Web 2.0 und Unternehmensführung: Diskussion zum Status 2010

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webstrategieFür die Süddeutsche Zeitung 1,90 EUR zu investieren, ist heutzutage für so manchen Blogger ungewöhnlich. Für mich war es das gestern nicht. Stand da doch einiges über Web 2.0 Strategien und die aktuelle Zukunft des Web zu lesen: vom Streit zwischen Google und China, über die Safttante sowie diversen mit ihrem Unternehmensblog zusammengebrachten Hintergründen und taktischen Anregungen zu Erfahrungen für Unternehmen.

Die Zukunftsvisionen für Unternehmen wurden mal wieder von Don Tapscott, Web-Berater und Autor der Bücher Wikinomics und Grow up digital, in einem Interview zum Ausdruck gebracht. Erst kürzlich hatte er den Titel seines neuen Buches „Rebuilding the world“ über sein Blog gesucht, sprich: Kollaboration mit seiner Community hat ihm bei der Titelfindung geholfen.

Das Interview möchte ich als Ansporn zur Diskussion Web 2.0 in der Unternehmensführung nehmen. Tapscott regt Unternehmen an, die Web 2.0 Grundprinzipien offene Diskussion, transparenteres Innovationsmanagement und zukunftsfähige Kollaboration verstärkt einzusetzen und zu fördern. Schließlich könne man mit deratigen Netzwerkmodellen „sein Geschäft ausbauen“.

Auf die Frage ‚Warum macht es dann nicht jeder?‘ entgegnet Tapscott:

„Weil eingefahrene Gewohnheiten schwer zu ändern sind. Vor 30 Jahren sagten Kritiker, Manager werden nie internetfähige Computer nutzen – weil sie nicht selbst tippen werden. Können Sie sich das vorstellen? Der gesamte Wechsel zur Internetgesellschaft wurde mit diesem einen Argument in Frage gestellt. Und genauso ist es heute. Eine Web2.0-Kultur würde die Machtverhältnisse in Firmen von grundauf verändern. Daran haben viele Unternehmensführer überhaupt kein Interesse.“

Moment!? Ist das wirklich heute noch so? Sind Unternehmensführer wirklich so internet-resistent? Können sich Unternehmensführer das noch leisten in der Zukunft? Ändern sich Machtverhältnisse in Euren Augen? Was wird sich ändern? Wird es weiterhin 30 Jahre dauren, bis Kollaboration zwischen konkurrierenden Unternehmen stattfindet.

Es gibt so viele Social Media und Social Web Berater neben Don Tapscott (vielleicht noch nicht so bekannt wie er, ok…). Jeder trägt einen gewissenen Erfahrungsschatz aus seiner Beratung von Unternehmen zu dem Thema. Teilt ihn mit uns. Lasst uns die Diskussion führen und alle davon profitieren.

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Kommentare

13 Kommentare zu "Web 2.0 und Unternehmensführung: Diskussion zum Status 2010"

  1. Hans Bayartz am 15.01.2010 09:40 

    Als Medienberater habe ich über Jahre erfahren (müssen), wie sich Unternehmer und Mitarbeiter gegen alles mögliche gesträubt haben: Investitionen, PCs, moderne Kommunikation, Controlling, intelligente Menschenführung – heute ist es das Internet – die Zeit wird auch dieser Entwicklung behilflich sein, sich durchzusetzen.

    In den Unternehmen muss die Kultur dafür geschaffen werden, dass offen und mit den Menschen zusammen – auch den Verbrauchern/Kunden – kommuniziert werden soll. Das braucht seine Zeit. Vor allen Dingen dann, wenn die Organismen größer und schwerfälliger werden, wenn die Menschen, die darin etwas zu sagen haben, viel zu verlieren glauben, wenn sie bei solchen Änderungen und Fortschreibungen (denn es sind ja in Wirklichkeit keine Neuanfänge, sondern nur – wenn auch bedeutende – Anpassungen oder Weiterentwicklungen) an der Spitze der Entwicklung stehen sollen.

    Der Fisch stinkt – wie bekannt – vom Kopfe her!

