Gleichgewicht bei der Relation zwischen Aktion und Incentive? Wenn man für das Ansehen einer Präsentation gleich ein neues Hemd für die nächste eigene Präsentation kaufen kann, macht man das wohl nur, wenn man kein Hemd mehr im Schrank findet. Die eigentliche Intension der Aktion gerät ins Hintertreffen.

3. Verschenken Sie als Incentive niemals Produkte, die nur denen dienen, die das Grundprodukt zur Nutzung (= iPod) besitzen. Wer den notwendigen Account nicht hat oder nicht will, ist bei der Aktion ‘außen vor’. Dies zeugt nicht von Kundenkenntnis bzw. Kundeninteresse oder Zielgruppenaffinität – mehr vom altmodischen ‘Gießkannen-Prinzip’. Es lebe der Streuverlust…

4. Gutscheine werden unbeliebter und zum ‘Nulltarif’ geschenkt – sprich 5 EUR bekommt man permanent geschenkt, ohne etwas zu tun. Sein Sie sich über den Zeitaufwand und Informationsvorsprung im Klaren, den ein Internetuser bei einer Marktbefragung investiert und ihnen gewährt. Der Faktor 20 zu 80 ist angemessen: sprich z.B. eine gute Flasche Wein für das Ausfüllen des Fragebogens bringt vermutlich mehr. Vielleicht denkt man beim Empfang des Incentives oder beim Verzehr über die oder eine andere Sache nochmal nach und tritt nochmal mit dem Unternehmen in Kontakt. Nur mit einem angemessenen Incentive bekommt man die ‘wahren’ Antworten und nicht einfach willkürliche ‘Clicks’ (siehe auch 6.).

5. Überlegen Sie, ob der Gewinnspielcharakter ausreichend ist, damit die Internetuser die Daten (= Emailadressen) ihrer Freunde, Kollegen und Bekannte preisgeben. Auch wenn der Trend zum Viral Marketing in aller Munde ist und immer mehr zunimmt, muss man mit der Anstiftung zu ‘Datenhandel-Spiel im kleinen Stil’ sauber umgehen und vorsichtig sein. Datenschutz im Webbusiness wird ein immer kritischeres Thema.

6. Eine Hand wäscht die andere: Geben und Nehmen sollten sich die Waage halten. Wer Daten erhält, sollte auch etwas Werthaltiges anbieten. Die ‘Lotterie-Aussicht’ auf eine Reise ist wertlos und Augenwischerei. Das wissen die Internetuser inzwischen – zumindest die, die auch das Internet als Einkaufsmedium nutzen, sich Vebrauchersendungen ansehen (an denen man bald nicht mehr ‘vorbeizappen’ kann) und permanent mit Gewinnspielen konfrontiert werden, wo sie ihre Daten abgeben sollen. Zuviele sind dabei schon enttäuscht worden und von zuwenige n Gewinnern hat man gehört.

7. Wem ein neu gewonnener User 10 EUR Wert ist, der sollte nachdenken, ob er sich diesen Datensatz nicht ‘direkt’ organisiert. Ist es nicht ehrlicher, dem vermittelnden User 10 EUR in Aussicht zu stellen, wenn dieser einen neuen User liefert? Die Bekannten, die für einen iPod -und erstmal keinen ersichtlichen eigenen Nutzen- in eine Datenbank fallen, werden dem Datenlieferanten sicherlich nicht wohl gesonnen sein. Anders ist es, wenn der Datenlieferant am Ende der Aktion alle auf ein Bierchen einladen kann – gerne auch organisiert durch die Firma, die die Marketingaktion durchführt.

8. Eine Incentive-Aktion, die zu aufwendig ist, rechnet sich nicht für das Marketing und die Firma – weder im Sinne des daraus generierten Mehrwertes, noch rechtfertigt es den Aufwand. Schnell registrierte User sind ebenso schnell wieder weg – und damit ist das Incentive sinnlos verschleudert. Zumal sich die Teilnehmer fragen werden, wieso man so generös mit den Incentives umgeht (= schafft kein Vertrauen in Marken!).

9. Early-Bird Aktionen (Frühbucheraktion) sind beliebt. Wenn Sie aber 10% gewähren wollen, machen Sie dies zeitgebunden – aber nicht in Form von Naturalrabatt. Der User kämpft immer mit dem Gedanken und dem Gefühl, dass dies bereits im Gesamtpreis der Eventaktion enthalten ist und man es sowieso mitbezahlt hat.

10. Tragen Sie keine ‘Eulen nach Athen’: Wein an Weinliebhaber zu verschenken, birgt immer ein Risiko (Weiß oder Rot? Rebsorte? etc.). Option 1: Bieten Sie einen exklusiven ‘Zusatz-Kreis’ bei der Veranstaltung mit einem seltenen Probiertropfen an, für alle die sich rechtzeitig angemeldet haben. Option 2: Lassen Sie die potentiellen Teilnehmer bei der Anmeldung aus einer Auswahl von diversen notwendigen Wein-Accessoires für Weinkenner zum gleichen Wert aussuchen.

Spot On!

Der einzigartige clevere Incentive-Tipp ist schwer zu definieren und vermutlich gibt es diesen auch nicht. Incentives wollen für jede Aktion wohl überlegt sein, wenn diese erfolgreich werden soll. Aber vielleicht gibt es ja noch viel mehr Empfehlungen, die den Lesern einfallen. Wir sind gespannt…

Nächste Seite »

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes