Zielgruppe Kinder: Wie Internet-Plattformen am Taschengeld und der elterlichen Kreditkarte verdienen…
10.11.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web 2.0, Web Strategy
Was in der Offlinewelt schon ein Grauß für Eltern, kommt im Web 2.0 Zeitalter auf die Erziehungsberechtigten noch viel ‘dicker’ zu. Normalerweise war das Web vor den mobilen Services – bei der Zielgruppe Kinder ist die Entwicklung nun andersherum. Was uns das Handy leerte, nimmt die Web 2.0 Welt als Vorbild: die Zielgruppe der Kinder auf eine andere Ebene zu heben. Mit zahlreichen geschickten und cleveren Monetarisierungsmodellen finanzieren zahlreiche Unternehmen mit den Centbeträgen der Kinder ihr Business. Ob und inwieweit das nun moralisch einwandfrei ist, muss jeder Elternpart für sich selbst beurteilen.
Ein Blick zurück mit Ausblick…
Im Web 1.0 gab es noch die Diskussion über ausufernde Handykosten der Kinder, die für Klingeltöne oder ‘schräg-pixelige’ Hintergrund-Bildchen ihr Taschengeld verpulverten. Zahlreiche Provider solcher mobiler Services mussten sich von den Eltern damals übelst hinsichtlich ihrer Geschäftsgebahren als unmoralische Anbieter beschimpfen lassen oder mussten vor Gericht erscheinen. Ein jüngstes Gerichtsurteil zeigt, dass die Problematik in der Web 2.0 Ära immer noch aktuell ist.
Die Anbieter der neuzeitlichen Businessmodelle diverser Web 2.0 Kinder-Portale werden sich hinsichtlich ihrer Monetarisierungsmodelle sicherlich ihre Gedanken gemacht haben, bevor sie das Taschengeld der Kinder als ihre ‘Cash Cow’ anvisiert haben. Nun sind klassische Online-Werbung oder Gewinnspielformate auf Kinderplattformen ein inzwischen gängiger Weg, den Kindern lustige und schöne Produkte für das Kinderzimmer oder sonstige Gaumenfreuden ans Herz zu legen. Und beim nächsten Einkauf wird an der Kasse diese ‘Quengelware’ den Eltern dann zum Verdruss, den man aber irgendwie in Kauf nimmt. Diese Form der Angriffs auf das Taschengeld ist irgendwie noch aus der Offlinewelt akzeptiert und ‘moralisch einwandfrei’ im Zeitalter des Kapitalismus.
Gestern wurde nun eine weitere Kinder Internet-Plattform gelauncht. Es wird Zeit, den Markt und die Formate der Monetarisierung von Internet-Portalen für Kinder mal zu beleuchten, die das Taschengeld der ‘Steppkes’ adressiert. Die Welle der teils real-, teils virtuell-basierten Businessmodelle für das ‘Taschengeld ausgeben’, die da auf die Eltern zurollt, wird immer zahlreicher, komplexer und ideenreicher. Einige Modelle wollen wir mal vorstellen, ohne die Moral-Diskussion anzuzetteln – eher um mal zu hören, wie Eltern darauf reagieren.
Verknüpfung von On- und Offlinewelt mit Kuscheltier-Modell
smoodoos.de
Was dem Manager sein XING, ist dem Kinde sein smoodoo. Welches Kind als Premium-User die Plattform nutzen will, der muss sich eines der rund 20 verschiedenen smoodoo-Stofftiere für 25 EUR kaufen – ansonsten sind diverse Services der Community nicht nutzbar. So können z.B. keine ‘Gold-Doos’ erworben oder ‘Animationen’ freigeschaltet werden. Dafür wird garantiert keine Werbung angezeigt, ‘vertextet’ oder verschickt – damit werden die Eltern erstmal beruhigt. Als sichere Community für 6-15 Jährige bietet die Plattform ein eigenes Profil, Clubs und Kommunikationsmöglichkeiten wie private Mails oder ein Chat, so die Infos des Unternehmens. Und Smoodos sagt den Kleinen auch, wann die ins Bett müssen: ab 22 Uhr ist die Community geschlossen.
PS: Mit dem Erwerb eines Smoodoos bekommt man 300 Gold-Doos. Sind die aufgebraucht, muss ein neuer Smoodoo her. Ob die ‘Gold-Doos’ wohl irgendwann für kleine Beträge auch ohne Kuschel-Smoodoo zu erwerben sind? Folgegeschäft macht Businessmodelle erst so richtig interessant. Taschengeld ade…
mysuperpets.de
Mit dem ‘Sicher Surfen zwischen 4-8 Jahren’ präsentiert das Startup My Super Pets gestern ‘den sicheren Zugang zu einer kontrollierten Online-Welt’. Im Handel erhält man eins der sechs niedlich aussehenden Stofftiere zusammen mit einem Kartenleser und einer intelligenten Internet-Karte. So gewährt man den Kindern einen zeitlich eingeschränkten Online-Zugriff auf das Kinderportal, auf dem sie Spiele und Aufgaben erledigen können oder mit Freunden auf der ganzen Welt kommunizieren können. Die “Elternkarte” kann den Zugang einschränken oder erweitern. Für jedes erfolgreich absolvierte Spiel gibt es “Web-Taler”, mit denen die Kinder in der virtuellen Welt einkaufen können. Die Verknüpfung von Online- und Offline-Welt: Kauft das Kind beispielsweise für sein reales Stofftier Kleidung, wird auch das virtuelle Pendant im Internet damit ausgestattet.
PS: Ob die Web-Taler wohl irgendwann auch zu kaufen sein werden? Man wird sehen…
Rein virtuelle Onlinewelt: Browser-Games und Community-Modelle
bigpoint.de
Das größte Game-Portal Deutschlands wirbt damit, sich einmal zu registrieren und dann nach Belieben quer durch die ganze Bigpoint-Welt zu zocken und alle Features nutzen – kostenlos und ohne versteckte Kosten versteht sich. Die Finanzierung läuft über Affiliates, Display-Advertising und Ingame-Advertising. Kosten können dann aber doch auch für die Kinder entstehen, denn auch hier gibt es Premium-Features bei Spielen, die nur gegen Aufzahlung erhältlich sind (hier neue Kickschuhe, dort eine Waffe kosten dann extra). Um das zu wissen, muss man aber die Geschäftsbedingungen lesen. Ob das ein Minderjähriger macht, geschweige denn das ‘Rechts-Deutsch’ versteht, sei dahingestellt. Abgesichert hat man sich hier schonmal für den Rechtsfall: “Soweit der Nutzer minderjährig ist, versichert er mit der Bestellung von Premium-Features ausdrücklich, dass ihm die für deren Bezahlung notwendigen Mittel zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen wurden.” Ob das aber im Rechtsfall als Definition langen wird, bleibt ebenso fragwürdig.