    Wir brauchen also Anpassungen der Unternehmens-Kultur. Von der Führung muss die Richtung und die Geschwindigkeit vorgegeben werden. Ansonsten zieht der Tross nicht mit. Totschlag-Argumente wird man immer vorgehalten bekommen. Dadurch erhält man sich – vorübergehend – die Macht und schüttelt lästige „Weltverbesserer“ vorerst ab. Diejenigen schaden sich aber nur selbst, ihrem Unternehmen, ihren Mitarbeitern und der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens – sie verlieren in den Augen des Verbrauchers an Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Kompetenz. Sie werden sich von solchen Unternehmen tendenziell zurückziehen.

    Sicher muss man nicht jedem Trend folgen. Das unterscheidet eben einen guten und verantwortungsvollen Geschäftslenker von einem Trendhopser. Wer aber bei den Trendsettern vorne mitspielt, der sichert Zukunft, Einnahmen, Arbeitsplätze und eine gute Reputation beim Verbraucher.

  2. Gerhard am 15.01.2010 12:13 

    Letztendlich lassen sich Unternehmer vor allem durch zwei Dinge bewegen: klare Belege für einen ROI und erfolgreiche Umsetzungen in anderen Unternehmen. Hier sehe ich auch die Top-Themen im Social-Media-Bereich für 2010: Wir werden das Monitoring verfeinern und so die Aktivitäten transparent machen. Und einige Unternehmen werden mit gelungenen Aktionen eine Vorreiterrolle einnehmen.

  3. Mediales vom 15.1.2010 | Haiti, Model, Start, China, Bundesliga, Erdbeben | Blokster.de am 15.01.2010 16:39 

    […] thestrategyweb.com: Web 2.0 und Unternehmensführung: Diskussion zum Status 2010 […]

  4. Michael am 15.01.2010 19:59 

    Als Mitglied der Gruppe im Internet tätigen Menschen verliert man gern den realistischen Blick und denkt, dass doch eigentlich jeder regelmässig das Internet nutzt, mit Smartphones arbeitet (telefonieren war gestern) und seinen Livestream mehrfach täglich (stündlich, minütlich?) updated.

    Dem ist natürlich nicht so. Neben der Gruppe der soziodemographisch Technik-Unterrepräsentierten (ist das jetzt politsch korrekt?) gibt es selbst in der Gruppe der gut ausgebildeten Menschen zwischen 20-50 Jahren (zu denen sich wahrscheinlich alle Leser hier zählen) erstaunlich viele fortschrittlichen Technologien zurückhaltende oder gar ignorante Vertreter. Man stelle sich Menschen vor, die noch ein Nokia benutzen ;-)

    Spass beiseite: Zwar glaube ich, dass die Gewöhnung an Techniken – wie beispielsweise der bloggende CEO – die Bereitschaft zum Einsatz innovativer Kommunikation und deren unterliegenden Konzepten fördert, nicht jedoch die Ursache für sie sein kann. Meint: nur der Unternehmensführer, der an den Nutzen der Partizipation glaubt, wird den Einsatz von Social Media, Blogs und Wikis in Unternehmen fördern. Ist das nicht der Fall, wird er es höchstens dulden – und mit entprechend sinnfreiem Regelwerk versehen (z.B. Angestellte dürfen nicht twittern).

    Fazit: es ist eine Generationenfrage. Sobald diejenigen Unternehmen führen, die bloggen, twittern und kommentieren, kann Unternehmensführung 2.0 entstehen.

  5. Mirko Lange am 15.01.2010 20:10 

    Meine Erfahrung ist: die Bandbreite ist so enorm groß.

    Was man zunächst einmal festhalten muss: Social Media kann heute noch keinen herkömmlichen Kanal oder Prozess ersetzen. Weder im Vertrieb, noch im Verkauf, noch im Support, noch in den Human Ressources, noch in der Kommunikation, noch in der Medienarbeit noch sonst irgendwie – okay, vielleicht Blogger Relations. Auch die Einsparungen, die von manchen Mitdiskutanten genannt werden, sind aus meiner Sicht heute nicht messbar. Die Gleichung, dass man zusätzliche Ressourcen durch Einsparungen gegenfinanzieren kann, geht nicht auf. Das heißt nicht, dass sich Social Media nicht rechnet – es ist aber in „Investment“. Und der Return ist überwiegend weder sicher, noch kurzfristig, noch riesengroß. Social Media kann schon heute vielen Unternehmen einen kleinen Wettbewerbsvorteil sichern, weil man eben das kleine Stückchen mehr Einfluss gewinnt. Und das Investment lohnt sich sicher für alle langfristig, weil eine gute Vernetzung in 5 bis 10 Jahren sogar wettbewerbsentscheidend wird. Und nur bei manchen Unternehmen wird sich Social Media auch sofort auszahlen.

