Vision oder Utopie? – Personal Web Manager

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Zeit ist das wichtigste Gut der modernen Jobwelt 2.0. Wieso, ist uns allen prinzipiell klar – weil Sie uns überall verbucht (Outlook und Instant Messaging), verheizt (zunehmende Mobilität, die einen ebenfalls dank mobilem Internet nicht mehr offline sein lässt) und vor allem ‚vernetzwerkt‘ (Social Media Explosion). Wer heute seinem guten Ruf einen frischen Persönlichkeits-Stempel 2.0 aufdrücken will, der muß schon bei XING in einigen Gruppen präsentieren, bei Facebook ,business-socializen‘ und bei LinkedIn seinen internationalen Verbindungen nachgehen. Ja, es kam sogar kürzlich die Frage auf, ob man bei zu vielen sozialen Netzwerken registriert sein kann.

Der aktive Businessmensch ist ein Identitätswandler 2.0 geworden. Er befindet sich immer im Zwiespalt zwischen dem Befolgen der Business-Prozesse des Unternehmens, auf dem Laufenden bleiben sowie dem Produzieren von zur virtuellen Diskussion beitragenden, qualifizierten ‚Mini-Statements‘ und Thesen, die die persönliche Web-ID aufpolieren. Hinzu kommen immer mehr Herausforderungen, die Unternehmen an den Mitarbeiter aufgrund von Finanzkrise, Kostenreduktion und Personalabbau stellen. Und irgendwann wollen persönliche Ur-Bedingungen (Familienleben) und Bedürfnissen, wie dem Ausleben eigener Hobbies, auch noch befriedigt werden. Die externen Fremdbestimmungen wachsen. Wie man allerdings auf Dauer diese bewältigen soll, ohne sich der Gefahr gesundheitlicher Schäden auszusetzen, bleibt vielen Menschen langsam schleierhaft.

Die Mehrbelastung von Web 2.0 und sozialen Medien tut ihr Nötigstes und will irgendwie gefiltert oder kanalisiert werden. Und wenn die Welt der sozialen Medien selbst schon auf die Idee kommt, Guides zu schreiben, wie man als sehr beschäftigter Businessmensch 2.0 Zeit sparen kann, dann muß eine Lösung her.

Wie kann man dem Phänomen Web 2.0 als erfolgreicher Businessmensch begegnen? Eine Lösung ergab sich vor kurzem nach einer langen Diskussionsnacht in einem Kreis lösungsorientierter Manager. Man erinnerte sich an die eigene Universitätslaufbahn. Da sah man die fleißigen Bienchen der ‚Professoren-Follower‘, auch ‚HiWi‘ genannt, extrem motiviert herumspringen. Die jungen ehrgeizigen Menschen, die letztendlich ein Zwitterleben (nicht Twitterleben!) zwischen Verwalter, Aggregator und Multiplikator innehatten. Da lag die Lösung nahe – es muß ein neuer Berufsstand her! Die Idee des Personal Web Manager und der Personal Web Assistant nahm Gestalt an.

Profil des Personal Web Manager (PWM) und Personal Web Assistant (PWA)
(Im weiteren Beitrag werden wir die Position kurz als Persönlicher Webberater bezeichnen.)

Der Persönliche Webberater erhält je nach Management-Qualifikation seinen Aufgabenbereich und seinen Titel. Vorwiegend geeignet für den Job sind je nach Profil webaffine Top-Manager oder internetbegeisterte Studenten. Der Persönliche Webberater ist in seiner Funktion Coach und/oder HiWi für erfolgreiche, aufstrebende Business Entscheider, die dem Lauf der Menschheit 2.0 folgen, die Reputation im Sinne des Unternehmensmanagements in der virtuell-realen Welt optimieren sowie es selbst zu Ruhm und Ehre bringen wollen.

