Die verdeckten Strategien des Internet-Giganten Google

07.12.2009 von Martin Meyer-Gossner  
Kategorie Webstrategie

Google ÖkonomieEs wurden schon viele Bücher über Google veröffentlicht, aber nur wenige, die über den strategischen Tellerrand hinaus schauen. The Strategy Web hat sich mit Veit Siegenheim, Co-Autor des Buchs “Die Google-Ökonomie: Wie der Gigant das Internet beherrschen will” unterhalten. Er hat das Buch zusammen mit Dr. Ralf Kaumanns geschrieben.

Q: Herr Siegenheim, Sie haben in ihrem Buch die Strategien und Taktiken des Konzerns umfassend analysiert. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

Veit Siegenheim Google zeigt ein sehr breites Spektrum an Strategien, Taktiken und Vorgehensweisen, um seine Ziele zu erreichen und im Wettbewerb bestehen zu können. Grundsätzlich kann man auf drei Aspekte verweisen. Erstens: Google versucht, seine Erlösquellen zu schützen und weiter auszubauen. Schaut man auf die Finanzkennzahlen so kann man feststellen, dass die Abhängigkeit von den Umsätzen, die über die eigenen Angebote generiert wurden in den letzten Jahren von 50 Prozent auf fast 67 Prozent gestiegen ist. Dies ist erstaunlich, da dadurch die Abhängigkeit von seiner wichtigsten Erlösquelle immer weiter steigt und ganz entgegen dem Bemühenist, die Erlösquellen diversifizieren zu wollen. Google erzielte im Wesentlichen auch hieraus das Wachstum der letzten Jahre. Konsequent wurde Werbung in alle möglichen kostenlosen Dienste integriert und mit neuen Werbeformen experimentiert. Zweitens: Google versucht die Regeln des Wettbewerbs im Internet nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen. Dies erfolgt über das Bemühen aus seiner Technologie oder aus seinen Konzepten de-facto-Standards machen zu wollen. Ein wesentliches Element spielt hier Open Source. Indem man viele Technologien und technische Konzepte als Open Source bereitstellt, hofft man, dass möglichst viele Entwickler auf den Zug aufspringen und sich dadurch ein de-facto-Standard bildet – der natürlich dann mit anderen Standards im Wettbewerb steht. Drittens: Google versucht gnadenlos sein Geschäftmodell der Werbefinanzierung überall dort durchzusetzen, wo sich der Konzern einen Vorteil im Wettbewerb und eine Akzeptanz der Nutzer verspricht. Dabei setzt man Werbung als Refinanzierung auch dort ein, wo dies vor ein paar Jahren noch nicht denkbar erschien.

Google_ÖkonomieQ: Was ist das Besondere am Vorgehen von Google im Wettbewerb im Internet?

Veit Siegenheim Google zeigt bei genauem Hinsehen auf zwei sehr unterschiedliche strategische Ansätze, sein Geschäftsmodell zu schützen und sich im Wettbewerb zu behaupten. Für alle kostenlosen Dienste und Anwendungen für die Webnutzer verfolgt Google eine klassische Produktführerschaftstrategie. Diese zeichnen sich beispielweise durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit aus. Immer neue Features und Funktionen werden entwickelt. Viele Produkte laufen mit kleineren und größeren Fehlern (Beta Phase) und werden mit dem Feedback der Nutzer verbessert. Flankiert wird dies durch die sehr starke Marke Google, die für Innovation und Vertrauen steht. Interessanterweise setzt Google auch nur hier auf die Karte Open Source. Im zweiten strategischen Ansatz, der Systemführerschaftsstrategie im Bereich der Werbeplattform rund um AdWords und AdSense ist von Open Source keine Spur mehr. Die Systemführerschaft, die Google bei der Werbeplattform verfolgt, ist weithin unbekannt und sehr intransparent. Dies haben wir in unserem Buch näher analysiert und beleuchtet.