    Und dann ist die Situation auch noch nach Unternehmensgröße verschieden.

    Wenn KLEINE Unternehmen nicht wirklich gesund sind und Kapital haben (was bei den wenigsten der Fall ist) können sich die Unternehmen(-sführer) keine zusätzlichen Kräfte leisten. Sie haben auch kein genügend großes Volumen, um hier oder da etwas umzuschichten. Also investieren sie entweder selbst die zusätzliche Zeit (siehe @Safttante), oder sie verweigern sich ganz. Und wenn sie selber nicht internetaffin sind, schon am Anschlag, oder einen Schwerpunkt auf die Familie setzen, dann werden sie kaum Möglichkeiten haben, sich selbst zu engagieren. Also bleibt nur verweigern. Und das kann man ihnen nicht vorwerfen.

    Bei MITTELGRO?EN Unternehmen ist es schon etwas anders: Sie hätten das Volumen, um Töpfe anders zu verteilen. Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer: Weil schon in mittelgroßen Unternehmen die verschiedenen Disziplinen von verschiedenen Abteilungen behandelt werden, geht es hier instinktiv um Sicherung von Etats. Es sei denn, das Unternehmen stellt zusätzliche Ressourcen zur Verfügung. Macht es aber überwiegend nicht. Deswegen kommen hier nur die Unternehmen voran, bei denen einige Mitarbeiter durch eigenes Engagement das Thema (semioffiziell) treiben. So lange aber das Management keine zusätzlichen Ressourcen bereit stellt, werden diese wenige bleiben.

    Und bei GROSSEN Unternehmen sind die Strukturen oft noch geregelter. Hier reden so viel Leute mit (Betriebsrat, Datenschutzbeauftragter, Finance, Human Ressources usw.), dass das Unternehmen dann oft in den eigenen Strukturen erstickt. In einem großen Unternehen „Social Media“ strategisch einzurichten entspricht vom AUfwand dann leicht der Einführung eines SAP-Systems. Also beobachtet man häufig einen gewissen Wildwuchs, der dann vom Management so einigermaßen geduldet wird.

    Ich meine deswegen (inzwischen), dass es heute vor allem pragmatische Wege geben muss. Ich schreibe auch grade an meinem nächsten Blogbeitrag, der eigentich ein Plädoyer GEGEN strategische Social Media ist. Oder sagen wir es anders: „strategisch“ auf einem anderen Niveau. „Social Media“ wirklich zu „implementieren“ ist eine Herkulesaufgabe, die irrsinnig viel Ressourcen kostet. Und Energie.

    Aber es gibt andere Wege. Man kann es auch „einfach mal anfangen“. Nicht völlig wild, aber auf einem pragmatischen Niveau. Und es sich dann entwickeln lassen. Menschen langsam, heranführen. Deren Engagement gewinnen.

    Also unter’m Strich: Unternehmensführer sind nach meinem Erleben nicht per-se „internet resistent“. Sie haben aber viele andere Interessen zu berücksichtigen, und „die große Lösung“ steht im Konflikt mit vielen anderen Interessen (und den Interessen Anderer).

    Was es braucht ist auch die Erkenntnis: In Social Media muss man nicht gleich „alles richtig machen“. Die Gefahren sind – wenn man die wichtigsten Grundregeln beachtet – deutlich kleiner, als manche immer erzählen. Aber es ganz zu ignorieren ist mit Sicherheit nicht gefahrlos – zumindest mittel- und langfristig. Aber auch da muss man nachsichtig sein, wenn dem ein oder anderen Manager die Hose näher ist als der Hut.

  6. Martin Meyer-Gosser am 16.01.2010 00:05 

    @Hans Danke für Dein Feedback. Viele Experten reden von der notwendigen Änderung der Unternehmenskultur für einen zukunftsträchtigen Web 2.0 Einstieg. Ist denn für einen ordentlichen Web 1.0 Status aus Sicht der Unternehmensführung überhaupt schon ein Abschluß erfolgt oder der Grundstein gelegt?

