Corporate TV – Audio-Visualisierung von Unternehmenskommunikation
02.04.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web Marketing
Immer mehr Unternehmen befassen sich mit dem Thema Corporate TV und stellen eine eigene unternehmensweite Corporate TV Strategie zur Stärkung der Marke auf. Und es sind nicht nur die Großunternehmen wie BMW, Mercedes-Benz, Audi, Deutsche Bahn, Douglas, oder auch die Deutsche Telekom -siehe hierzu auch Exklusiv-Interview mit Projektleiter Rober Wagner zu 3min Portal, die Varianten von Corporate TV einsetzen. Die Corporate TV Association e.V. (CTVA) weiß auch von zahlreichen mittelständischen Ansätzen.
Sowohl für die interne wie die externe Kommunikation bietet Corporate-TV eine wertvolle Ergänzung zur geschriebenen Unternehmenskommunikation – egal ob Clips auf der eigenen Webseite integriert oder beim YouTube und Co. in einer Channelstruktur hochgeladen werden und sich dort ihren relevanten Zielgruppen präsentieren.
Externe und interne Kommunkationsformate
Eine TV-Botschaft bietet zahlreiche Optionen sich nicht nur im Marketingsinne in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Sei es im Extranet beim strategischen Partner oder Zulieferer, dem die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit der Unternehmen visualisiert und vergegenwärtigt werden soll. Oder aber die Einführung einer neuen Produktlinie und damit verbundene technische Notwendigkeiten in einem Trainings- oder Fortbildungsfilm vorgeführt werden. Oder als Werbungsvideo für die Generierung neuer Partner und Distributoren. Es gibt zahlreiche Optionen, die hier nur angerissen sein sollen.
Selbiges gilt natürlich auch für den internen Gebrauch von Web-TV im Intranet. Der Geschäftsführer oder CEO kann seine Worte jederzeit an verschiedenen Mitarbeitergruppen richten – jederzeit, und er muß nicht erst auf die nächste Personalversammlung oder das nächste Meeting warten. Die Personalabteilung Management-Schulungen für die Mitarbeiter per Webcast anbieten und die IT-Abteilung eine Fortbildung von Software-Applikationen für die Mitarbeiter streamen. Und auch die Marketingabteilung kann über die letzten TV-Kampagnen informieren, Making-Of’s zeigen oder über Viralkampagnen sich neue Videoideen der Kunden zukommen lassen. Corporate TV erzeugt Identifikation mit Firmenwerten und visualisiert Meinungen, Darstellungsformen und Philosophie der Unternehmen.
Warum ist Corporate TV eine Herausforderung?
Die Ansprache der Zielgruppe verändert sich bei jeder Produktion. Es ist ein Unterschied, ob ich dem Automechaniker eine Anleitung für den Einbau eines neuen Vergasermodels präsentiere oder beim Managementteam die Begeisterung für ein neues Produkt wecken will. Zudem hängt eine gute Firmenvideo Botschaft von dem Zusammenspiel zahlreichen Faktoren ab.
Die Anordnung der Inhalte, das Skript, der Schnitt und der ‘story-flow’ müssen stimmig sein, visuelle Effekte (Fotos, Charts oder Footage) müssen die Zielgruppe durch passende Illustrationen und Animationen ansprechen. Der emotionale Impact wird durch Musik und Soundelemente verstärkt.
Das Wichtigste aber kommt am Ende: das Closing. Durch die Interaktivität von Corporate Web-TV sollte am ende immer eine Aufforderung zum Aktionismus (Call-To-Action) stehen – ‘Sagen Sie uns…’, ‘Machen Sie mit…’, Schicken Sie uns…’, etc. Hier basiert die Grundlage für den Aufbau von Social Media Profilen für Community-Building Prozesse (YouTube oder Facebook), der Steigerung des Markenbewusstseins und des Aufbaus der Markentreue.
Eine ausführliche Analyse der strategischen Aspekte von Corporate Web-Video erläutert Matthias Kunert in seiner Dissertation zu ‘Corporate Web-Video – Chancen, Risiken und gesellschaftlicher Sinn’. Auch wenn Kunert hier die Definition ‘Corporate Web-Video’ statt ‘Corporate TV’ wählt, so gleichen sich die unternehmens-strategischen Grundvoraussetzungen für die zukünftige Bedeutung für den externen Marktwettbewerb und unternehmensinterne Arbeitsprozesse und -werte doch stark.
Spot On!
Corporate Web TV wird inzwischen aus demografischen Aspekten immer interessanter. Eine Studie der Ipsos MediaCT zeigt, daß die Generation der 15 bis 24-jährigen Jugendlichen in Teilbereichen das Web dem TV-Kanal schon vorzieht. Gerade hier bietet sich ein hoher Informationskanal für modernes Recruiting junger und motivierter Mitarbeiter, eine Innovations- und Image-Branding Option bei der Next Internet Generation und die Erweiterung der emotionalen Kundenansprache zur Imagepflege und für späteres ‘Customer-Profiling’ durch das Salesteam. Corporate TV bietet ein Potential, welches Unternehmen baldmöglichst nutzen sollten angesichts einer wachsenden Austauschbarkeit von Marken. Corporate TV ist ein wenig wie Social Media – wenig Standards bei zahlreichen Spielvarianten (aber halten Sie sich fern von den 7 Todsünden)…
Der Artikel kam aufgrund meiner Teilnahme an der Panel-Diskussion ‘Corporate TV: Der unternehmenseigene TV-Sender im Netz’ auf dem Webcontent Forum in Köln zustande.
Experten: Web 2.0 im Unternehmen verstärkt im Kommen
17.03.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web 2.0, Web Strategy
Cubic Consulting veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Expertenbefragung ‘Web 2.0 im Unternehmenseinsatz‘. Die Ergebnisse verdeutlichen, daß Web 2.0 im Unternehmen klar im kommen ist.
Das Fazit der Studie besagt, daß bei der Einführung von Web 2.0 in Unternehmen folgende Faktoren bei der Implementierung erfolgversprechend sind.