Verwalter des virtuellen Business
Der Persönliche Webberater organisiert und segmentiert Web-Aktivitäten des Business Entscheiders nach Wichtigkeit der Märkte und internen Umsatzvorgaben sowie nach Themen und Projekten – davon ausgenommen ist die Email-Kommunikation, auf die sich der Business Entscheiders wieder aufgrund des Zeitgewinns durch die Hilfskraft konzentrieren kann. Der Persönliche Webberater kümmert sich um die Registrierung auf zahlreichen Internet-Plattformen (von Communities bis Networks) und führt das auf den Business Entscheider und sein Arbeitsumfeld bezogene Monitoring durch und optimiert das Profil des Vorgesetzten. Zusätzlich bringt er RSS_Feeds, Bookmarks, Micro-Blogging und soziale wie auch Business Netzwerke in eine standesgemäße Businessform. Alle Maßnahmen münden extern in einer einheitlichen persönlichen Web-ID bzw. Digital DNA.

Bilateraler News-Aggregator
Der Persönliche Webberater sammelt im Web gemäß der Ausrichtung des Managers Wissen, Beiträge und Trendansätze im Sinne der unternehmerischen Ziele. Darauf basierend überlegt er sich sinnvolle Output-Strategien und erarbeitet Vorschläge für Gruppen-Beiträge in Netzwerken, formuliert diese bestmöglich aus, legt sie zum Korrektur lesen und letztendlich Publizieren vor. Der Manager macht lediglich finale Klicks zur Freigabe. Früher bekam man die Mappe zur Unterzeichnung von Dokumenten, heute bekäme man nur ein digitales Dokument mit den Inhalten für die Links. Kopieren – Einfügen – Fertig!

Unternehmerischer Kontakt-Multiplikator
Der Persönliche Webberater ist für die Qualität und den Ausbau das Business-Netzwerk des Managers verantwortlich. Als Kontakt-Multiplikator registriert, überfliegt, überwacht und optimiert der Persönliche Webberater das Netzwerk des Managers nach alten und neuen fachrichtungsspezifischen Kontakten. Er evaluiert Fach-Gruppen in Business- und Social Networks nach Neukontakten und berät hinsichtlich nützlicher Kontaktanfragen. Zusätzlich bemüht er sich um Moderationsoptionen in Gruppen und sucht nach virtuellen und realen Optionen, den Manager als Sprecher oder in Gastbeiträgen zu plazieren.

Wie wird der Personal Web Manager und Personal Web Assistant finanziert? Unternehmen suchen grundsätzlich nach ultimativen und möglichst effizienten Motivations-Incentives oder Einstellungs-Boni, welche sie dem mittleren und oberen Management nebst Auto, Handy oder der Golf-Club Mitgliedschaft als Motivationsspritze geben können. Warum nicht einen Personal Web Manager oder Personal Web Assistant dieser Person zur Seite stellen? Er ist produktiv, innovativ, motiviert und läßt die Firma die Maxime des Web 2.0 leben –auch in Zeiten der Ressourcenknappheit.
Dem Freiberufler ist der Persönliche Webberater lieb und recht, insofern die Auftrags- und Umsatzlage stimmt. Kann man diese Stelle zeitlich-befristet und/oder auf freiberuflicher Basis als steuerliche Abschreibung organisatorisch relativ einfach handeln bzw. als Trainee- oder Praktika-Stelle schmackhaft machen.

Spot On!
Natürlich könnten die Manager auch selbst infolge automatisierter Dienstleistungsangebote im Web (wie Netvibes, PeopleBrowsr, Noserub, etc.) diese Arbeiten erledigen. Aber wer kann allein schon im Businessalltag der Geschwindigkeit des persönlichen Outputs seiner Twitterati folgen. Vor allem, wenn man im Daily Business auch noch auf gute Manieren und angemessene Etikette in Business Netzwerken achten soll. Sprich: Entweder man muß sich schön langsam in eine für die virtuelle Welt optimierte Multitasking-Maschine entwickeln oder Kommunikationsprozesse 2.0 einfach automatisieren. Einen Personal Web Manager oder Personal Web Assistant einzuführen, wäre eine professionellere Lösung und schafft zahlreiche Arbeitsplätze.

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Kommentare

23 Kommentare zu "Vision oder Utopie? – Personal Web Manager"

  1. Horst D. Deckert am 01.01.2009 19:26 

    Sehr guter Artikel. Und sehr gute Aussichten für gute Leute, als Personal Web Manager oder Personal Web Assistant einen relativ sicheren Dauer-Job zu finden.