PS: Da ist die Fussball-Community Plattform comunio.de doch eine wunderbare Lösung für Konsument und Anbieter: einmal im Jahr einen kleinen Betrag zahlen und fertig! Ok, das Folgegeschäft für Trikotkauf nach einem Trikottausch fällt da flach. Aber ist das Modell deshalb unattraktiver…?
habbo.com
Die virtuelle Social Community mit Wohncharakter, in der man Freunde finden und treffen kann. Die Registrierung ist kostenlos und dann kann man ‘Hang Out for Teens’ leben. Allerdings muss man schon ein paar Centbeträge -in Form von ‘Habbo-Taler’- locker machen, wenn man seine Peers mit den hippen Möbeln begeistern will in der virtuellen Welt, die einen umgibt. Von einem Betrag ab 1 EUR an gibt es dann Wohn-Interieur und -Accessoires. Zahlbar mit alle denkbaren Zahlungsoptionen – von der Kreditkarte (Kinder und Kreditkarten?) über Handybezahlung per SMS bis hin zur Paysafecard. Da kann man als Eltern schnell mal den Überblick verlieren, womit die geliebten Kleinen Geld ausgeben. Und genauso zügig ist dann auch mal das Taschengeld überzogen oder später eine Kreditforderungen auf dem Tisch.
PS: Alles offen kommuniziert, alles verständlich, alles logisch. Aber eben virtuell und somit ist das Geld schnell ‘relativ’… fast so wie derzeit bei Kreditinstituten manchmal.
toggolino.de
Irgendwie ist diese Super-RTL Internet-Plattform der Klassiker und die Mutter unter den Kinder-Portalen. Auch hier trennt man die Spreu vom Weizen: Wer nicht Mitglied im Toggolino Club ist, kann die guten Features nicht nutzen. Der Toggolino Club bezeichnet sich selbst als ‘edukatives kostenpflichtiges Internetangebot’ für drei- bis siebenjährige Kinder und lebt von der Begeisterung um die Brands wie ‘Bob, der Baumeister’, ‘Thomas und seine Freunde’ und ‘Toggolino’ selbst. Und diesen Premium-Anspruch um tolle Kindermarken lässt man sich mit 69,- EUR für ein Jahresabonnement ordentlich vergüten. Bildung ist eben teuer, könnte man argumentieren. Wer mal schnell einen einzelnen Test machen will, ist seinen ‘Wochen-Euro’ Taschengeld da schnell los.
PS: Die Kosten können nur von Erwachsenen übernommen werden, da die Kreditkarte angegeben werden muss. Liebe Eltern, achtet gut auf die Plastikkarten…!
Spot On!
Eltern müssen sich mehr und mehr davon verabschieden, dass Kinder an der Kasse quengeln, Stofftiere nur zum Kuscheln haben wollen oder sich im Sportclub um die Ecke treffen. Das Web hat sie voll erreicht – und damit auch ihr Taschengeld. Die Quengelei um das liebe Geld fängt inzwischen zuhause vor dem Rechner beim Surfen an. Die Frage stellt sich, wann jemand auf die Idee kommt, eine Internet-Kreditkarte für Kinder zu machen – klar, verifiziert und freigegeben von den Eltern. Falls diese mal nicht zuhause sind, können die Kleinen so ihrem ‘Education-Trieb’ trotzdem nachgehen.
Ja, die modernen Monetarisierungsmodelle von Internet-Plattformen für Kinder haben auch positive Effekte auf die Zukunft und Entwicklung auf unsere Kinder… – nur die Eltern müssen sich noch darauf einlassen. Das ist wohl derzeit die größte Hürde für die Anbieter dieser Internet-Plattformen.
PS: In UK hatten 2007 -laut eMarketer- 4,2 Millionen Kinder zwischen 8 und 15 Jahren Internetzugang zuhause. Zitat der Studie: “To some extent, children’s behavior online mirrors that of adults; young UK Web users frequent search engines, use e-mail and download music. But they are far more likely than many adults to be active in social networks or visit entertainment sites.”
10 Empfehlungen für Incentives, wie mehr User an Online-Promotions teilnehmen…
27.10.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Best Practise, Internetuser, Prosumer
Immer wieder wird man als Berater gefragt, was die besten Motivationstools sind, um User dazu zu bewegen, an verschiedenen Online-Marketingaktionen mitzumachen. In den letzten Wochen wurden fünf Aktionen von The Strategy Web festgehalten, die wir hier vorstellen. Daraus wollen wir versuchen abzuleiten, welche Incentives man bei Marketingaktionen anbietet – und welche lieber nicht.
Beispiel 1 – Lead Generierung
In einem Mailing einer PR-Software Firma aus den USA warb das Unternehmen um die Gunst des Users, indem sie einen 50 Dollar Gutschein von Barnes & Noble anbot, damit die User sich eine Präsentation anschauen.
Beispiel 2 – Online Umfrage
Bei einer Marktforschung (Dauer laut Unternehmen: 10 Minuten) schenkte ein europäisches Unternehmen jedem Teilnehmer iTunes Gutscheine im Wert von 5 EUR, um mehr Response und bessere Ergebnisse für die Marktforschung zu generieren.
Beispiel 3 – Viral Marketing
Ein Kaffeeanbieter lässt seinen Werbe-Videospot durch seine Kunden bewerten und macht daraus eine Viral-Marketing Aktion. Die Kunden sollen den Spot an ihre Freunde, Kollegen und Bekannte weiterleiten, damit auch diese abstimmen. Gewinnoption: lukrative Reise für 2 Personen.
Beispiel 4 – User Generierung
Ein Portal vergibt an bereits registrierte Mitglieder für 15 Einladungen, die diese an Bekannte und Freunde aussprechen (deren Registrierung vorausgesetzt), einen iPod nano.