Q: Ein wenig ausführlicher bitte…

Veit Siegenheim Ein strategisches “System” ist als eine umfassende Problemlösung zu verstehen, die aus einer Reihe komplementärer Anwendungen und Möglichkeiten besteht, die sich im Sinne der Problemlösungsqualität für den Werbekunden vorteilhaft ergänzen. Ein System besteht aus Schlüsseltechnologien wie AdWords und begleitenden Leistungen wie dem Ad Manager, Analytics oder dem Ad Planner, die konstituierende Bedeutung für die gesamte Systemleistung haben. Diese Bedeutung kann beispielsweise durch ein hohes Maß an Innovation oder die integrierende Rolle innerhalb des Systems zustande kommen. Die Systemführerschaftsstrategie setzt ein Produkt mit Schlüsselproduktpotenzial voraus. Bei Google sind dies AdWords und AdSense. Durch das Schlüsselproduktpotenzial entstehen so genannte Lock-In-Effekte, das heißt, der Werbekunde ist in besonderem Maße an Google gebunden, weil bei einem Wechsel zu einem neuen Konkurrenzanbieter mehr oder minder hohe Hürden im Wege stehen und entsprechende Wechselkosten und Wechselrisiken anfielen.

Q: Inwieweit hat das Social Web die Denke von Google verändert?

Veit Siegenheim Das Selbstverständnis von Google ist geprägt und durchdrungen von der Welt der Algorithmen und dem Glauben von der universellen Messbarkeit der Dinge. Das Social Web und im besonderen Facebook verfolgt hingegen vielmehr die Vision eines persönlicheren Internets, in der unser Beziehungsgeflecht, unser Netzwerk an Freunden, Bekannten, Kollegen oder Leute mit gleichartigen Interessen unsere primären Quelle von Informationen, Kommunikation und Neuigkeiten ist – halt so wie im richtigen Leben. Dem Motto von Google die Informationen der Welt zu organisieren und verfügbar zu machen, setzt Facebook ein deutlich anderes Motto entgegen: den Menschen die Macht zu geben, sich mitzuteilen, und dadurch die Welt offener und enger verbunden zu machen. Zum Leidwesen von Google, komplett abgeschirmt für deren Suchcrawler. Der Erfolg von Seiten wie Facebook lässt an einer zentralen Stelle im Internet einen immer größer werdenden blinden Fleck für Google entstehen. Immer größere Aufmerksamkeitsströme verlagern sich in das Angebot von Facebook. Es entsteht so etwas wie ein Internet im Internet, mit sehr persönlichen Daten der Nutzer, betrieben auf den Servern von Facebook. Google hat dem nichts wirksames entgegenzusetzen. Das eigene Soziale Netzwerk Orkut ist nur in Brasilien und Indien von Bedeutung und dümpelte lange vor sich hin. Die Initiative Open Social kann als der verzweifelte Versuch gewertet werden, sich mit anderen sozialen Netzwerken gegen Facebook verbunden zu wollen und deren Wachstum zumindest zu verlangsamen.

Q: Schafft es Microsoft den von Google eingeleiteten Paradigmenwechsel aufzuhalten?

Veit Siegenheim Den eingeleiteten Paradigmenwechsel hin zu mehr webbasierten Anwendungen und weg vom PC-zentrierten Modell der Wintel-Jahre wird Microsoft wahrscheinlich nicht mehr aufhalten können. Dies kann man als eine logische Entwicklung und Konsequenz aus den steigenden Bandbreiten und immer leistungsfähigeren Netzen sowie immer besserer Technologien sehen. Informationstechnologie wird mehr und mehr zur Commodity wie Gas, Wasser und Strom. Amazon hat hier mit den Amazon Web Services eindrucksvoll gezeigt wie die Zukunft aussehen kann. Aber auch andere Unternehmen wie Salesforce.com gehen konsequent diesen interessanten Weg – zum Vorteil der Nutzer und Kunden. Hier ist Google durchaus nicht allein. Microsoft dürfte versuchen, die künftige Welt der Informationstechnologie auf seine Weise zu beeinflussen. Hier zeigen die Redmonder durchaus, dass sie in der Lage sind, die Entwicklungen aufzugreifen und mitgestalten zu wollen – Stichwort: Windows Azure oder internet-basierte Office Anwendungen. Wenn auch mit einem spürbaren Widerwillen, der aber auch verständlich ist, weil man viel zu verlieren hat. Ich gehe davon aus, dass Microsoft auch in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle in der Internetökonomie spielen wird.

Vielen Dank für Ihre Zeit Herr Siegenheim.

siegenheim_veitVeit Siegenheim ist Geschäftsführerender Gesellschafter der Siegenheim & Cie. GmbH und Executive Partner bei Accenture. Seine Arbeit fokussiert sich auf die Transformation von Medien- und Telekommunikationsunternehmen, die durch die zunehmende digitale Konvergenz notwendig wird. Veit Siegenheim ist Autor verschiedener Studien, Fachbeiträge und Fachbücher sowie Redner auf Fachkonferenzen und Gastreferent an Universitäten.