- Verankerung in Unternehmensprozesse (70%)
- Klare Strategie und Zielvorgabe (66%)
- Integration mit anderen Kanälen/ Tools (61%)
- Kontinuierlicher Verbesserungsprozess nach Einführung (55%)
Dirk Ploss, Geschäftsführer von Cubic Consulting, weiß über die Hintergründe bei den webbasierten Veränderungsprozessen in Unternehmen bescheid.
“Die Möglichkeiten des Web 2.0 werden bei vielen Unternehmen noch nicht erkannt und ausreichend genutzt – Angst und Unwissenheit sind hier die stärksten Hinderungsgründe – wie auch von den befragten Experten eingeschätzt wird. Unternehmen werden zukünftig Web 2.0-Anwendungen stärker einsetzen – intern wie extern. Unternehmen werden kaum die Möglichkeit haben, sich diesem Trend zu entziehen.”
Unterstützt wird seine Annahme von Forrester Research. Nach deren Angaben werden Unternehmen die globalen Ausgaben für Web 2.0-Technologien in den nächsten Jahren bis 2013 sehr stark erhöhen.
Das veränderte Kundenverhalten macht dabei die Investitionen in Web 2.0 unbedingt erforderlich, meint Ploss:
“Unternehmen müssen erkennen, dass sie nicht mehr allein bestimmen, wie sie mit ihrer Zielgruppe kommunizieren und auch nicht mehr, was über sie geschrieben wird. Die Technologien machen es möglich, dass Unternehmen zukünftig folgendermaßen kommunizieren: 1=nx”
Als Fallbeispiele fallen Dirk Ploss aus eigenener Erfahrung folgende Beispiele ein…
Otto – Fashion Blog: Two for fashion (Mode Blog sponsered by Otto): Zwei Moderedakteurinnen schreiben aus Berlin/Hamburg und New York über Mode und Trends.
Synaxon – Einsatz von Blog und Wiki: „Der Chef ist nicht automatisch der Schlaueste. Aus dieser Erkenntnis hat Frank Roebers, Vorstandssprecher der Synaxon AG, eine radikale Konsequenz gezogen: In seinem Unternehmen darf jeder jederzeit jede Regel ändern.“ Brand Eins
Tchibo – Community Building: Ideenaustausch zwischen Designern, Erfindern und Entwicklern mit Kunden und Konsumenten.
Spot On!
Unternehmen, die den Einsatz von Web 2.0 evaluieren, sollten sich auf jeden Fall mal die Tipps des Experten für Enterprise 2.0 anhören: Dion Hinchcliffe hat seine Meinung abgegeben, wie europäische Unternehmen auf das Thema Enterprise 2.0 zugehen sollten. Eins muss dabei allen Unternehmen klar sein: Die weltweite Wirtschaft befindet sich in einer Transitions- und Umbruchsphase, was neue Strategien im modernen Web betrifft. Ein absolutes ‘Richtig oder Falsch’ für die eigene Unternehmensstrategie zu finden, ist dabei schwer. Mit professioneller Hilfe können Unternehmen aber auch Fehler vermeiden.
Studie: Marken für Konsumenten austauschbar – Trend steigend
25.02.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Featured Stories, Web Strategy
Eine repräsentative, aktuelle Studie der BBDO Consulting beweist, daß die Konsumenten die Marken nicht mehr auseinanderhalten können. Speziell in den Bereichen Benzin, Molkereiprodukte und Vollwaschmittel werden Brands austauschbar. Mit diesem Ergebnis wartet die „Brand-Parity-Studie“ auf, für die die Strategieberatung BBDO Consulting 1000 Konsumenten interviewte.
Die geringste Austauschbarkeit weisen Automobile, Bekleidung und Parfüm. Dennoch sei auch hier der Trend steigend. So betrage die durchschnittliche Markengleichheit 64%, was einer Steigerung von 2 Prozentpunkten seit der letzten Studie 2004 entspreche. Die Marken werden demnach in den Augen von zwei Drittel der Konsumenten nicht voneinander trennbar.
„Den Problemen liegen oftmals gravierende Managementfehler zugrunde (…) Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und verringerter Zahlungsbereitschaft gilt es aber, mit einem differenzierenden Markenversprechen, das konsequent und einheitlich umgesetzt wird, eine nachhaltige Markenpräferenz zu schaffen“, sagt Björn Sander, Managing Partner bei BBDO Consulting.
Die höchste wahrgenommene Markengleichheit der 29 untersuchten Branchen und Produktkategorien liegt mit 67,5% bei den Verbrauchsmarken: Benzin 84%, Vollwaschmitteln 81% und Molkereiprodukten 76%. Bei Dienstleistern ist die Austauschbarkeit bei 62,5% und bei Gebrauchsgütern bei 55,3%. Auch in den Pharma und Personal Computer Branchen zeichnet sich ein steigender Trend der Markengleichheit ab. Bier, Online-Anbieter und Telefongesellschaften hingegen weisen einen gegensätzlichen Trend auf.
Das Fazit der Studie
• Gerade in Krisenzeiten spielen starke Marken eine große Rolle und haben eine hohe Orientierungsfunktion für Verbraucher.
• Es besteht ein Mangel an eigenständigen, differenzierenden Markenkonzepten zur nachhaltigen Generierung von Markenwert.
• Statt auf ein klares Leistungsversprechen wird häufig auf stereotype Klischees und Rabattschlachten gesetzt und Markenwerte somit nachhaltig vernichtet.
Spot On!
Die repräsentative Studie der Strategieberatung BBDO unterstreicht, daß Unternehmen in ihrer Webstrategie das Potential der Markenbildung in vielen Industriezweigen nicht ausschöpfen. Social Media könnte hier zukünftig gute Ansätze zur verstärkten Markenbildung bieten, denn wer sich als Firma im innovativen Part des Web 2.0 engagiert, differenziert seine Markenführung von den stereotypen Klischees und dem marktüblichen Preiskampf. Der aggressive Werbeauftritt von Retailer wie z.B. Saturn und Media Markt verwässert die Markenbotschaft und führt so schnell in Markengleichheit. Wenn jede Woche Sonderangebote und Rabatte über die Werbekanäle ‘flimmern’, hat der Konsument es schwer zu unterscheiden, wer nun gerade hinter der Werbung als Marke steht. Interessant wäre zukünftig zu analysieren, ob das Mitbewerbsverbot hierbei sich eher negativ auf die Markenbildung auswirkt (z.B. Kopieren von Kreativkonzepten) und hierbei einen Auslöser für die steigende Markengleichheit darstellt.