Beispiel 5 – Event Bewerbung
Wer zu einer Wein-Verkostung geht und ein Ticket für 150 EUR bucht, erhält eine Flasche Rotwein (Wert: 15 EUR) kostenlos dazu.
Fünf unterschiedliche Beispiele – fünf Optionen, User mit Incentives zu motivieren, an einer Marketingaktion teilzunehmen. Gut oder schlecht? Prinzipiell müsste man die Leser fragen, ob die Ideen motivierend sind oder nicht zielführend. Sagen wir mal die Aktionen sind verbesserungswürdig und leiten davon ab…
10 (hoffentlich) hilfreiche Empfehlungen, wie mehr User an Online-Promotions teilnehmen…
1. Überlegen Sie sich die Zielsetzung der Aktion und passen Sie das ‘Incentive’ sinngemäß dieser an. Ob PR-Software unbedingt zu einem Barnes & Noble Gutschein passt? Vielleicht wäre eine kostenfreie PR-Beratungsstunde (= Fusion Marketing) origineller und thematisch passender gewesen?
2. Verlieren Sie nicht das Gleichgewicht bei der Relation zwischen Aktion und Incentive? Wenn man für das Ansehen einer Präsentation gleich ein neues Hemd für die nächste eigene Präsentation kaufen kann, macht man das wohl nur, wenn man kein Hemd mehr im Schrank findet. Die eigentliche Intension der Aktion gerät ins Hintertreffen.
3. Verschenken Sie als Incentive niemals Produkte, die nur denen dienen, die das Grundprodukt zur Nutzung (= iPod) besitzen. Wer den notwendigen Account nicht hat oder nicht will, ist bei der Aktion ‘außen vor’. Dies zeugt nicht von Kundenkenntnis bzw. Kundeninteresse oder Zielgruppenaffinität – mehr vom altmodischen ‘Gießkannen-Prinzip’. Es lebe der Streuverlust…
4. Gutscheine werden unbeliebter und zum ‘Nulltarif’ geschenkt – sprich 5 EUR bekommt man permanent geschenkt, ohne etwas zu tun. Sein Sie sich über den Zeitaufwand und Informationsvorsprung im Klaren, den ein Internetuser bei einer Marktbefragung investiert und ihnen gewährt. Der Faktor 20 zu 80 ist angemessen: sprich z.B. eine gute Flasche Wein für das Ausfüllen des Fragebogens bringt vermutlich mehr. Vielleicht denkt man beim Empfang des Incentives oder beim Verzehr über die oder eine andere Sache nochmal nach und tritt nochmal mit dem Unternehmen in Kontakt. Nur mit einem angemessenen Incentive bekommt man die ‘wahren’ Antworten und nicht einfach willkürliche ‘Clicks’ (siehe auch 6.).
5. Überlegen Sie, ob der Gewinnspielcharakter ausreichend ist, damit die Internetuser die Daten (= Emailadressen) ihrer Freunde, Kollegen und Bekannte preisgeben. Auch wenn der Trend zum Viral Marketing in aller Munde ist und immer mehr zunimmt, muss man mit der Anstiftung zu ‘Datenhandel-Spiel im kleinen Stil’ sauber umgehen und vorsichtig sein. Datenschutz im Webbusiness wird ein immer kritischeres Thema.
6. Eine Hand wäscht die andere: Geben und Nehmen sollten sich die Waage halten. Wer Daten erhält, sollte auch etwas Werthaltiges anbieten. Die ‘Lotterie-Aussicht’ auf eine Reise ist wertlos und Augenwischerei. Das wissen die Internetuser inzwischen – zumindest die, die auch das Internet als Einkaufsmedium nutzen, sich Vebrauchersendungen ansehen (an denen man bald nicht mehr ‘vorbeizappen’ kann) und permanent mit Gewinnspielen konfrontiert werden, wo sie ihre Daten abgeben sollen. Zuviele sind dabei schon enttäuscht worden und von zuwenige n Gewinnern hat man gehört.
7. Wem ein neu gewonnener User 10 EUR Wert ist, der sollte nachdenken, ob er sich diesen Datensatz nicht ‘direkt’ organisiert. Ist es nicht ehrlicher, dem vermittelnden User 10 EUR in Aussicht zu stellen, wenn dieser einen neuen User liefert? Die Bekannten, die für einen iPod -und erstmal keinen ersichtlichen eigenen Nutzen- in eine Datenbank fallen, werden dem Datenlieferanten sicherlich nicht wohl gesonnen sein. Anders ist es, wenn der Datenlieferant am Ende der Aktion alle auf ein Bierchen einladen kann – gerne auch organisiert durch die Firma, die die Marketingaktion durchführt.
8. Eine Incentive-Aktion, die zu aufwendig ist, rechnet sich nicht für das Marketing und die Firma – weder im Sinne des daraus generierten Mehrwertes, noch rechtfertigt es den Aufwand. Schnell registrierte User sind ebenso schnell wieder weg – und damit ist das Incentive sinnlos verschleudert. Zumal sich die Teilnehmer fragen werden, wieso man so generös mit den Incentives umgeht (= schafft kein Vertrauen in Marken!).
9. Early-Bird Aktionen (Frühbucheraktion) sind beliebt. Wenn Sie aber 10% gewähren wollen, machen Sie dies zeitgebunden – aber nicht in Form von Naturalrabatt. Der User kämpft immer mit dem Gedanken und dem Gefühl, dass dies bereits im Gesamtpreis der Eventaktion enthalten ist und man es sowieso mitbezahlt hat.
10. Tragen Sie keine ‘Eulen nach Athen’: Wein an Weinliebhaber zu verschenken, birgt immer ein Risiko (Weiß oder Rot? Rebsorte? etc.). Option 1: Bieten Sie einen exklusiven ‘Zusatz-Kreis’ bei der Veranstaltung mit einem seltenen Probiertropfen an, für alle die sich rechtzeitig angemeldet haben. Option 2: Lassen Sie die potentiellen Teilnehmer bei der Anmeldung aus einer Auswahl von diversen notwendigen Wein-Accessoires für Weinkenner zum gleichen Wert aussuchen.
Spot On!