    @Gerhard Den Druck des Mitbewerbs seh ich da als ausschlaggebender als die ROI Argumentation, da dies eoft in frage gestellt wird (gerade wenn sie noch so sehr überzeugt). Und: Ist das nicht eher ein zu reaktives Verhalten für die Web 2.0 Theorie? Was halten wir dann von Seth Giddins Ansätzen: „Don’t have any meetings about your web strategy. Just do stuff. First you have to fail, then you can improve“?

    @Michael Ob politisch korrekte Bezeichnung mancher unternehmensführenden Social Medians oder meiner User, oder nicht, die Grundsätze Deiner Aussage erscheinen sehr menschlich und realistisch – und scheinen eine Vorstufe von Don Tapscott’s Vision zu sein. Inwieweit es eine Generationenfrage ist oder nicht, wird sich mit der alltäglichen Berufsbelastung einer Work-Life Balance eines Bosses 2.0 der Net Generation zeigen – sobald die Kinder ein paar Nächten den Schlaf geraubt haben… ;-) Die Frage ist, ob sich nicht irgendwann der ‚Reduce to the Max‘-Faktor einstellt.

    @mirko Interessante Ausführungen und sehr differenziert auf die Unterschiede der Unternehmensgrößen eingegangen. Steht die ‚große Lösung‘ für Unternehmensführer im Konflikt mit anderen Aufgaben oder hat sie sich noch nicht in der Quantität als ROI bewiesen? Ist die Zukunft einer Social Media Strategie dann eine Verschiebung von Ressourcen oder eine Aufstockung/Investment?

  7. Mirko Lange am 16.01.2010 07:50 

    Hallo Martin,

    „Ist die Zukunft einer Social Media Strategie dann eine Verschiebung von Ressourcen oder eine Aufstockung/Investment?“

    Nun ja: „es kommt darauf an“ :-) Die Berechnung des für Kommunikation zur Verfügung stehende Budgets ist eine komplexe Angelegenheit. Es ist eine profane Tatsache, dass ein Unternehmen nur begrenzte Mittel hat, und dass es aus diesen Mitteln diverse Kosten decken MUSS – und es kommt auch nicht darum herum, Rücklagen zu bilden. Kommunikation ist nur „ein“ Wertschöpfungsfaktor von vielen – und alle anderen sind eben auch wichtig. Das dürfen wir Kommunikatoren in unserer Egozentrik nicht vergessen! Im Grunde ist es also (zunächst) IMMER eine Verschiebung von Ressourcen.

    Jetzt kommt man also darauf an, wie man den Wertschöpfungs-Beitrag von Kommunikation im Verhältnis zu den anderen Wertschöpfungs-Faktoren beurteilt – also im Verhältnis zu beispielsweise HR, F&E, Support, Infrastruktur, IT, Treasuring, Vertrieb, Marktforschung,… you name it! Hier wird Kommunikation im Verhältnis an Bedeutung zunehmen. Das liegt einfach daran, dass immer mehr kommuniziert wird (der Wettbewerb im Meinungsmarkt also stärker ist), und dass Produkte immer ähnlicher werden. Das hat einfach mit der Geschwindigkeit von Innovationszyklen und mit einem immer besseren Austausch an Wissen zu tun. Nicht die Produkte, Unternehmen und Dienstleistungen selbst, sondern der „Meinung über Produkte, Unternehmen und Dienstleistungen“ kommt also eine immer größere Bedeutung zu. Und zusätzlich wird Kommunikation zum Teil des Produktes, bzw. des Produkterlebnisses (man denke nur an Support-Hotlines). Aber wichtig: An Bedeutung zunehmen heißt nicht, dass es von „5%“ auf „50%“ geht. Das ist naiv. Das geht eher in einzelnen Prozentpunktenschritten. Aber das ist nicht zu vernachlässigen. Bei einem Unternehmen mit 10.000.000 EUR Umsatz (= Wertschöpfung) sind 1 Prozentpunkt mehr immerhin schon 100.000 EUR.