PS: Passend hierzu ein Beitrag über die Wichtigkeit von Labels und Web 2.0 hinsichtlich der Musikbranche von Tonspion.
Marken, …lasst Taten folgen!
16.02.2009 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web Marketing
Die Anforderung sowie das Selbstverständnis von Marken verändert sich. Die Gründe dafür sind im Web schnell auszumachen: Social Media, Search, Online Videos, etc. verändern die Grundfeste der Einbahnstraßen-Kommunikation ‘Marke zum Kunden‘.
Unternehmen und ihre Marken müssen lernen, an der Kommunikation im Web teilzuhaben und nicht weiterhin, dieselben alten ,Nachrichtenschleudern’ zu verwenden, mit der bisher ihre Marken mittels ihrer Unternehmenskommunikation nach Begeisterung heischten. Malia Supe und Garrick Schmitt haben sich des Themas im Beitrag ‘Brands do‘ angenommen und machen an Fallbeispielen von Camper, Nike, Starbucks und Zappos.com deutlich, daß nicht mehr nur Worte zählen, sondern Taten folgen müssen.
Fünf Grundregeln: Weg von Worten hin zu Aktionismus
1. Definieren. Festlegen, wofür die Marke stehen soll. Was sind die elementaren ‘Glaubenswerte’, die verantwortlich zeichnen, wie die Marke mit der Welt interagiert? Bevor man das und den Kern der Marken DNA nicht versteht, ist es nahezu unmöglich, sinnvoll vorzugehen.
2. Identifizieren. Beginnen, die Verhaltensweisen oder Aktionen zu identifizieren, die mit diesen ‘Glaubenswerten’ einhergehen. Was ist absolut authentisch an der Marke? Zum Beispiel, wenn Ihre Firma Software verkauft, will man dann wirklich eine Weinbar eröffnen?
3. Prüfen. Prüfen aller ihrer Marketinganstrengungen, online wie offline. Gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, wie man selbst will, dass sich die Marke verhält und wie sie sich wirklich verhält? Man kann beispielsweise nicht eine Marke um Kundenservice bauen, wenn die Kunden den Support nicht erreichen können. Oder drückt die Anzeige im “O” Magazin wirklich die Qualität der Marke aus?
4. Zuhören. Dies ist wahrlich der Schlüssel. Gute Marken werden darauf aufgebaut, was Menschen darüber sagen. Verlass das Bewährte und fang an, mit Kunden zu sprechen. Monitor auf jeden Fall ihre Aktionen innerhalb der sozialen Sphären auf ‘empfangenden’ Seiten wie Twitter, Facebook und andere. Dann reagiere.
5. Mach die Marke greifbar. Der letzte Schritt ist, der Marke einen greifbaren Ausdruck zu verleihen. Was soll die Marke tun? Wo soll sie hin? Was soll sie sagen, was sind die Produkte und Dienstleistungen, die eine Marke mit diesem Bekenntnis System kreieren würde? Vor 5 bis 10 Jahren hätte dies ausdrücklich ein Produkt adressiert, aber heute bietet die digitale Erfahrung einen wahren Mehrwert für Konsumenten. Für das Finanzwesen bedeutet dies, einen außergewöhnlichen Service anzubieten. Für eine Konsumer-Marke kann das heißen, eine spezifische Community zu erstellen, die zur Interaktion anregt.
Spot On!
Klingt ein wenig nach Cluetrain Manifest? Oder eher nach Social Media Evangelismus? Egal. Das Entscheidende ist, daß die Marken sich trauen. Oder…
Markenentscheider müssen nicht mehr allein gegen den internen Entscheiderstrom schwimmen, sondern sich vom externen Konsumentenstrom treiben, inspirieren, weiterbilden und mit Argumenten helfen lassen. Dann ändert auch der interne Strom seine Bedenkensrichtung ganz schnell.
News Update – Best of the Day
12.12.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Daily Top 3
- Die Telekom hat große Pläne im Internet nach Angaben von Ralf Bauer, Senior Vice President Portal der Deutschen Telekom. Gemäß des Sponsorings der Fussball-Bundesliga will man auch im Internet stärker am Ball bleiben. fussball.de soll die führende ‘Kicker’-Seite in Deutschland werden. Die Vergleichswerte: kicker.de 170 Mio. Page Impressions (laut IVW-Online) – fussball.de 114 Mio. Page Impressions (laut Vermarkter Interactive Media). Das nennt man ein Challenge! Kachelmann soll es übrigens mit seinem Meteomedia AG als Wetterdienst bringen und ein noch nicht benanntes Frauen Web-Magazin wird gelauncht.
- Sind Social Networks auch zukünftig reine Kommunikationstools zu sehen? Werbefreie Zonen wie die Inbox? Laut einer IDC Studie ist dies vorerst zu befürchten. In den USA nutzen 75% der User mindestens einmal in der Woche und 57% täglich Social Networks. Dort verweilen dann 61% pro Session rund 30 Minuten. Eine lange Zeit…, in der aber nur 57% auf die Werbeelemente klicken – im Vergleich zu 79% aller Internet Konsumenten. Sieht so aus, als ob Social Networks sich langsam neue Monetarisierungsideen überlegen müssen, wie Sie Geld machen wollen. Ideen gibt es hier (für Facebook und Myspace) und hier (Twitter) ja schon. Sonst muß man weiterhin live zusehen, wie Mitarbeiter bei Twitter entlassen werden…
- Wikis in Unternehmen bündeln und fassen Firmenwissen an zentraler Stelle allen dafür vorgesehenen Mitarbeitern zugänglich zusammen. Sie vereinfachen die Arbeitsprozesse, die auf Projektmanagement und Collaboration basieren – intern wie extern. Alexandra Graßler wurde zum Thema Wikis in Unternehmen informiert und verweist auf einen interessanten Artikel.