Der einzigartige clevere Incentive-Tipp ist schwer zu definieren und vermutlich gibt es diesen auch nicht. Incentives wollen für jede Aktion wohl überlegt sein, wenn diese erfolgreich werden soll. Aber vielleicht gibt es ja noch viel mehr Empfehlungen, die den Lesern einfallen. Wir sind gespannt…
Social Networks: Nutzer sind offen für Kontakt mit Firmen – zumindest in Amerika
13.10.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Social Media
In Amerika gehen Nutzer und Händler in Social Networks aufeinander zu – zumindest sagen sie das in zwei Studien, die eMarketer geschickt zusammenbringt.
Eine Studie von Cone besagt, dass 6 von 10 Amerikanern, die sich auf Social Networking Plattformen bewegen, mit Firmen auf Social networking Plattformen in Kontakt treten. Insgesamt gaben 85% an, dass Firmen Social Media zur Kontaktaufnahme mit den Usern nutzen sollten.
Interessant dabei ist, dass die Amerikaner ihr Zusammentreffen mit Firmen auf Social Networking Plattformen nicht als ‘Eindringen’ der Unternehmen in ihr Leben empfinden, sondern mehr als ihr eigenes Bekennen zu einem Brand empfinden.
Eine Studie von Vovici Corporation aus Firmen- und Händlersicht besagt, dass vier von 10 Retailern bereits Social Media nutzt. Der Beleg ist allerdings eine wenig schwach: Nur ein Drittel der Social Media nutzenden Firmen haben eine Facebook-Seite und nur ein Viertel eine MySpace oder YouTube seite.

Spot On!
Vergleichbare aktuelle Werte muss man in Deutschland leider vergeblich suchen. Vielleicht liegt es auch daran, weil man bei diesem Thema stark differenzieren muss. Nehmen wir den kleinen Bäcker um die Ecke, so ist es für diesen aus Ressourcengründen fragwürdig, sich in Social Networks zu zeigen. Für Großbäckerein ist der Wert der Kontaktaufnahme zu ‘Schleckermäulchen’ über Social Networks schon ganz anders zu werten. Diese können z.B. Eltern adressieren und die Vorlieben der ‘Kleinen und Großen’ im Bezug auf das Bäckerhandwerk ‘herausfinden’. Oder nach neuen Produktideen fragen oder über neue Servicegedanken sprechen, um die ‘besten’ Bäckereiführung für Schulen und Kindergärten herausfinden … oder diese virtuell einstellen mit einem Gewinnspiele und vieles andere mehr. Die deutschen Nutzer werden dies sicher auch nicht als Belästigung ablehnen…
PS: Definitiv unerwünscht war bisher zumindest personalisierte Werbung in Social Media laut einer Studie der Universität der Bundeswehr München.
Wie Online-Communities besser werden…
08.10.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Internetuser, Social Media
Wenn man sich viel mit Online-Communities beschäftigt, macht man sich automatisch Gedanken, wie man diese auf stabile Beine stellen und wachsen lassen kann – sprich: der Community den richtigen Kick gibt. Irgendwann legt man sich eine kleine Richtlinie fest, wie man Firmen hierbei helfen kann.
Eine Kurzform dieser Gedanken bieten die nachfolgenden 7 Gedanken, wie Online Communities erfolgversprechender werden…
1. Überlegen Sie sich, wieweit ihre Community bereits existiert (wenn auch nicht als Plattform) und identifizieren Sie ihre Bedürfnisse und Wünsche ihrer User. Versucht ihr Mitbewerb sich bereits an einer Community oder kopiert er sie? Falls ja, überlegen Sie was der außerordentliche USP ist und ob der für Ihre Community noch optimierbar ist.
2. Versuchen Sie herauszufinden, ob es eine Core-Zielgruppe gibt, die sie im Sinne der Word-Of-Mouth Strategie für den Aufbau oder den Wachstum ihrer Community als Zugpferde nutzen können. Nehmen Sie diese Personen als Fixgrößen für die Entwicklung und als Indikatoren für den Erfolg der Community. Natürlich sollten die Kernfaktor für Erfolgswerte einer Online Community immer beobachtet werden: Page Impressions, Unique User, Visits, etc.
3. Community Mitglieder wollen erhört werden (vor allem die Core-Zielgruppe): Schreiben Sie auf Posts, Kommentare oder Anregungen ihrer Mitglieder. Die Community will schnellstmöglich Feedback erhalten. Auch der generelle Umgang in der Community sollte irgendwo in einem ‘User-Guide’ festgehalten werden.
4. Motivieren Sie ihre User und ihre eigenen Mitarbeiter sich zu engagieren: individueller Content, Umfragen, offenes Ende in Posts, Gewinnspiele, etc. sind gute Optionen, den User in die Diskussion und das Engagement der Community zu integrieren. Denn: Keiner kann so gut über ihre Produkte und Dienstleistungen reden, wie ihre eigenen hausinternen oder partnerschaftlichen Experten – diese sollten allerdings nicht unbedingt immer als ‘Firmenaussage’ in der Community rüberkommen.
5. Die Online-Community lebt von der Begeisterung um das Brand. Je mehr die User in die Marketing-Kommunikation und die Kundenansprache eingebunden werden, umso mehr Anregungen und Ideen bekommt das Unternehmen für seine Online-Community und seine Firmenwebseite.
6. Die Führung der Online-Community sollte in einer Hand bzw. einem Team liegen. Diese ‘Institution’ hat die Aufgabe interessanten Content von Partnern, Zulieferern und Dienstleister für die Online-Community zu finden und dort bereitzustellen. Sie dient als Ansprechpartner für die Community und ist der Single-Point-Of-Contact, mit dem sich die Community identifiziert und sie personalisiert auch die Online-Community. Ihre Verantwortung liegt zudem darin, die Online-Community im Markt bei jeder sich bietenden Möglichkeit bekannt zu machen und zu platzieren.
7. Ihre Online-Community muss Inhalte bereitstellen, die neu sind. Auch Medien folgen immer der Richtlinie ‘Content is King!’. Einen Plan aufzustellen, welche Informationen zu welcher Zeit online gehen, macht definitiv Sinn. Das Alltagsgeschäft lässt die Pflicht, neue Inhalte bereitszustellen, in Vergessenheit geraten. Guter Content ist auch ein zweites Mal verwertbar, sollte aber definitiv ein wenig ‘aufgepäppelt’ werden.
Spot On!
Und nutzen Sie die Web 2.0 Multiplikatoren: z.B. twitter.com, youtube.com und andere Social Networks. Und manchmal ist es auch keine Fehler gute Mitglieder für ihr Engagement zu ‘loben’: extrem gute Beiträge sind immer ein Marketinggeschenk wert.