    Und dann kommt es zweitens darauf an, wie man „Online-Kommunikation“ im Verhältnis zu sonstiger Kommunikation sieht – also im Verhältnis zu beispielsweise Direct-Marketing, POS, Veranstaltungen, Messen, Print-Werbung, TV-Werbung, klassische Pressearbeit… you name it. Auch hier gibt es eine Tendenz, dass Online immer wichtiger wird. Bis 2013 sollen beispielsweise mehr Menschen über Handys ins mobile Internet gehen, als über stationäre PCs (s. http://bit.ly/6weVrq) – und da wird wenig Verschiebung stattfinden. Das sind zusätzliche Internetbesuche. Dazu kommt, dass Online sich wegen der Pull-Möglichkeiten und der Interaktivität hervorragend zur Meinungsbildung eignet. Und meine These ist, dass Meinungsbildung immer mehr über Pull als über Push stattfinden wird. Einfach deswegen, weil Menschen irgendwie mit der Informationsflut umgehen müssen. Sie suchen sich ihre Informationen viel gezielter. Und dafür ist das Internet einfach unschlagbar. Wir sehen ja auch massive Verschiebung von Print- zu Online-Werbung. Hier fallen die Verschiebung aus meiner Sicht übrigens viel deutlicher aus. Hier wird der Online-Anteil in den kommenden Jahren bei einigen Unternehmen sicherlich von ein paar wenigen Prozent auf 30, 40, 50 oder noch viel mehr Prozent gehen.

    Und letztlich muss man dann fragen, wie ich „Social Media“ im Verhältnis zu sonstigen Online-Maßnahmen gewichte, also z.B. im Verhältnis zu E-Mail-Marketing, Banner-Werbung, Affiliate-Marketing, Suchmaschinen-Marketing, SEO, Corporate Website, Mobile Internet, … you name it. Ich glaube, dass hier „Social Media“ zumindest einen gewissen Pflichtanteil haben muss. Das müssen nicht immer technischen Investitionen sein. Das fängt bei ganz kleinen Dingen an: Kann der Kunde beispielsweise mit dem Unternehmen (z.B. über Kommentare) öffentlich in Dialog treten? Ist das Unternehmen in der Lage (sei es auch nur in Einzelfällen) an öffentlich geführten Debatten teilzunehmen? Viele Unternehmen sind hier absolut bei „Null“ – und deswegen braucht es hier auf jeden Fall eine kleine Verschiebung. Wie klein sie auch immer sein mag – es gibt hier definitiv einen ROI (Risk of Ignoring), weshalb man das keinesfalls GANZ außer acht lassen kann. Und wie gesagt: Manchmal sind das nur Investitionen von ein paar Euro, beispielsweise um eine Kommentarplattform wie „Disqus“ zu implementieren. Wichtiger sind da schon die Ressourcen.

    Unter dem Strich: Ich habe jetzt rund 25 um das Budget konkurrierende Etatposten aufgezählt. Wie die im Unternehmen gewichtet sind, ist eine ganz hochindividuelle Angelegenheit.

    Aus meiner Sicht braucht aber JEDES Unternehmen eine „Grundversorgung“ in Sachen Social Media. Ebenso, wie jedes Unternehmen ein Telefon hat und E-Mail: Einen Blog, um ein „Organ“ in den sozialen Medien zu haben. Einen Twitter-Account, um eine Vernetzung mit Meinungsbildnern herzustellen. Youtube-, sowie Flickr-Accounts als „depository“ für Videos und Bilder. Möglicherweise einen Facebook-Account. Eventuell auch einen Social Media Newsroom, um alle diese Daten auf einer Plattform zu aggregieren. Die Anfangskosten für das erste Jahr betragen hierfür bei einem mittelgroßen Unternehmen realistisch ungefähr 50.000 EUR plus ab ca. 250 Stunden eigenes Investment. Wenn man das bei etwa 40 EUR Personalkosten ansetzt (inklusive umgeglegten Allgemeinkosten) sind das noch einmal 10.000 EUR. Bei kleinen Unternehmen ist es vielleicht die Hälfte.

    Ich denke, dass kann jedes Unternehmen finanzieren, indem es eben von den anderen 25 Posten jeweils 2.000 EUR pro Jahr umverteilt. Denn letztlich – und jetzt wird es spannend – fördert Social Media JEDES der o.g. konkurrierenden Wertschöpfungsfaktoren.

    Ob und inwieweit dann Social Media als Wertschöpfung SICHTBAR wird – ich habe da meine Zweifel. Die Wertschöpfung von Kommunikation darzustellen, ist eine höchst komplexe Sache. Wenn man nicht wirklich viel Geld in die Hand nimmt (das sind noch einmal MINDESTENS 50.000 EUR), wird das immer mehr eine Frage von Glaube und Interpretation sein. Das Problem ist nicht, dass man nicht einen Anstieg von betriebswirtschaftlich relevanten Zahlen beobachten könnte: Weniger Kosten, mehr Umsatz, mehr Bewerbungen, mehr Vorschläge. Aber wie gesagt: Es gibt noch „25“ andere Stellen im Unternehmen, die zur Wertschöpfung beitragen. Und die schlafen ja auch nicht. Also wie viel des Erfolges darf dann „Social Media“ auf sich verbuchen?