Social Media – die Trends 2009
10.12.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Webkommunikation
Beim Social Web Breakfast mit dem Thema ‘Christmas 2.0′ standen die Social Media Trends 2009 auf dem Programm. Unter den Rednern waren Dr. Benedikt Köhler, Alexander Wunschel, Michael Prätorius und meine Wenigkeit, die ihre Meinung zur Zukunft von Social Media kundtun durften.
Michael Wunschel bezog sich vorab auf einen Witz aus einem Gespräch zwischen uns beiden, indem er die Old Economy mal als ‘die alten Kalten’ verstand (was nie so gemeint war!) und führte dann fort mit…
“… einer Anekdote von einem Referenten des Monaco Media Forum – der Name wurde nicht genannt, aber diese Person – wohl selbst als Investor in Silicon Valley im Thema Reputation Management unterwegs – hatte Probleme mit der “offenherzigen” Präsentation seiner Tochter auf Facebook, die er bei einem Strandspaziergang diesbezüglich zur Seite nahm um sie über die Gefahren ihres Verhaltens aufzuklären. Diese antwortete ihm aber wohl nur verständnlislos: “Papa, Du kapierst es nicht .. in einem Unternehmen wie Deinem würde ich mich auch gar nicht anstellen wollen” – sprich die Generation Y sieht sich in einem ganz anderen sozialen Umfeld, in dem die authentische und offene Selbstdarstellung im Netz Gegenstand des Richtigen ist und das “Online-Kaschieren” bzw. “Aufpeppen” des Profils falsch ist. Den richtigen Kommunikationsweg in diesem neuen sozialen Umfeld zu finden – sprich in Form eines authentischen Dialogs – ist für Unternehmen und Medien die Herausforderung der nächsten Jahre. Hier bedarf es neue Medienkompetenzen, die einen deutlichen Wandel für das Marketing und die Agenturlandschaft bringen. Dabei vertritt er ganz klar die Meinung, dass die grundlegenden Einstellungsänderungen auf Seiten der Konsumenten auch in Zukunft überwiegend über Massenmedien angestoßen werden – die Absicherung, ob die Änderung auch zur eigenen Person passt, erfolgt aber über das Social Web im Austausch mit dem eigenen Netzwerk. Im Hinblick auf den Wandel und die zu erlernende Medienkompetenz sieht @podpimp noch gewaltige Herausforderungen auf das Bildungssystem zukommen, deren Berücksichtigung er in diesem Sektor leider noch nicht erkennt.”
Dr. Benedikt Köhler nahm Twitter ins Trend-Visier 2009. Er…
“… sieht dass 2009 die Kommunikation und Interaktion mit anderen noch einfach wird/werden muss. Als Branchenprimus gilt für ihn der Dienst Twitter, der einen einfach, schnellen und direkten Austausch mit anderen Personen im Netz erlaubt. Das sei das “Kernelement”, um das es im Social Web ginge. Andere Applikationen seien noch viel zu komplex. Auf die Frage ob Twitter in 2009 Mainstream werden können, meinte er, dass die Aufmerksamkeit für den Dienst ja bereits die klassischen Tageszeitungen erreicht hätte und damit durchaus zur Massen-Anwendung werden könnte. Dr. Köhler meint aber auch, dass Twitter nicht das Blog verdrängt, sondern komplementiert – denn es sei eine andere Form der Kommunikation.”
Die Gesamtübersicht der Aussagen hat der Veranstalter hier komprimiert zusammengefasst.
Auswirkungen von Social Media und Micro-Blogging auf Unternehmen
28.11.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Prosumer, Social Media
Wenn man sich mit Social Media und Microblogging beschäftigt, will man natürlich auch irgendwann mal die Mehrwerte für Unternehmen beleuchten. Dies lässt sich am besten daran festmachen, welche Auswirkungen Social Media auf Unternehmen und den Kunde (auch Prosumer) hat.
Die Entwicklung
Ging es früher für Unternehmen von einem blanken ‘Dasein’ im Web zu einer interaktiven kontakt-ermöglichenden Internet- und/oder E-Shoppingpräsenz, so wollen neuzeitliche Webaktivitäten den direkten Kontakt zu den (potentiellen) Kunden initiieren. Die Kunden sollen möglichst in die Social Media Aktivitäten wie Brand Communities, Micro-Blogging (wie Twitter, Friendfeed, etc.), Blogs, Social- und Business Networks (Facebook, XING oder LinkedIn) etc. eingebunden und nie mehr losgelassen werden.
Ärgerlicherweise gestalten sich diese Bemühungen aber immer schwieriger, denn der Aufwand des Mitbewerbs ist oft ebenso hoch und neue ‘konvergente’ Anbieter aus teilweise komplett anderen Branchen ringen zweifelsfrei genauso um die Gunst des Konsumenten. Und auch wenn der Konsument sich schon zum Prosumer entwickelt, hat auch dieser nur 24 Stunden am Tag, in der Regel einen Job, einen Freundeskreis, Hobbies und der Schlafmangel der Internetuser nimmt zu.
Die Strategie für Unternehmen dem Social Media und Micro-Blogging Trend zu folgen, muss also stimmig sein, damit der Prosumer nicht nur einen Nutzen sondern auch einen klaren Mehrwert hat, sowie idealerweise auch seine Interessen gebündelt wiederfindet. Es besteht allerdings auch die Gefahr sich in Social Media Aktivitäten zu verzetteln oder die Vorteile für das Unternehmen, dem Nutzen der Kunden oder den unternehmeerischen Zielen (Umsatz, Umsatz, Umsatz) nicht anzupassen. So kann sich ein Unternehmen mit vielen Blogs zwar toll im Web 2.0-Format darstellen, allerdings heißt das noch nicht, dass das Unternehmen einer erfolgreichen Zukunft entgegengeht (sie Beispiel General Motors).