Weitere Ideen sind mehr als willkommen…
Gedanken zu Datenschutz in Business und Web
08.09.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Recht
Derzeit diskutieren Datenschützer, Experten und Politiker über verschärfte Bestimmungen im Datenschutz – alle sind sich dabei einig, dass persönliche Daten besser geschützt werden müssen, um Datenmissbrauch zu vermeiden. Dennoch gibt es dabei zahlreiche Fragezeichen für das Daily Business der Unternehmen.
Wie ambivalent das Thema Datenschutz in und für Unternehmen ist, zeigt allein schon ein banaler Vergleich des gängigen Einsatzes von Microsoft und Google Produkten in Unternehmen. Microsoft lieferte Jahrzehnte lang -nicht nur Klein- und Mittelständlern- die Komplettausstattung für Unternehmenscomputer mit seiner Software, was zwar immer wieder diskutiert aber letztendlich -mangels verlässlicher Alternativen- hingenommen wurde. Das Thema Datenschutz wurde trotz permanenter Sicherheitslücken -allein schon des Internet Explorers- hier weniger diskutiert als jetzt beim Launch des Google Browsers Chrome.
Immer mehr Unternehmen vertrauen sich dem beliebten Produkt Google Adsense an, welches die begehrten Leads für Marketing und Sales generiert oder auch ohne großen Aufwand nette Nebenverdienste für die Portokasse liefert. Auf der anderen Seite warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Internetuser vor dem privaten Gebrauch des Google Browsers. Google separiert derzeit die Interessen der Internetuser von denen der Unternehmen.
Google ist ein Abbild der menschlichen Doppelmoral: wunderbares Nebengericht, aber mit Vorsicht zu genießen – denn zuviel Genuß ist ungesund. Nachdem Google an allen Fronten mit intelligenten Lösungen aufwarten kann, kommt die große Furcht vor dem ‘gläsernen Menschen’ – ein Abbild der 1984 Vision eines gewissen Herrn Orwell. Nachdem nun Bertelsmann und die Deutsche Telekom mit ihren Aktivitäten zur Neukundengenerierung das Thema Datenschutz endlich zu einem wichtigen Thema erheben, musman sich mal ansehen, was die Diskussion auf der Seite der Unternehmen bedeutet.
Aus Usersicht ist das Thema Datenschutz eigenlich schnell erzählt: In Deutschland gibt es das Recht auf ‘informationelle Selbstbestimmung’. Jeder Bürger kann danach frei entscheiden, wer wann auf welche seiner persönlichen Daten Zugriff erhält. Prinzipiell sollte es eigentlich kein Problem geben, oder nicht? Jeder ist seiner Daten Schützer. Ganz einfach und für manche Menschen doch so kompliziert. Oder warum kommt das Thema sonst ins Gerede…?
Für Unternehmen hingegen wird es immer schwieriger und komplexer ‘sauber’ mit dem Thema Datenschutz umzugehen. Zehn Gedanken zum Thema Datenschutz in Daily Business, die die Diskussion weiter anregen sollen…
1. Datenschutzbestimmungen: Die Datenschutzbestimmungen kommen am Ende eines langen Einkaufs- und/oder Registrierungsprozesses. Eine Kurzfassung am Anfang eines jeden Einkaufes würde beim Kunden Vertrauen zum Shop schaffen und ihm das gute Gefühl der Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens bezüglich seiner zukünftigen Kontaktaufnahme zum Kunden geben.
2. Erhöhte Transparenz: Der Online-Einkauf müsste aus Sicht des Datenschutzes vereinfacht und transparenter gemacht werden. Die Erhebung, Weitergabe und spätere Nutzung von Kundendaten der Unternehmen könnte über einfache Tick-Boxen am Anfang der Registrierung festlegen, wo die Daten hingehen. Manche Unternehmen sind bereits auf dem Weg dorthin. Der Online Einkauf dauert kürzer und der Einkaufsspaß wird später weniger getrübt.
3. Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence (BI): Die IT wurde in den letzten Jahren im Sinne der verbesserten Kundenkommunikation umgebaut und erweitert. In vielen Unternehmen sind Kundendaten und -gewohnheiten zahlreich vorhanden, werden aber nicht ausreichend genutzt. Was bei Google Chrome kritisiert wird, ist nichts anderes als so manche Data Mining Massnahme in Unternehmen. Stellt sich die Frage, ob irgendwann Google oder der Staat die tiefergehenden Kundendaten für die Unternehmen sammelt, verfügbar und transparent macht oder weiterhin jedes Unternehmen selbst die Daten hosten. Tatsache ist, einer wird die Daten sammeln, ob die Kunden wollen oder nicht. Ist eine Zentralisierung erwünscht…?
4. Zielgruppengenaues Marketing: Targetierung von Abverkaufs- und Marketingaktionen wird immer problematischer, wenn tiefergehende zielgruppengerechte Adressierung aufgrund mangelhafter, nicht ausreichender Datenerhebung nicht mehr möglich ist. Der Kunde oder Interessent darf sich nicht wundern, wenn auf einmal Werbung eintrudelt, die nicht wirklich von Interesse ist. Ein klarer Rückschritt für die Unternehmen, die an die Zeit überfüllter Offline- wie Online -Briefkästen erinnert…
5. Kreditkarten: Das Vertrauen seine Kreditkartennummer beim Einkauf weiterzureichen, ist groß und weitläufig. Mit der Weitergabe der Kreditkartennummer weiß jedes Unterhemen, oder kann herausfinden, wer der Kunde ist, wenn es wirklich nötig ist. Stellt sich die Frage, warum alle Unternehmen mit einem langen Registrierungsprozeß beim Kunden die Datenschutzängste schüren. Hat man einmal erfolgreich und problemlos irgendwo eingekauft, macht man das doch sowieso nochmal, oder? Muss man wirklich seine Daten zusätzlich zur Kreditkarte bei jedem Kauf hinerlassen? Wenn ich ‘Offline’ einkaufe, mache ichdas doch auch nicht, oder…?