    Aber probieren geht über studieren! WENN man Social Media einführt, und wenn sich dann Erfolg einstellt – meckern kann man dann sicher nicht. Wie gesagt: Die Umverteilung von 50.000 bis 60.000 EUR ist machbar. Und dann hat man wenigstens etwas, worüber man reden kann. Anstatt wie jetzt immer nur zu spekulieren. Natürlich besteht ein Risiko. Aber es ist überschaubar. Und wie gesagt: Nichts zu tun ist auch ein Risiko.

    P.S. Eines habe ich dabei noch außer Acht gelassen: Die Mitarbeiter, also die, die nicht in der Kommunikationsbateilung arbeiten. Erstens kommunizieren sie sowieso mit Kunden. Und zweitens kommunizieren sie sowie (zumindest mittelfristig) irgendwo über Social Media. Ein kluges Unternehmen verlagert erstens einfach einen Teil der Kundenkommunikation ins Social Web und „engaged“ zweitens seine Mitarbeiter, auch privat in den sozialen Medien „für sein Unternehmen zu sprechen“. Und das „für“ ist hier doppelsinnig.

    P.P.S Noch ein zweiter Punkt, den ich außer Acht gelassen habe: Wenn ein Unternehmen heute beispielsweise einen Relaunch seiner Website plant, dann kann es „Social Media“ von vornherein mit einplanen. Dann entstehen keine wirklichen Mehrkosten.

    P.P.P.S Sorry, dass es so lang geworden ist. War irgendwie im kreativen Schwung. ;-)

  8. Martin Meyer-Gosser am 16.01.2010 14:31 

    @Mirko Eins steht fest: Du nimmst Social Media sehr ernst – und danke für Pingback. Das grenzt ja schon fast an kostenfreies Consulting… ;-)

    Social Media unter dem Aspekt der Wertschöpfung zu starten, ist sicherlich ein mutiger Ausgangspunkt eines Unternehmens, der aber von vielen Social Media Experten gern propagiert und gefordert wird. Die Trial & Error Phase herrscht derzeit vor, auch wenn diese eine Führung durch wahre Business-Experten bedarf (ob extern, interim oder intern). Ich finde das muß in der Phase einer kommunikativen Neuorientierung von Firmen auch sein. Aus Fehlern lernt man, oder nicht? Solange diese nicht ausufern, klar…!
    Die Kommunikationsbranche ist in einem Wandel, dessen Zukunft aufgrund der jungen Historie noch niemand so richtig deuten kann. Eine Budgetverteilung zugunsten einer Web 2.0 Strategie (nicht nur einer Social Media Strategie!) ist dennoch definitiv Pflichprogramm, auch wenn es kostspielig sein kann. Denn der Diskurs findet nicht mehr nur in der Offlinewelt statt.

    Ich sehe das relativ pragmatisch. Vor 10 Jahren haben die Firmen auch nur kleine Budgets in Online-Kommunikation (welcher Form auch immer) gesteckt. Irgendwann wird die Branche erwachsen, die Kunden werden fordernder und das Management paßt sich an. Das wird auch bei Social Media und Web 2.0 so sein. Es sei denn, die angestellten Testaktionen erweisen sich als Flops. Und der Glaube versetzt eben keine Berge. Und wenn Kampagnen gestartet werden, die dann zwar Tausende von Fans generieren, aber man die Kommunikation mit diesen nicht sucht, ist alle Mühe vergebens. Dann kann man sich selbst die personellen Investments in Form einer Budgetverschiebung sparen.

    Der Kulturwandel muß von den Unternehmensführern gewollt sein, das Personal bewußt darauf eingestellt werden und die Führung einen kooperativen Stil vorleben. Dann klappt’s auch mit der Humanisierung der Unternehmen – die Frage ist, ob der Unternehmensführer aufgrund klassischer Autoritäts- und Führungsmotivationen so menschlich auftreten will.