Warum also sollten Unternehmen in Social Media investieren?
Finanzkrise, ‘schwächelnde’ Budgets, Ressourcenknappheit und chronische Überlastung der (meistens) Marketing-Verantwortlichen scheinen keinen Platz mehr zu lassen für Überlegungen hinsichtlich einer angestrebten Social Media Denke in den Unternehmen. Aus diesem Grund werden solche Aktivitäten fälschlicherweise erstmal als Projekt bei CMOs hinten angestellt und dem Daily Business Vorfahrt gewährt.
Social Media ist heutzutage nicht nur ein unterschätztes Potential für die Vertriebsmannschaft, sondern auch ein Rückschritt in der Unternehmenskommunikation und Webstrategie eines Unternehmens. Denn der Schlüssel einer erfolgreiche Unternehmenskommunikation basiert auf einem ausgewogenen Webmarketing.
Wie wirkt sich der Einsatz von Social Media auf Unternehmen aus?
Insgesamt fallen sechs Auswirkungen auf, die auf Unternehmen einen wertschöpfenden und effizienzsteigernden Input haben können – aber auch Gefahren bergen.
Der Multiplikator-Effekt
Social Media eröffnet Zugänge zu Interessenten, Kunden und Partnern und vervielfältigt die Informationsaufnahme und -vergabe sowie die Unternehmenskommunikation und das Brand.
Der Globalisierungs-Effekt
Die geografischen, mentalen und psychologischen Entfernungen zu Kunden werden aufgebrochen und ermöglichen eine glaubwürdige Kontaktaufnahme zur Zielgruppe.
Der Networking-Effekt
Die Vernetzung zwischen dem Unternehmen, Kunden, Interessenten und Partnern nimmt zu und eröffnet neue Märkte – siehe Cluetrain Manifest: Märkte sind Gespräche!
Der Qualitätsoptimierungs-/-sicherungs-Effekt
Die Qualität der Produkte und Services wird nicht aus interner Sicht verbessert, sondern aus Sicht des Marktes und der Abnehmer. Dies verhindert eine Produkt- und Entwicklungsstrategie, die sich am Markt ‘vorbeiläuft’.
Der Sales Funnel-Effekt
Menschen kaufen von Menschen: Die Vernetzung der Menschen untereinander erschließt dem Vertrieb (u.a. durch Mundpropaganda) ein nahezu unendliches Kunden-Potential.
Der ‘Vermenschlichungs’-Effekt
Unternehmen wirken auf Kunden über Jahrzehnte wie undurchdringliche Konstrukte, die nach vorgegebenen Strukturen funktionieren und denen mit menschlichen Gebärden nicht beigekommen werden kann. Dies ändert sich seit dem Social Media Trend: Kunden realisieren Menschen hinter dem ‘Werkeln’ und Aktionismus der Unternehmen.
Kann das Unternehmen die Social Media Effekte handeln?
Die vermutlich schwierigste Frage bei der Herangehensweise an eine Social Media Strategie, die je nach Auswirkung zu betrachten ist…
Der Multiplikator-Effekt
Grundsätzliche Frage ist natürlich, ob alle Ansprechpartner des Business auch wirklich das Web als Informationskanal nutzen – und auf welchem Aktivitätsstatus im Web sie sich bewegen. Es gibt zahlreiche Branchen, in denen das Web noch nicht die Kommunikations- und Kaufentscheidungs-Plattform No. 1 ist. Hier ergeben sich einmalige Chancen als Vorreiter diesen Weg zu beschreiten und als First-Mover den Informationsvorsprung auszubauen. Allerdings muss man hier auch in die Ressourcen (Zeit, Geld und externe/interne Arbeitskraft) investieren – egal ob Krisenzeiten oder nicht.
Der Globalisierungs-Effekt
Sind die Prozesse in den Ländern deckungsgleich, oder sprechen dezentrale Strukturen und Lokalisierungsproblematiken gegen ein globales Programm? Mentale oder psychologische Unterschiede zwischen Regionen müssen beachtet und gegebenenfalls angepasst werden. Auch wenn aus Kosten- oder Ressourcengründen eine zentrale Strategie angestrebt wird, können Unterschiede aufgrund menschlicher Faktoren in unterschiedlichen Ländern das genau Gegenteil von Erfolg erzielen. Beispiel: Wenn eine Firma eine weltweite Corporate Community eines Brands startet, aber dann nur Tipps anbietet, die in einem Land angewendet werden können, ist der Prosumer das letzte Mal virtuell vor Ort gewesen.
Der Networking-Effekt
Vernetzung ist Kommunikation und zieht Feedback nach sich: mal positiv, mal negativ. Will das Unternehmen überhaupt, dass sich die Kunden, User oder Partner vernetzen: Einkaufspolitik oder Preisverhandlungen können dagegen sprechen. Bietet meine Kommunikationskultur die Möglichkeit dieser Vernetzung nicht hilflos ausgeliefert zu sein? Hat das Unternehmen verantwortliche Ressourcen definiert, die sich mit dem Feedback beschäftigen? Frage über Fragen… Networking eröffnet viel, erfordert aber auch viel Kommunikation und damit Ressourcen.
Der Qualitätsoptimierungs-/-sicherungs-Effekt
Je mehr Feedback der Prosumer an das Unternehmen ‘liefert’, umso mehr Begehrlichkeiten werden geweckt und umso schneller muss sich das Unternehmen auch drehen und den Standards der Kunden (z.B. bei Themen wie Produktqualität und Lieferung) entsprechen. Werden nur Informationen abgesaugt und es folgt keine Veränderung, Optimierung oder Ideenannahme, wird der Prosumer sehr schnell dem Unternehmen und allen Social Media Aktivitäten den Rücken kehren.