Monitoring Ergebnisse – Deutsche Marken auf Twitter

jvfotoDie Monitoring-Ergebnisse waren teilweise überraschend, teilweise aus Sicht der Twittersphäre (oder sollte ich sagen eines Social Median?) aber auch einfach zu erwarten.

Das Social Media Breakfast präsentierte gestern die Ergebnisse eines Twitter-Monitorings von 133 Marken in 20 Kategorien. Der Gründer von e.life, Jairson Vitorino, hat mit seinen Monitoring-Technologien im August über 23.000 deutsche Tweets von fast 8.500 Unique Twitter Usern ‘verfolgt’, die sich mit deutschen Marken auf Twitter befassen.

Die Hauptaussage des Monitoring-Ergebnisses zeigt Raum für Potential und für einen Einstieg von Marken in Twitter: Die Top 20 Brands in der Studie erhalten nahezu 66% des Twitter-Buzzes.

Die Marken iPhone und Apple generieren zusammen mehr als 18% der Twitter Nennungen und liegen damit weit vor Technik-Marken wie SONY (4,6%) und Microsoft (3,8%). Keine große Verwunderung herrscht sicherlich bei der Erkenntnis, daß IT, Auto, Elektronik, Smartphones und Telekommunikation die führenden Kategorien in den Tweets der Deutschen sind. Eher erstaunlich ist, daß sich als Nachzügler stark werbende Kategorien wie Luxusmarken, Kreditkarten, Kosmetik und abgeschlagen die Marken der Autoreifen zeigen.

IKEA ist die einzige Fachhandelsmarke unter den 20 Top-Marken Nennungen, die zahlreiche Tweets erhält (nahezu 3,4%). Überlegt man sich, wieviel Radio- und TV-Spots die Möbel-Retailer Segmüller oder die XXL Lutz-Kette machen, so sieht man hier die Chancen für genannte (oder hier nicht-genannte) Marken diese ins ‘Twitter-Spiel’ einzubringen. Aber auch, daß sich hier unterschiedliche Zielgruppen auf unterschiedlichen Medien- und Zielgruppenebenen tummeln.

Bei der Nutzung von Hashtags (welche von mir selbst eher selten Verwendung finden), sind die Deutschen sehr zuverlässig – auf rund 6 Tweets kommt ein Hashtag. Das beliebteste Hashtag ist #fail. Hier frägt man sich natürlich, ob dies ein “Mentalitätsphänomen” speziell der deutschen Twittersphäre ist. Da jairson ankündigte, die gleichen Monitoring Auswertungen in Madrid und England durchzuführen, wird sich bald zeigen, ob dort die Twittersphäre auch gern in Wunden bohrt?

Als führenden Twitter-Städte sind -ebenfalls nicht verwunderlich-Berlin, Hamburg und München auszumachen.

Spot On!
Sicherlich interessant ist, daß die sogenannten “Top Influentials” nicht zwangsläufig über die Topmarken twittern. Hierbei stellen sich mir einige Fragen: Will man sich nicht zu Marken bekennen, um die altbewährte redaktionelle Integrität zu wahren? Steht da die Bloggerehre auf dem Spiel? Ist das iPhone das einzige Brand, welches die führende Twittersphäre bewegt? Oder ist der Top-Twitterati wirklich markenresistent?

Liebe deutsche Twitterati, Eure Kommentare könnten hier wahrlich helfen…

Sämtliche Ergebnisse der Monitoring Ergebnisse gibt es hier zum Download.

Übrigens: Wer sich tiefergehender über Twitter und Business Cases informieren will, der kann dies auf einem der drei Termine der Tweetakademie machen.

News Update – Best of the Day

daily1The YouTube day!

YouTube is on the rise and growing very fast. One reason why I have chosen this platform for today’s spot on. Find inspiration of what is possible with the leading video platform..

YouTube & The past – The question that probably most of us business marketers and sales people want to have answered is: What were the most successful videos on YouTube? ReadWriteWeb’s author Richard MacManus has the answer and comes to the conclusion that music reigns. No surprise the best video of all times is the ‘Evolution of Dance’…

YouTube & The present – HP uses YouTube for a promotion to create a new community around video production. The competition page is for everyone who wants to ‘declare yourself in a video’. By offering a price draw of 300.000 US dollars they have generated more than 4500 subscribers and a lot of friends. And you can see great productions like this one…

YouTube & The future – An interesting project by Simyo and Ahead of Time gives us some outlook on ‘The future of mobile media and communication’… seeing the comments, it seems that not everybody shares this vision.