  9. Mirko Lange am 16.01.2010 17:37 

    Was denn sonst, wenn nicht „unter dem Aspekt der Wertschöpfung“? Das muss für jede Art von Kommunikation gelten – für jede Form der Beratung?!

  10. Martin Meyer-Gossner am 16.01.2010 22:26 

    Ja, richtig. Wertschöpfung ist dennoch ein dehnbarer Begriff, mindestens so dehnbar wie der Glaube und die Hoffnung an Social Media. Es wäre nur zu wünschen und hilfreich, wenn mehr Beweise hierfür entstehen. Schon allein aus diesem Grund hoffe ich auf einen Kulturwandel in der Denke der Führungsetage. Schließlich erfordert es Mut, auch mal ohne den konkreten ROI Nachweis soziale Ideen und Kommunikationsformate der Neuzeit auszuprobieren, um der Zukunft einer Don Tapscott Vision eine Chance zu geben.

  11. Oliver Gassner am 17.01.2010 10:05 

    links for 2010-01-17…

    Help Desk :: Twitter ReTweets and Quote Message in Seesmic Seesmic desktop unterstützt sowohl den offiziellen Retweet als auch manuelles retweeten/quoten, sogar mit konfigirierbaren Formaten; hübsch. (tags:…

  12. Sebastian Voss am 18.01.2010 13:01 

    Hallo zusammen,

    bin wieder einmal erstaunt darüber, dass Kommentare oftmals viel, viel länger sein können als der eigentlich Beitrag selbst. Chapeau an den Kollegen Lange! ;-)

    Ich habe leider nicht so viel Zeit und mache es deshalb kurz und schmerzlos:

    Was wir als Agentur in der tagtäglichen Praxis zu rund 80 Prozent immer wieder zur Kenntnis nehmen: Unternehmen merken zwar, das „Social Media Marketing“ an Bedeutung gewinnt und das hier Aktionsbedarf seitens der Auftraggeber besteht, jedoch möchte keiner so wirklich große Kapazitäten dafür freimachen – und ich spreche nicht nur von kleinen, überschaubaren KMUs!)

    Bei meiner Frage: „Wer fühlt sich denn in Ihrem Hause für Ihre Social Media Dependenzen in spe verantwortlich?“, schaue ich meist in leere Gesichter: „Ich dachte, Sie als Agentur übernehmen diesen Part?“, bekomme ich prompt zu hören. Dies ist für mich eine klare Aussage über den Status Quo von Web 2.0 in der Deutschlands Unternehmenslandschaft, wobei ich trotzdem nicht alle über einen Kamm scheren möchte. (siehe Gehversuche von Vodafone, GLS Bank, Tchibo Ideas, Simyo etc.)

    Viele von den Interessenten mit denen wir es in unserem Agenturalltag zutun bekommen sind felsenfest der Ansicht, dass Social Media nicht mehr als ein weiterer Below-the-Line-Kanal ist, den sie zum Nulltarif mit ihren Werbebotschaften befüllen können.

    Das Social Media aber mehr als eine Kampagne, eben ein soziale Trend ist, der auf modernen Technologien basiert und damit zunehmend die Markenkommunikation als Ganzes integriert, will keiner von den Entscheidern so wirklich wahrhaben. Mein Beileid!

    Bis sich dieses Bewusstsein in den Köpfen der meisten Firmenlenker hierzulande gesetzt hat und sie damit aufhören Blogger aufgrund ihrer öffentlichen Meinung abzumahnen und ihre Reputation aufs Spiel zu setzen, ist es noch ein langer, steiniger Weg.

    Mit bestem Gruß,
    Sebastian

  13. Martin Meyer-Gosser am 18.01.2010 21:37 

    Wenn das als Schlußwort der Diskussion stehen bleibt, kann man davon ausgehen, daß noch ziemlich viel Nachholbedarf besteht bei der Aufklärung in den Firmen. Dem Trugschluss, daß Social Media extern mal schnell übernommen werden kann, sollte schnellstens Einhalt geboten werden. Auch ist es nicht Sinn und Zweck von Social Media RSS Feeds in diverse soziale Accounts laufen zu lassen. Vielleicht sollte man sich mal das Interview mit Scott Monty ansehen. Der Mann weiß, wovon er spricht… https://www.thestrategyweb.com/social-web-when-you-decide-to-jump-in-resist-the-temptation-to-sell-sell-sell-interviewing-scott-monty

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