Der Sales Funnel-Effekt
Im Sales-Funnel ist Reaktionsvermögen ein zentrales Element. Social Media Tools machen diesen Prozess noch schneller. Ein Klassiker der Unternehmen ist, dass Aktivitäten vom Marketing angestoßen und umgesetzt werden, die Vertriebsmannschaft generell mit Social Media unbedarft umgeht oder hinsichtlich dieser Aktion vorher aber nicht ins Boot geholt bzw. wenigstens über die Aktion gebrieft wurde. Werden Social Media Aktivitäten gestartet, muss Sales vorher informiert werden. Nichts ist schlimmer als wenn ein Vertriebsmitarbeiter über einen Micro-Blogging Tool ‘angepingt’ wird, aber dann die Aktion nicht kennt oder nicht versteht, auf die sich der ‘Pingende’ bezieht. Denn: Macht der Sales einen unqualifizierten Eindruck, färbt das am meisten auf die Professionalität des Business ab. Andersherum: Wer mit seinem Business über Twitter 1.000.000 US Dollar machen will, muss etwas dafür tun. So wie Dell es eben gemacht hat – s. aktueller Vodcast von Jeremiah Owyang mit Dells VP Bob Pearson.
Der ‘Vermenschlichungs’-Effekt
Mit der Social Media Bewegung müssen Unternehmen mehr Personen im Unternehmen Verantwortung übertragen und diese ‘mit der losen Leine’ führen. Natürlich birgt das auch Gefahren, wie man am Beispiel Virgin Atlantic und Johnson&Johnson sehen kann. Dennoch spiegelt der Vermenschlichungs-Effekt die Glaubwürdigkeit des Unternehmens vor dem Kunden. Wer versucht seine Social Media Aktivitäten künstlich mit Fake Avatars zu ‘boosten’, wird übrigens Schiffbruch erleiden. Das ist erst kürzlich Google mit ihrem GoogleGuy passiert, worauf u.a. in diesem Zusammenhang Bruce Clay hinweist.
Spot On!
Social Media und Micro-Blogging bieten zahlreiche effizienzsteigernde (aber auch zu beachtende negative) Effekte für Unternehmen. Seine Social Media Strategie sollte man vorweg ausgiebig durchdenken. Die nachfolgende ’4-Schritte’ Theorie soll Sie ihren Social Media Aktivitäten einen Schritt näher bringen…
1. Evaluieren Sie, auf welchem Stand hinsichtlich Social Media ihre Kunden und der Markt ist.
2. Konzentrieren Sie sich erstmal auf ein Social Media und ein Micro-Blogging Projekt.
3. Eliminieren Sie alle Features, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit ihren Produkten, Kunden und Märkten stehen – das heißt nicht, dass man nicht kreativ sein darf (siehe Beispiel Segway).
4. Integrieren Sie Social Media Aktivitäten in alle Bereiche und Abteilungen Ihres Unternehmens – nur, wenn sich alle Abteilungen hierzu ‘committen’, versprechen die Massnahmen Erfolg!
Viel Erfolg bei der Umsetzung!
Quo vadis, Sales? – Multichannel-Vertrieb im Fokus
21.11.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Prosumer
Der moderne Prosumer fordert und stellt den Vertrieb der Unternehmen auf den Kopf. Früher kaufte der Konsument im Handel oder Versandhandel. Heute müssen Unternehmen attraktive Absatzkanäle wie das Internet und TV Shopping ebenfalls in ihre Vertriebsstrategie mit einbeziehen. Kein einfaches Unterfangen, wie eine aktuelle Studie der A.T. Kearney verdeutlicht, die weltweit die führenden 100 Handelsunternehmen untersucht hat.
Wohl dem der die richtige Visioin mit einer Mehrkanalstrategie vorweisen kann. Was laut der Studie allerdings noch die wenigsten von sich behaupten können. Nur 40% der Unternehmen nutzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwei oder mehr Vertriebskanäle – eine kanalübergreifende Geschäftsstrategie ist dennoch nicht umfassend integriert. Die Präsentation der Studie zeigt an Fallbeispielen, wie unterschiedlich Unternehmen auf die zahlreichen Channel Vertriebsoptionen reagieren…

Dabei sind die Chancen für die Unternehmen gemäß den Studienergebnissen groß: Eine konsequente und integrierte Mehrkanalstrategie kann den Unternehmensumsatz jährlich um bis zu 5% steigern, wobei u.a. das Internet als Absatzkanal eine entscheidende Rolle spielt.
“Mit jährlichen Wachstumsraten von knapp 20 Prozent wird sich der Umsatz in diesem Segment von rund zwölf Milliarden im Jahr 2008 auf 17 Milliarden im Jahr 2010 erhöhen”, so Mirko Warschun, Partner bei A.T. Kearney und verantwortlich für den Handelssektor in Mittel- und Zentraleuropa.
Anzahl der integrierten Vertriebskanäle in den untersuchten Unternehmen…
- 60% nutzen nur einen Vertriebskanal
- 30% nutzen zwei Vertreibskanäle
- 10% nutzen drei oder mehr Vertriebskanäle
Deutschland hinkt hinterher
Im globalen Vergleich werden die Unterschiede deutlich. “Globale Unternehmen sind ihren Wettbewerbern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit bei der Umsetzung einer Mehrkanalstrategie weit voraus”, sagt Jochen Stratmann, Co-Autor der Studie. “Der Anteil der globalen Handelsunternehmen, die mindestens zwei Vertriebskanäle einsetzen, ist mit 76% nahezu doppelt so hoch wie im deutschsprachigen Raum”, so Stratmann weiter. Gemäß eines neu entwickelten Multi-Channel Retailing-Index erreichen Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gerade mal einen Wert von 41% im Vergleich zu durchschnittlich 55% beim globalen Mitbewerb.
Spot On!
Interessant wäre nun die Gründe zu erforschen, die es deutschsprachigen Unternehmen offensichtlich schwer machen, eine Multichannel-Vertriebsstrategie ins Leben zu rufen. Ressourcenmangel, mangelndes Wissen über die Chancen und Risiken oder vielleicht die Angst, einem Vertriebstrend hinterherzulaufen, der sich irgendwann vorwiegend auf das Internet und ausschließlich den Handel fokussiert? Antworten hierzu wären hilfreich…
Die Präsentation der Studie steht hier zum Download bereit.