PS: If you are on a social media hype, then you live your life quite fast sometimes. In my view, this fast consumption of life is mirrored in a banned commercial for Microsoft XBox…

Spot On!
Leave us your ideas, competitions and productions in a comment…! We will write a post about the best video idea and it’s producer that we will find in our comments…

Google: Online an Werbung verdienen, aber offline selber werben…? – Trau, schau, wem…

In den letzten Wochen häufen sich die Studien, die uns verdeutlichen sollen (oder wollen), wo wir denn am meisten der Werbung trauen, offline oder online? Die Brisanz erhöht sich jetzt noch, wenn eine “gebürtige” Onlinefirma mit Internetwerbung sich finanziert, aber mit TV-Werbung für eigene Produkte (Chrome) wirbt und nun gegen den Mitbewerb von Microsoft Exchange oder Lotus Notes wieder offline mit Billboards für Google Apps an den Start geht.

Der Zweck heiligt die Mittel, um sich den Mitbewerb fern zu halten. Da ist auch Offlinewerbung recht. Google’s Kampagne ‘Going Google‘ setzt nicht auf eine Schwemme eigener Werbungsanzeigen im eigenen Werbesystem wie z.B. Adwords oder Adsense. Nein, man flankiert vier der großen amerikanischen Highways mit einem täglich wechselnden Billboard, welches dort vorwiegend Microsoft’s Office Suite in den Schatten stellen soll.

Nun soll Mundpropaganda auch offline seine Wirkung zeigen: Denn wenn 1.75 Millionen Firmen Google Apps nutzen, sollte sich die Mundpropaganda schon verbreiten. Frägt sich angesichts der ordentlichen Erfolge nur, warum die neue Kampagne dann noch nötig ist, wenn so viele Firmen Google Apps bereits einsetzen. Nun ja, egal…

Der Ansatz verwundert auch angesichts der neuesten Studienerkenntnisse der großen Marktforscher.

Eine aktuelle Nielsen Studie “Global Online Consumer Survey” besagt, daß die Glaubwürdigkeit in Online steigt. So vertrauen im Durchschnitt weltweit 41% der Internet User online dargestellter Werbung. Am meisten trauen die Menschen laut Nielsen natürlich dem Wort des Freundes (90%!) bzw. desjenigen den man kennt. Gemäß einer TNS Studie hingegen sind dies gerade mal 42% weltweit.

Nun ist der Freund nicht immer gleich ein Freund im Sinne des Wortes. Auch wenn uns Online-Plattformen für Freunde wie Facebook das per Begriffsdefinition vermitteln wollen. Der Begriff ‘Freund’ wird da schnell dehnbar und sinn-verzerrt. Und ob man alle seine Onlinefreunde von Facebook wirklich kennt und ihnen vertraut, sei mal dahingestellt.

Schlußfolgerung: Der Konsument glaubt Online Werbung soviel wie der Empfehlung des “Freundes”, oder nicht? Er vertraut eben der Aussage, der er vertrauen will… Ob online oder offline ist da offensichtlich unerheblich. Wußten wir das nicht schon vorher? Die Studien erscheinen irgendwie wenig Vertrauen bildend und förderlich…

Spot On!
Also versuchen wir uns mal die Google-Strategie zu erklären…
Google liest vermutlich Studien genauer. Laut der letzten Nielsen Studie ist das Vertrauen in “gebrandete Webseiten” nämlich an zweiter Stelle. Da wundert es nicht, daß Google in der Offlinewelt wirbt und dort über große Autobahn-Billboards potentielle Firmenkunden von Google Apps überzeugen will. Denn bei der Werbestrategie kommt die derzeit viel zitierte Word-Of-Mouth Taktik ins Spiel: Die Autofahrer sehen die große Werbung, erzählen dann wieder ihren Freunden davon und die gehen dann auf die für die Kampagne produzierten Online-Microsites und lassen sich von den von Google gebrandeten Webseiten überzeugen. Ah ja, logisch…

Vorausgesetzt alle können sich noch an die URLs der Landing Pages erinnern. Natürlich werden sie das, denn die Kampagne basiert auf einer außergewöhnlichen viralen Offline-Kreativ-Idee. Aus Überzeugung unterstützt man die Kampagne auch online mit einem eigenen Twitter-Account und weiterführenden Online-Infos

Google’s Werbestrategie und Web-Intelligenz überrascht uns immer wieder. Aber durchbricht eine solche ausgeklügelte Offline- und Online Werbetaktik nicht die Logik des Googleschen Werbemodell-Erfolges, dem die ganze Werbebranche vertraut hat?