6. Empfehlungsmarketing: Unternehmen sammeln die Daten beim Online-Einkauf aus zahlreichen Gründen – nicht nur um dem verbraucher zu schaden. Viele Kunden der Unternehmen kaufen nach Empfehlung des Herstellers, seiner Händler oder durch Drittanbieter später wieder. Gerade im Web 2.0 Zeitalter lassen sich durch tiefergehende Datenerhebungen neue Märkte oder Nutzerprofile vereinfachter erschließen. Ein Vorteil für den Kunden: In Social Netzwerken werden beispielsweise nur noch zielgruppengerechte Werbung angeboten. Es wird Zeit, dass die Unternehmen das erkennen und sich hierauf stärker fokussieren.
7. Partielle Datenschutz-Verantwortung: Müsste nicht der Browseranbieter, der die Tür zum WWW öffnet, auch eine gewisse grundsätzliche Verantwortung für den Datenschutz tragen? Gerade am Beispiel von Google Chrome müsste sich diese Diskussion doch langsam mal entzünden, hätte man meinen können…
8. Datenschutz Allianzen und Gütesiegel: Gäbe es Datenschutz Allianzen bzw. Gütsiegel für im Umgang mit persönlichen Daten ‘saubere’ Unternehmen -branchenweit oder im allgemeinen- würde sich die Datenschutz Diskussion im Rahmen halten. Diverse Ansätze wie Security Alliances deuteten mal in diese Richtung, sind aber irgendwie nicht mit der richtigen Ernsthaftigkeit von den Unternehmen weiterverfolgt worden.
9. Gewinnspiele: Vermutlich das größte Bottle-Neck des Datenschutzes bei den Unternehmen. Wenn man schon Gewinnspiele macht, solte man folgende Grundsätze endlich mal beachten, die Nutzer ausdrücklich wissen lassen und dazu stehen: a) die Daten werden ausgewertet b) die Daten werden genutzt zu Marketing- und Vertiebszwecken – auch mal durch Partner c) wer mitmacht, muss damit rechnen, Werbung zugesandt zu bekommen. Diese Offenheit der Unternehmen wird die Offenheit der Kunden treffen: Wer mitmacht, ist offen für meine Produkte und Angebote- und will nicht nur Gewinnpreise ‘abstauben’ gemäß des ‘Jäger und Sammler’- Prinzips. Solche User/-daten bringen den Unternehmen sowieso fast nie etwas…
10. Automatisierte- bzw. initiierte Datenlöschung durch Unternehmen: Gäbe es eine automatische oder durch Kunden einfach zu regelnde Löschung der Daten (z.B. nach Ablauf der Garantiefrist), hätten die Kunden es selbst in der Hand, wie lange die Daten bei den Unternehmen vorliegen. Man stelle sich eine Email oder einen Brief vor, welche den Kunden daran erinnert, seine Daten beim Unternehmen zu löschen, wenn er die direkte Kommunikation zukünftig nicht mehr wünscht. Bei jedem Online-Newsletter ist das Angebot des Abbestellens des Newsletters längst Gang und Gäbe. Hat man aber irgendwo mal eingekauft und den Newsletter nicht abonniert, liegen die Daten vermutlich noch Jahrezehnte später den Unternehmen vor. Vielleicht wäre aber auch eine unmittelbare Datenlöschung durch die Unternehmen als Pflichtprogramm zwei (oder drei) Jahre nach dem letzten Kauf sinnvoll.
Spot On!
Der Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer fordert: “Wir brauchen mündige Kunden. Ohne das Vertrauen der Kunden kann kein Anbieter auf Dauer erfolgreich sein.” Umgekehrt könnte man aus Kundensicht argumentieren: “Wir brauchen ethisch-saubere und vernünftige Unternehmen.” Eine weitere Vision wäre zum Beispiel die sichere Schnittstelle zwischen Staat und Unternehmen herzustellen. Könnte man seine Kundendaten über einen gesicherten staatlichen Zugang selbst verwalten, wären die Diskussionen schnell erledigt.
Studie: Daten werden generiert, Datenschutz immernoch vernachlässigt
17.07.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Recht
Jeder frägt sich, was Unternehmen mit personenbezogenen Daten machen, die über Unternehmenswebseiten bei Aktionen, Gewinnspielen und Downloads generiert werden. Die Wahrheit liefert jetzt eine Studie… oder auch nicht.
Mehr als 85% aller deutschen Unternehmen und Behörden verzichten auf jegliche Information dahingehend, was mit diesen Daten geschieht. Das besagt das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Xamit Bewertungsgesellschaft mbH, die im Februar 2008 mehr als 815.000 Webseiten privater Firmen und öffentlicher Institutionen unter die Lupe genommen hat.
Die Studie zeigt, dass gut 41% der Behörden und Unternehmen in Deutschland Kontaktformulare, Newsletteranmeldungen oder weitere Instrumente einsetzen, um innerhalb des eigenen Webauftrittes Fremddaten zu generieren. In diesem Zusammenhang war untersucht worden, ob diese Webpräsenzen personenbezogene Daten (Name, Anschrift, E-Mailadresse) abfragen, ob eine Datenschutzerklärung hinterlegt ist und letztlich, ob diese mit maximal einem Klick vom Kontaktformular aus abrufbar ist.
Das Ergebnis ist ernüchternd: Gesetzlich vorgeschriebene Pflichten zur Veröffentlichung einer Datenschutzerklärung werden schlichtweg meist ignoriert. Und auch die höchsten Ebenen machen davor nicht halt: Sogar die Bundesregierung und das Auswärtige Amt bleiben im Internet jegliche Erklärung zur Nutzung der von ihnen abgefragten Personendaten schuldig.
Die unachtsame Datenerhebung hat Folgen: Ein Vertrauensverlust seitens der Bürger bzw. Kunden ist bereits deutlich spürbar. Bestätigt wird dies durch eine bereits 2007 veröffentlichte das Allensbach Institut: 54% der deutschen Internet-Nutzer befürchten, dass ihre persönlichen Daten im Internet nicht geschützt sind.
Die Konsequenz könnte für Unternehmen bitter sein: Jeder dritte User gab schon damals an, aus Sicherheitsgründen auf den Einkauf im Internet zu verzichten.
Spot On!
Dass Unternehmen mit personenbezogenen Daten sorgsam umgehen sollten, dürfte nach der langen Diskussion über Datenschutzbestimmungen inzwischen bekannt sein. Ein wenig mehr Transparenz und das Einhalten von ein paar Grundregeln würde schon das Vertrauen der Kunden ins Internet stärken. Dennoch zeigt das Ergebnis der Studie, dass darauf immernoch zu wenig Wert gelegt wird innerhalb der Unternehmen.