  2. Mario Grobholz am 01.01.2009 21:17 

    Sehr guter Artikel und volle Zustimmung! Personal Web Manager als Berufprofil bietet sicherlich heute bereits eine gute Perspektive. Bis sich das allerdings in Stellenausschreibungen bei Unternehmen und dann sogar in die Lehrpläne von Schulen und Universitäten niederschlägt wird noch einiges an Zeit vergehen. Die jenigen die diesen Wandel und Bedarf heute bereits erkennen haben sehr gute Chancen.

  3. Johannes Wedenigg am 02.01.2009 09:58 

    Personal web Manager? Wie wäre es mit der Bezeichnung „PR Manager 2.0“?

    Guckst du mal hier: Der junge Mann macht das glaub ich schon ganz gut:-)

  4. Martin Meyer-Gossner am 03.01.2009 23:49 

    Das Feedback überzeugt mich, dass der Jobtitel keine Utopie ist. Aufklärung in Unternehmen über die firmeneigene Online Reputation und die der Manager tut Not. In Zeiten, die die Umsatzquellen nicht unbändig sprudeln lassen, muss man umdenken: Wer sich jetzt die richtige Strategie in HR, Marketing und Sales überlegt, hat die besten Chancen auf gute Zukunftsaussichten. Man darf gespannt sein, ob sich bald der erste ‚Personal Web Manager‘ mit genau diesem Titel in einem Unternehmen findet. Natürlich bekommt diese Person ein Exklusivinterview… ist Ehrensache!

  5. Martin Goldman am 05.01.2009 17:13 

    In der Berufsbeschreibung finde ich einige Aspekte des Journalisten und des PR-Fachmanns. Der Journalist als News-Aggregator und als Autor der eigenen Web-Beiträge.
    Naja, im weiteren Sinne ist es ja Öffentlichkeitsarbeit. Spannende Beschreibung.

  6. Wer pflegt Ihre Online Identität? | myON-ID Blog am 19.01.2009 09:57 

    […] Blog von “The Strategy Web” hat Martin Meyer-Gossner hierfür jüngst ein neues Jobprofil kreiert – den Personal Webmanager. Dessen Aufgabe könnte es sein als persönlicher Assistent für das soziale Netz zu dienen und in […]

  7. Tobias Knoof am 27.01.2009 16:25 

    Klasse Beitrag! So oder in ähnlicher Form wird es sicher auch kommen. Professionelles Networking kostet viel Zeit. Im Business gibt es sicher einige Menschen, die für so einen Service gut zahlen würden. Allerdings bedingt dies auch außergewöhnlich großes Vertrauen, da ein „Mitarbeiter“ im Prinzip die Reputation eines Menschen bzw. des Chefs verwaltet. Wenn hier die falschen am Hebel sitzen, kann man nur „gute Nacht“ sagen. Der neue „Job“ müsste also irgendwie zertifiziert werden, so dass man das ganze nur nach einer strengen und bestandenen Prüfung machen darf.

  8. Martin Meyer-Gossner am 28.01.2009 15:36 

    @Tobias Knoof Guter Hinweis zur Zertifizierung. Manchmal frägt man sich tatsächlich bei so manchem Berufsbild, ob eine Zertifizierungsprüfung fehlgeschlagen hat… oder ob es diese gibt.

  9. Die Google Reputation - lesen Sie die Expertenmeinung | myON-ID Blog am 04.02.2009 08:03 

    […] Strategy Web‘, habe ich mit meinem Blog zum Leben erweckt. Hier habe ich auch meine Jobvision des Personal Web Manager publiziert. Diese Marke verknüpfe ich online mit meinem Namen, denn jedes Business steht und […]

  10. News Update - Best of the Day : The Strategy Web am 09.02.2009 10:50 

    […] sollte man auch nicht verzichten, usw. Wem das alles zuviel wird, schafft sich entweder seinen Personal Web Manager an oder orientiert sich an David Allens Buch Wie ich die Dinge geregelt kriege – Selbstmanagement […]

  11. Frank Schwab am 30.03.2009 11:29 

    Die Zukunft ist immer schon da, nur ungleichmässig verteilt.