Offensichtlich ist die Onlinewelt letztendlich doch nur eine Katalysator für die Offlinewelt. Oder ist es doch andersherum…? Wer traut sich eine Antwort zu geben…?

Überflieger: Zur rechten Zeit am rechten Ort mit rechtem Glück

Nach Tipping Point und Blink erscheint es nun, als ob Malcolm Gladwell über sich selbst und seine Karriere schreibt: Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere weniger.

Wer dieses Buch eines der hundert einflussreichsten Meinungsmacher Amerikas bis zum Ende liest, bekommt diesen Eindruck der Selbstrechtfertigung des eigenen Erfolgs auch gewissermaßen bestätigt. Denn das letzte Kapitel wirkt wie eine Familienbiografie um den Mathematikprofessors sowie seine Familie.

Malcolm Gladwell macht mit diesem Buch jedem ehrgeizigen Manager 2.0 klar, daß zum Überflieger mehr gehört als nur Können, Ausdauer, Beharrlichkeit und Disziplin. Eine weitere Tatsache ist mindestens ebenso ausschlaggebend für die Geburt eines Überfliegers: Manchmal muß man einfach zur rechten Zeit am rechten Ort sein muß, sprich: das entsprechende Quentchen Glück und Zufall braucht man eben auch.

Der Autor, hier im Interview, bleibt auch in diesem Buch seinem bewährten Erzählstil treu. Wissenschaft und Statistik sind Beiwerk. Gladwell ist ein gewiefter Geschichtenschreiber, der Einzelschicksale in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Nicht langweilige Rhetorik und Theorie der Zahlen, sondern biographische Exempel sind der Stoff eines unterhaltsamen Leseerlebnisses. Die Banalität des Glücks und des Zufalls übermäßig begünstigter Individuen wird so schnell zum Credo seiner Beweisführung.

Das einleuchtendste Beispiel erzählt die Geschichte des Überfliegers Bill Gates. Er wird als Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwalts und einer Lehrerin in Seattle 1955 geboren. Mit 13 Jahren geht er auf eine außergewöhnlichen Privatschule – Lakeside School. Dort gibt es in diesen Jahren schon einen Computerclub, in dem der mathematisch talentierte Nerd einen 24/7-Zugang zur Computernutzung hat. Diesen lebt er Tag und Nacht für die Analyse von Rechensystemen und Programmiersprache aus.

Die zahlreichen Programierstunden sind gut investiert. Sein Engagement resultiert in selbst-entwickelten Programmen. Es entsteht “Traf-O-Data”, ein Programm zur Messung von Verkehrsströmen, womit er und sein Mitschüler Paul Allen 20.000 Dollar verdienen. Statt seine Harvardkarriere eines Jura-Studiums zu beenden, macht er sich an die Verbesserung des Kleincomputers “Altair 8800″. Das Ende vom Lied? Die Gründung des Unternehmens Microsoft (mit Paul Allen).

Keine lineare Karriere, keine klassische Startegie, kein planbares Manifest des Erfolges haben Bill Gates zu einem Überflieger gemacht. Und auch die anderen Beispiele folgen keiner systematischen Logik – weder die der kleinen fleißigen italienischen Bauern, des talentierten Eishockeynachwuchses oder eines der erfolgreichsten Anwälte oder Schneider seiner Zeit.

Es sind immer andere Faktoren, die den Begünstigten den Weg zum Überflieger ebnen. Mal ist es der Stichtag für eine spezielle Rekrutierung in der Sportwelt, mal das geographisch günstige Klima, mal auch nur der familiäre Ursprung und mal die grüne Welle, auf der man reitet.

Spot On!
Als die Welt am Sonntag das Buch als ‘Sommerlektüre für Kapitalisten’ und mit den Worten ‘mit besserer Karrierestrategie durch die Wirtschaftskrise’ ankündigte, mußte ich schmunzeln. Denn das Buch gibt ebenso wenig Tips für unsere heutige wirtschaftliche Zeit, wie daß man den Traum ‘Vom Tellerwäscher zum Millionär’ mal schnell (er-)leben kann. Wer also erwartet, daß sich sein Leben radikal nach Lesen des Buches ändern lässt, der wird erkennen, daß zum Überflieger ein kluger Kopf, rationale Überlegenheit und rund 10.000 Übungsstunden nur die Basis für eine klares Taktikvorgehen ist. Eine langfristige Karrierestrategie läßt sich hieraus leider nicht ableiten. Denn die ist abhängig von der soziokultureller Prägung und historischen Gegebenheiten, die sich einzig und allein dem Zufall unterordnen müssen. Und dieser wird einem nun mal -zumindest nach der Gladwellschen Theorie- mit dem Geburtstermin in die Wiege gelegt…, oder eben nicht.