Wie man positiv mit Datenschutz umgeht, kann in diesem Podcast nochmal nachgehört werden. Tipps zum vertrauensbildenden und gesetzeskonformen Umgang mit online generierten Personendaten bietet auch die Studie.
Wie erzielt man Glaubwürdigkeit mit einer Webseite?
12.06.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web Strategy
Das Internet scheint unendlich viele Webseiten zu beherrbergen – aber wie sieht es mit der Glaubwürdigkeit der Webseiten aus? Wie kann man seriöse von unseriösen Inhalten und Anbietern unterscheiden? Ein Leitfaden gibt Aufschluss…
“Ehrlichkeit ist gegenüber dem Feind ein Kann, gegenüber dem Freund ein Soll, gegenüber sich selbst ein Muß.” Philip Rosenthal (1916-2001)
Wäre Rosenthal ein Webwissenschaftler gewesen, hätte er das Zitat wohl so umschreiben können: Wer nicht ehrlich zu sich selbst ist, der hat auch nicht den Anspruch, dass seine Webseite ein Freund des Users sein soll. Der Feind tarnt seine Webseiten - z.B. als Gewinnspielaktion. In Wahrheit folgt die Webseite eher einer Jäger- und Sammlermentalität (Kontakte- und Adressgenerierung). Die Unglaubwürdigkeit derartiger Webaktivitäten erkennt man da schnell.
Aber wie sieht es mit Ihrer eigenen Firmenwebseite aus? Jeder/s Unternehmer/n darf sich mal an die Nase fassen und die Webseite einem Vertrauens-Check unterziehen. UNd: Hand auf’s Herz – wann haben Sie das das letzte Mal getan?
Wie man so einen Check am besten macht, zeigt eine Auftragsstudie der Stanford University, welche über deren Persuasive Technology Lab durchgeführt wurde. Befragt wurden bei der großflächig angelegten Studie über 1.400 Personen, die 51 Webseites beurteilten duften. Hintergrund war der Wunsch der amerikanischen Verbrauchervereinigung, Consumers Union, herauszufinden, wie und woran man die Glaubwürdigkeit einer Webseite dingfest macht.
Das Ergebniss sind die nachfolgenden 10 Richtlinien zur Glaubwürdigkeit einer Webseite . Die Guidelines wurden sinngemäß übersetzt, die Kommentare zur Veranschaulichung von TheStrategyWeb hinzugefügt.
1. Machen Sie es einfach, die Richtigkeit der Information auf Ihrer Seite nachzuvollziehen.
Stellen Sie sich vor, Sie schreiben eine wissenschaftliche Arbeit: Auch dort arbeiten Sie mit Zitaten, Quellen, Literaturverweisen – entscheidend ist, dass Sie die Verweise machen, auch wenn niemend diesen nachgehen sollte.
2. Beweisen Sie, dass eine richtige Unternehmung hinter der Webseite steht.
Bebildern Sie Ihre Existenz (Webcam, Bilder des Office, der Computer, des Raumes) und idealerweise haben Sie ein Impressum mit der ,wahren’ Firmenadresse.
3. Heben Sie die Expertise in Ihrem Unternehmen genauso wie den Inhalt und die angebotenen Leistungen hervor.
Profile von Projekten, Testimonials von Kunden, Verlinkungen zu strategischen Partnern und bekannten Referenzen bewirken manchmal Wunder bei Firmen und Kunden mit denen Sie arbeiten oder denen Sie etwas verkaufen wollen.
4. Zeigen Sie, dass ehrliche und vertrauenswürdige Menschen hinter der Webseite stehen.
Business wird von Menschen für Menschen gemacht und alle sehen sich am liebsten erstmal Gesichter an, mit denen Sie umgehen wollen. Biographien von Mitarbeitern sind hilfreich, wenn sie auch das Privatleben im Blick haben (z.B. Hobbies und Familie).
5. Machen Sie es leicht, das Unternehmen zu kontaktieren.
Die Kontaktseite ist ein Muss. Zudem ist es hilfreich, wenn Email, Telefonnumer oder Adresse von allen Content Pages maximal einen Klick entfernt sind.
6. Geben Sie der Webseite ein Design, dass professionell aussieht (oder zumindest dem Zweck entspricht)
Das harmonische, visuelle Aussehen der Webseite, durchgängige Navigation und gleichbleibende Templates sind unverzichtbare Kenngrößen für die Glaubhaftigkeit und Professionalität. Grundsätzlich gilt: Je klarer, je besser!
7. Bauen Sie eine einfach zu bedienende und brauchbare Seite.
Verzichten Sie z.B. auf lange Einstiegsseiten, die nur gut aussehen, aber den User Zeit kosten. Ebenso sollten Sie auf Webtechnologien verzichten, die nur der Eitelkeit des Unternehmens bzw.Selbstdarstellung des Web Tech Teams dienen.
8. Aktualisieren Sie die Inhalte Ihrer Webseiten regelmäßig
Menschen vertrauen aktuellen Seiten mehr, die den Anschein einer kürzlichen Überprüfung oder eines Updates haben.
9. Zügeln Sie sich mit jeglichen Werbeinhalten (z.B. Banner, Angeboten, etc.)
Idealerweise auf Banner, vor allem Störerelemente (z.B. Pop-Ups), verzichten. Wenn Sie Banner darstellen, trennen Sie Angebote von ,wahren’ Inhalten.
10. Vermeiden Sie Fehler jeglicher Art – auch wenn sie noch so klein sind.
Nicht funktionierende Links und Schreibfehler geben den Eindruck, die Seitenbetreiber nehmen die Sache/das Business nicht ernst.
Spot on!
Oft wird man in der Beratung gefragt, warum die Verweildauer auf der Webseite so kurz ist und die Angebote nicht angenommen werden. Wer die obigen Richtlinien befolgt und seine Webseite überprüft, findet so manchen Schatten auf seiner Seite. Denjenigen, die der Meinung sind, sie machen alles richtig, will ich gerne bei der Suche helfen. Sie werden sehen, es findet sich immer eine ,unsaubere’ Stelle beim generellen Layout, im Content oder bei grafischen Elementen.