News Update – Best of the Day
12.11.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Daily Top 3
- Als Weinhändler mit Widgets Käse verkaufen: Die auf Social Commerce Mainzer Internet Agentur Netz 98 hat einige Profitipps zusammengestellt, wie Shopping-Widgets aussehen müssen, damit die Käufer auch anbeißen: 1. Freundeskreis adressieren, 2. Selbstdarstellung bieten, 3. Aus Applikationsmasse hervorstechen, 4. Zielgruppenorientiert denken, 5. Markenbekanntheit und Reichweite steigern. –> eine Mischung aus Web 2.0 und Marketing eben!
- Dass Layer Ads nicht gerade förderlich in der Bannerwerbung sind, predigt das silicon.de Salesteam seit Jahren. Manchmal wurde man erhört, manchmal auch nicht. Jetzt liefert eine Goldmedia Studie die Bestätigung, dass wir immer recht hatten.
- Dass wir uns im Zeitalter der Generation Doof befinden, wissen wir schon und haben auch hier schon kommentiert. Ob nun Web 2.0 daran Schuld ist, oder nicht, muss sich jeder selbst fragen – nachdem man den Artikel von Werner Pluta “Macht Web 2.0 dumm?” gelesen hat.
Zielgruppe Kinder: Wie Internet-Plattformen am Taschengeld und der elterlichen Kreditkarte verdienen…
10.11.2008 von Martin Meyer-Gossner
Kategorie Web 2.0, Web Strategy
Was in der Offlinewelt schon ein Grauß für Eltern, kommt im Web 2.0 Zeitalter auf die Erziehungsberechtigten noch viel ‘dicker’ zu. Normalerweise war das Web vor den mobilen Services – bei der Zielgruppe Kinder ist die Entwicklung nun andersherum. Was uns das Handy leerte, nimmt die Web 2.0 Welt als Vorbild: die Zielgruppe der Kinder auf eine andere Ebene zu heben. Mit zahlreichen geschickten und cleveren Monetarisierungsmodellen finanzieren zahlreiche Unternehmen mit den Centbeträgen der Kinder ihr Business. Ob und inwieweit das nun moralisch einwandfrei ist, muss jeder Elternpart für sich selbst beurteilen.
Ein Blick zurück mit Ausblick…
Im Web 1.0 gab es noch die Diskussion über ausufernde Handykosten der Kinder, die für Klingeltöne oder ‘schräg-pixelige’ Hintergrund-Bildchen ihr Taschengeld verpulverten. Zahlreiche Provider solcher mobiler Services mussten sich von den Eltern damals übelst hinsichtlich ihrer Geschäftsgebahren als unmoralische Anbieter beschimpfen lassen oder mussten vor Gericht erscheinen. Ein jüngstes Gerichtsurteil zeigt, dass die Problematik in der Web 2.0 Ära immer noch aktuell ist.
Die Anbieter der neuzeitlichen Businessmodelle diverser Web 2.0 Kinder-Portale werden sich hinsichtlich ihrer Monetarisierungsmodelle sicherlich ihre Gedanken gemacht haben, bevor sie das Taschengeld der Kinder als ihre ‘Cash Cow’ anvisiert haben. Nun sind klassische Online-Werbung oder Gewinnspielformate auf Kinderplattformen ein inzwischen gängiger Weg, den Kindern lustige und schöne Produkte für das Kinderzimmer oder sonstige Gaumenfreuden ans Herz zu legen. Und beim nächsten Einkauf wird an der Kasse diese ‘Quengelware’ den Eltern dann zum Verdruss, den man aber irgendwie in Kauf nimmt. Diese Form der Angriffs auf das Taschengeld ist irgendwie noch aus der Offlinewelt akzeptiert und ‘moralisch einwandfrei’ im Zeitalter des Kapitalismus.
Gestern wurde nun eine weitere Kinder Internet-Plattform gelauncht. Es wird Zeit, den Markt und die Formate der Monetarisierung von Internet-Portalen für Kinder mal zu beleuchten, die das Taschengeld der ‘Steppkes’ adressiert. Die Welle der teils real-, teils virtuell-basierten Businessmodelle für das ‘Taschengeld ausgeben’, die da auf die Eltern zurollt, wird immer zahlreicher, komplexer und ideenreicher. Einige Modelle wollen wir mal vorstellen, ohne die Moral-Diskussion anzuzetteln – eher um mal zu hören, wie Eltern darauf reagieren.
Verknüpfung von On- und Offlinewelt mit Kuscheltier-Modell
smoodoos.de
Was dem Manager sein XING, ist dem Kinde sein smoodoo. Welches Kind als Premium-User die Plattform nutzen will, der muss sich eines der rund 20 verschiedenen smoodoo-Stofftiere für 25 EUR kaufen – ansonsten sind diverse Services der Community nicht nutzbar. So können z.B. keine ‘Gold-Doos’ erworben oder ‘Animationen’ freigeschaltet werden. Dafür wird garantiert keine Werbung angezeigt, ‘vertextet’ oder verschickt – damit werden die Eltern erstmal beruhigt. Als sichere Community für 6-15 Jährige bietet die Plattform ein eigenes Profil, Clubs und Kommunikationsmöglichkeiten wie private Mails oder ein Chat, so die Infos des Unternehmens. Und Smoodos sagt den Kleinen auch, wann die ins Bett müssen: ab 22 Uhr ist die Community geschlossen.