News Update – Best of the Day

Moms are very active on the social web, a study by BabyCenter says.

The future is mobility all over the world. A multi-country study by Lightspeed Research shows now how we use mobile phones now and what we might do in the future.

Advertising the new way? Look at Microsoft’s approach for new ads promoting the Internet Explorer. Funny or strange? Watch them…

News Update – Best of the Day

Although a study shows that 36% of internet searches lead to negative results, Microsoft and Google are still fighting their virtual competition for the best search engine – Bing vs. Google. Now, an eye-tracking study by User Centric offer a first look in the success of both. In sponsored links Bing performed better…

“However, sponsored links… attracted more attention on Bing (~42% of participants per search) than they did on Google (~25% of participants per search).”

Social media enters school education in America. Xavier Lur gives some interesting insight in the learning options of YouTube, Twitter or Facebook. And he links to 25 cases to use Twitter in the Classroom…

What will Bloomberg’s digital future and expansion strategy be looking like? Andrew Lack, CEO of Bloomberg’s new Multimedia Group, says that it will rely on original video news content to mobile phone users around the world. Watch his words at the Advertising 2.0 conference…

News Update – Best of the Day

The first Bing commercial entitled ‘Manifesto’ kicks off officially Microsoft’s Google competitor. The search engine ad spots for Bing (100 US Dollar campaign) on the notion of “search overload”. It is suggesting web users have been “lost in the links” while America’s financial system has been collapsing. In AdAge Microsoft is cited the idea behind ‘Manifesto’ is to elicit an emotional response about a concept that is decidedly not emotional. ‘You need the right informations to make the right decisions’ – powerful words or just a platitude? Watch it and let us know what you think…

Some weeks ago, we were focusing the News Update on the Twitterstorm effect – and how to work against this phenomenon, meaning how to save brand value. Now, we can see in a great case study on Starbucks that companies involved in social media are most likely to survive a brand attack.

Ever checked the marketing effectiveness of social networks like LinkedIn, Facebook, MySpace, Stumbleupon and Twitter for your website or business? An interesting case study by Randy Woods shows us how to approach such a challenge and what the results could be looking like. One thing is for sure: LinkedIn for B2B efforts is quite powerful…

PS: Happy Birthday, Facebook platform…!

News Update – Best of the Day

According to a Microsoft research the time peole are online in Europe will be more than the length of time they spend watching TV – and this will already be the case in June 2010. The outlook of the software giant predicts that people will spend on average 14.2 hours a week online and 11.5 hours a week watching TV.

Although YouTube is ot the easiest site for Google to bring to advertisers minds, it still does some good results – and has increased ad selling from 6 to 9% – in terms of its video views. Nevertheless, revenues are still low – as for all competiors like Hulu or MySpace, said AdAge. Again it shows, content is king from revenue perspectives…

“The gain in YouTube’s U.S. business is the result of a number of factors, including more content agreements with partners such as CBS, MGM and, more recently, Disney, expanding YouTube’s partner program to thousands of indie and small producers and successfully guiding YouTube visitors to content it can sell to advertisers.”

Some fashion spots are just cool… and find a great ending.

News Update – Best of the Day

Now that we are all in many different social networks, it is time to find a social network aggregation tool. At the Web 2.0 Expo in San Francisco, a company called Nomee promised to be the ‘all-in-one networking software … the tool that helps manage them all’. This tool is
aggregating all social networking sites, in some way like PeopleBrowsr that puts all networks and identities into one single window. But Nomee is offering some more: it’s acts like a social identity management tool (enables to control which identities shared with which people). Sarah Perez writes more on the new service.

Sometimes we should think about how annoying social media habits could be in real life. Microsoft and Julian Smith did. If it is interactions we love to do on a daily business in social networks and with micro-blogging tools or the ‘25 things we hate about Facebook’…

Some companies take a different approach in their ad strategy, like The Coldwell Banker. CMO Michael Fischer follows the long tradition and explains why he continued to keep the painted portraits of the 103-year-old company’s founders as the icon of the real estate giant’s marketing campaigns. The ad age interview is an interesting example that your web-strategy has to listen to your target group needs while combining the old and the new advertising values.

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