Gewinnspiele begleiten die EM 2008 – und was ist mit dem Thema Datenschutz?
10.06.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Recht
Europameisterschaft, EM oder EURO 2008… in allen Kombinationen mit dem Wort ‘Gewinnspiel’ zu suchen, ist ein voller Erfolg. Die Generierung von Kontaktdaten rund um das Fussballfest ist u.a. in der Autoindustrie (s. Spiegel Online) wieder in vollem Gange. Kein Unternehmen will die Unbekümmertheit der Fussball- oder Gewinnspielfans auslassen. Jeder will am Ball sein und seine Datenbank der Interessenten in Schwung bringen.
In Vergessenheit geraten dabei sehr schnell die Richtlinien zum Datenschutz für derartige Aktionen – bei User und Unternehmen.
Eine bunte Seite mit Fussbällen, ein leichte Frage an den User, die Landing Page schön einfach gestaltet und schon generiert man zahlreiche Daten. Denn: welcher Internetuser liest schon die Datenschutzbestimmungen bei Gewinnspielen? Was zählt, ist was man gewinnen kann – und das führt oft zur allseits bekannten Datenschutzblindheit. Die Unternehmen freut’s, die Aktionen lohnen sich und im Anschluss werden die neuen User ordentlich mit Mailings und Flyern angeschrieben. Auch gerne mal über Dritte, denn mit dem Gewinnspiel rollt auch der Rubel. Bei einer Vermarktungsoption von bis zu 15 EUR pro Adresse kann ein Gewinnspiel ein lukratives Geschäft sein.
Vorsicht! Was und wie Unternehmen mit Daten aus Gewinnspielen umgehen dürfen, ist zu 100% gesetztlich geregelt.
Folgende Richtlinien sollten Sie auf jeden Fall bei Gewinnspielen beachten…
- Die Einwilligung muss freiwillig und aktiv erfolgen.
- Die Einwilligung kann in den AGBs sein. Diese müssen bei der Aktion (z.B. Gewinnspiel) ausdrücklich hervorgehoben werden.
- Die Kopplung von Gewinnspiel und Newsletter ist nicht erlaubt. Die Zustimmung für die Zusendung des Newsletters ist auch hier aktiv erforderlich.
- Gewinnerdaten dürfen nur nach vorheriger Einwilligung veröffentlicht werden.
–> Generell gilt: Die Tickbox darf nicht vorausgewählt sein – das Häkchen muss aktiv gesetzt werden!
Wer sich ausführlich informieren will, hört sich diesen dreiteiligen Podcast zum Thema ‘Gewinnspiele und Datenschutz’ an. Der Podcast nimmt die folgenden Bereiche unter die Lupe: “Verwendung der Daten zu Vertragszwecken”, “Datenschutzrechtliche Einwilligung” und “Kopplung von Gewinnspiel und Newsletter”.
Spot on!
Die Folgen des Nichteinhaltens der gesetzlichen Richtlinien können von einer Unterlassungsklage bis hin zu einem hohen Bußgeld für das Unternehmen führen.
Social Commerce – die Gemeinschaft macht den Preis…
29.05.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Prosumer
Ach, war es nicht eine herrliche Zeit vor dem Internethype… Die Unternehmen kannten ihre Kunden per Handschlag und hatten nur EIN Gesicht vor Augen. Heute haben sie keins oder gleich eine ganze Social Community vor sich. Die Anzahl der Zugänge zu Kunden ist mit dem Internet mannigfaltig und kompliziert geworden – und es wird noch schlimmer.
Um die Jahrtausendwende machte das Portal letsbuyit.com Furore, was den Kunden eher mit einer mehrköpfigen Hydra gleichsetzte und als Einkaufsgemeinschaft für ein Produkt noch mehr Macht gab. Inzwischen gibt es Seiten wie gimahhot.de, die den Kunden den Preis nach dem Prinzip der Börse bestimmen lassen. Oder auch azubo.de, die dem Unternehmen den Kunden nach dem „umgekehrten eBay Modell“ liefern. eBay liefert auch die Vorlage für das neuzeitlichste Einkaufsverhalten der Kunden – in Form des Bewertungssystems.
Wie der heutige Kunde aussieht? Wer weiß das schon. Der Kunde wird zum gesichtlosen Powershopper und verschanzt sich verstärkt in der Welt des Social Commerce. Er dealt als Gemeinschaft, chattet, bloggt, recherchiert und irgendwann… kauft er dann auch mal.
Die Kaufempfehlung des persönlichen Kontaktnetzwerkes macht es dabei für Unternehmen immer schwieriger den treuen Kunden zu greifen und zu halten. Nicht der Handschlag und die Beziehung zum Kunden sind ausschlaggebend, sondern wer am besten mit seinem Internetbusiness verlinkt ist – wobei Google eine erhebliche Rolle spielt.
Eine Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts verdeutlicht, dass der Kunde die Unternehmen erst am Schluss der Entscheidungsfindung nach Informationen aufsucht. Der Einfluss der Unternehmen dem Kunden mit kommunikativen Mitteln (Werbung, Flyer, Publikationen) beizukommen, nimmt verstärkt ab und die Wichtigkeit einer vernetzten Welt für die Umsätze zu. Fachmänner/-frauen, Experten und sog. Neutrale werden zu den Wortführern und Meinungsmachern bei der Kaufentscheidung.
Aufgrund der verbesserten Gesamtsituation der Menschheit wird zudem nicht das Verfügbare gekauft und gesucht, sondern eher ein Produkt bei genau dem Shop, bei dem die Gruppe als Einheit handeln kann. Der Preis hingegen ist nicht immer ausschlaggebend, wie im Zeitalter der „Geiz ist Geil“ Mentalität.
Fazit:
Die Strategie aller klassischen Unternehmen ist überholt und bringt das Business mit der Komplexität des Internets ins Wanken. Nur eins, ist gleich geblieben: Vertrauen in ein Unternehmen ist die Basis jeden Handel(n)s.
Heutzutage vergessen viele Unternehmen, dass man dieses Vertrauen erst behutsam aufbauen muss und eben nicht den registrierten Käufer oder Internetuser mit ,Emails und Newslettern bombardieren’ soll – so kreiert man sicher schneller ein Social Commerce um sein Businessmodell.
PS: Oder möchte man in einem Geschäft mit Werbung, Flyern oder Gewinnspielen beworfen werden?