    Das gibt es schon lange in der offline Welt, und wir können sicher davon ausgehen, dass einige Manager den PWA bereits implementiert haben.

    Gilt es, ein Geschäftsmodell daraus zu entwickeln ;-)

  12. Lutz Meyer-Goßner am 03.04.2009 16:27 

    Hervorragender Artikel und – soweit ich es verstanden habe – auch eine gute Idee. Interessant wäre zu wissen: Willst Du eine web-manager-Schule aufmachen oder wie? Oder willst Du selbst ein web manager werden? Oder willst Du einen web manager einstellen?

  13. Martin Meyer-Gossner am 04.04.2009 06:54 

    Danke für das positive Feedback. Die Idee scheint inzwischen weltweit eine Eigendynamik zu entwickeln und sich zu verbreiten – zumindest den Kommentaren nach zu urteilen und den ermutigenden Mails, die mich hierzu erreichen. Offensichtlich besteht in der Wirtschaft großer Bedarf nach diesem Jobprofil. Nachdem nun auch Referenten-Einladungen zu Veranstaltungen erfolgen, muss man die Vision sicherlich im Auge behalten.

  14. Online Reputation - Social Networking und Lebensläufe am 07.05.2009 13:50 

    […] Je höher man die Karriereleiter aufsteigen will, umso besser sollte man seine Profile pflegen. Niemand weiß, welche Kontakte unter den Hunderten, die man hat, sich mal als neuer Arbeitgeber zeigen könnte. Manche Details des digitalen Lebenslaufes kann man positiv beeinflussen, manche nur bedingt – teilweise mit externer Hilfe von Institutionen wie ReputationDefender – oder zukünftig vielleicht mal dem Personal Web Manager. […]

  15. Martin Meyer-Gossner von CBS Interactive GmbH auf der Webinale 2009 in Berlin | Sian-Ru Lai's blog am 26.05.2009 13:42 

    […] gedreht werden muss. Dabei kam natürlich auch meine Vision des Personal Web Managers (LINK: http://www.thestrategyweb.com/vision-oder-utopie-personal-web-manager ) zum Zuge, die zukünftig eine hohe Wertigkeit und Relevanz in der Wertschöpfungskette der […]

  16. Das erste Jahr - von Personal Branding und Produktivität am 05.06.2009 15:08 

    […] wird der von mir propagierte Personal Web Manager zukünftig von großer Bedeutung für engagierte Manager 2.0 oder 3.0 werden. Sonst […]

  17. Reputation Management bleibt (zeit)aufwendig… am 29.06.2009 15:04 

    […] ich meine Vision des Personal Web Managers geschrieben habe, dachte ich, es wird sicherlich bald eine solche Dienstleistung des Reputation […]

  18. Eine Ära endet – Auf zu neuen Ufern am 01.04.2010 12:53 

    […] und Enden. Vielleicht ist das ja gerade der Schlüssel zum Paid Service?! Und es fehlt mir eine Personal Web Manager, den ich für den Manager der Zukunft als unerlässliche Unterstützungsnotwendigkeit […]

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    […] Lena Schiller während des Interviews finde ich sehr gelungen. Sie greifen den Gedanken des Personal Web Managers auf (links oben), sowie die zukünftige zentrale Herausforderung für den Einzelnen, einen […]

  22. Vom Kulturwandel zum Chief Culture Officer am 08.11.2011 09:47 

    […] die Rede vom Kulturwandel ist. Andere leben diesen Kulturwandel, erfinden neue (Job)Titel wie den Personal Web Manager. Grant McCracken benennt in seinem (nicht mehr ganz neuen, aber sehr aktuellem) Buch eine moderne […]

  23. XING oder LinkedIn – Automatisierung, Konsolidierung oder Migration? « Digitalstrategie am 07.02.2012 00:39 

    […] und erkennt die Sinnlosigkeit einer Trennung in nationale und internationale Kontakte. Da der Personal Web Manager auch weiterhin auf sich warten lässt, wollen viele User aus Zeitgründen ihre Social Networks […]

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