PS: Mit dem Erwerb eines Smoodoos bekommt man 300 Gold-Doos. Sind die aufgebraucht, muss ein neuer Smoodoo her. Ob die ‘Gold-Doos’ wohl irgendwann für kleine Beträge auch ohne Kuschel-Smoodoo zu erwerben sind? Folgegeschäft macht Businessmodelle erst so richtig interessant. Taschengeld ade…
mysuperpets.de
Mit dem ‘Sicher Surfen zwischen 4-8 Jahren’ präsentiert das Startup My Super Pets gestern ‘den sicheren Zugang zu einer kontrollierten Online-Welt’. Im Handel erhält man eins der sechs niedlich aussehenden Stofftiere zusammen mit einem Kartenleser und einer intelligenten Internet-Karte. So gewährt man den Kindern einen zeitlich eingeschränkten Online-Zugriff auf das Kinderportal, auf dem sie Spiele und Aufgaben erledigen können oder mit Freunden auf der ganzen Welt kommunizieren können. Die “Elternkarte” kann den Zugang einschränken oder erweitern. Für jedes erfolgreich absolvierte Spiel gibt es “Web-Taler”, mit denen die Kinder in der virtuellen Welt einkaufen können. Die Verknüpfung von Online- und Offline-Welt: Kauft das Kind beispielsweise für sein reales Stofftier Kleidung, wird auch das virtuelle Pendant im Internet damit ausgestattet.
PS: Ob die Web-Taler wohl irgendwann auch zu kaufen sein werden? Man wird sehen…
Rein virtuelle Onlinewelt: Browser-Games und Community-Modelle
bigpoint.de
Das größte Game-Portal Deutschlands wirbt damit, sich einmal zu registrieren und dann nach Belieben quer durch die ganze Bigpoint-Welt zu zocken und alle Features nutzen – kostenlos und ohne versteckte Kosten versteht sich. Die Finanzierung läuft über Affiliates, Display-Advertising und Ingame-Advertising. Kosten können dann aber doch auch für die Kinder entstehen, denn auch hier gibt es Premium-Features bei Spielen, die nur gegen Aufzahlung erhältlich sind (hier neue Kickschuhe, dort eine Waffe kosten dann extra). Um das zu wissen, muss man aber die Geschäftsbedingungen lesen. Ob das ein Minderjähriger macht, geschweige denn das ‘Rechts-Deutsch’ versteht, sei dahingestellt. Abgesichert hat man sich hier schonmal für den Rechtsfall: “Soweit der Nutzer minderjährig ist, versichert er mit der Bestellung von Premium-Features ausdrücklich, dass ihm die für deren Bezahlung notwendigen Mittel zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen wurden.” Ob das aber im Rechtsfall als Definition langen wird, bleibt ebenso fragwürdig.
PS: Da ist die Fussball-Community Plattform comunio.de doch eine wunderbare Lösung für Konsument und Anbieter: einmal im Jahr einen kleinen Betrag zahlen und fertig! Ok, das Folgegeschäft für Trikotkauf nach einem Trikottausch fällt da flach. Aber ist das Modell deshalb unattraktiver…?
habbo.com
Die virtuelle Social Community mit Wohncharakter, in der man Freunde finden und treffen kann. Die Registrierung ist kostenlos und dann kann man ‘Hang Out for Teens’ leben. Allerdings muss man schon ein paar Centbeträge -in Form von ‘Habbo-Taler’- locker machen, wenn man seine Peers mit den hippen Möbeln begeistern will in der virtuellen Welt, die einen umgibt. Von einem Betrag ab 1 EUR an gibt es dann Wohn-Interieur und -Accessoires. Zahlbar mit alle denkbaren Zahlungsoptionen – von der Kreditkarte (Kinder und Kreditkarten?) über Handybezahlung per SMS bis hin zur Paysafecard. Da kann man als Eltern schnell mal den Überblick verlieren, womit die geliebten Kleinen Geld ausgeben. Und genauso zügig ist dann auch mal das Taschengeld überzogen oder später eine Kreditforderungen auf dem Tisch.
PS: Alles offen kommuniziert, alles verständlich, alles logisch. Aber eben virtuell und somit ist das Geld schnell ‘relativ’… fast so wie derzeit bei Kreditinstituten manchmal.
toggolino.de
Irgendwie ist diese Super-RTL Internet-Plattform der Klassiker und die Mutter unter den Kinder-Portalen. Auch hier trennt man die Spreu vom Weizen: Wer nicht Mitglied im Toggolino Club ist, kann die guten Features nicht nutzen. Der Toggolino Club bezeichnet sich selbst als ‘edukatives kostenpflichtiges Internetangebot’ für drei- bis siebenjährige Kinder und lebt von der Begeisterung um die Brands wie ‘Bob, der Baumeister’, ‘Thomas und seine Freunde’ und ‘Toggolino’ selbst. Und diesen Premium-Anspruch um tolle Kindermarken lässt man sich mit 69,- EUR für ein Jahresabonnement ordentlich vergüten. Bildung ist eben teuer, könnte man argumentieren. Wer mal schnell einen einzelnen Test machen will, ist seinen ‘Wochen-Euro’ Taschengeld da schnell los.
PS: Die Kosten können nur von Erwachsenen übernommen werden, da die Kreditkarte angegeben werden muss. Liebe Eltern, achtet gut auf die Plastikkarten…!
Spot On!
Eltern müssen sich mehr und mehr davon verabschieden, dass Kinder an der Kasse quengeln, Stofftiere nur zum Kuscheln haben wollen oder sich im Sportclub um die Ecke treffen. Das Web hat sie voll erreicht – und damit auch ihr Taschengeld. Die Quengelei um das liebe Geld fängt inzwischen zuhause vor dem Rechner beim Surfen an. Die Frage stellt sich, wann jemand auf die Idee kommt, eine Internet-Kreditkarte für Kinder zu machen – klar, verifiziert und freigegeben von den Eltern. Falls diese mal nicht zuhause sind, können die Kleinen so ihrem ‘Education-Trieb’ trotzdem nachgehen.
Ja, die modernen Monetarisierungsmodelle von Internet-Plattformen für Kinder haben auch positive Effekte auf die Zukunft und Entwicklung auf unsere Kinder… – nur die Eltern müssen sich noch darauf einlassen. Das ist wohl derzeit die größte Hürde für die Anbieter dieser Internet-Plattformen.
PS: In UK hatten 2007 -laut eMarketer- 4,2 Millionen Kinder zwischen 8 und 15 Jahren Internetzugang zuhause. Zitat der Studie: “To some extent, children’s behavior online mirrors that of adults; young UK Web users frequent search engines, use e-mail and download music. But they are far more likely than many adults to be active in social networks or visit entertainment sites.”


